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Marg bar jomhuriye eslami!

“Death to the Iranian regime, long live the freedom of women”

“Tod dem iranischen Regime, es lebe die Freiheit der Frauen” 11258250_10204086932845558_4118128692778431734_n

http://jungle-world.com/von-tunis-nach-teheran/3228/

http://www.basnews.com/en/news/2015/05/10/erbil-protest-in-support-of-mahabad/

http://iraniansforum.com/eu/massenproteste-in-mahabad/

http://jungle-world.com/von-tunis-nach-teheran/3226/

A comrade wrote:

In Mahabad (Iranian Kurdistan) killed himself last Monday Farinaz Khosravani from the fourth floor of a hotel to escape the rape by state officials of the Islamic Republic. Since then, people protest in Mahabad against the systematic aggression of Khomeini despotism towards women – and since those despotism is forced to bring more troops to repressive forces in the city in north-western Iran, to crush the rebellion. The hotel, before the German flag was hoisted (somewhere the trade representatives of German repression technologies must spend the night), burned down. Protesters tore the “Art and Craft”, which shows a stylized signature “Allah” from the flag of the Islamic Republic. The “self-defense unit of Women Iranian Kurdistan” (witches Para Tina jine, the Women’s Brigade of the Iranian PKK sister party PJAK) calls for self-defense against the “misogynist” Islamic Republic of Iran and is also reminiscent of the murders of Reyhaneh Jabbari (executed in Iran because she killed her rapist) and Farkhunda Malikzada (due to the rumor that she had burned a Quran, stoned by a mob in Kabul).

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Griechenland, Griechenland: Siechenland

Ein spektakulärer Streit beflügelte dies Frühjahr periodisch die Phantasien in Europa. Griechenland gegen Deutschland. Viel Scherben seien auf dem diplomatischen Parkett erzeugt worden und die BILD feuert immermal wieder einige Breitseiten gegen dieses unproduktive Land und seine Leute, die irgendwie ihren wirtschaftlichen Absturz noch nicht ganz akzeptiert haben. Es wäre wie wenn zwei Autos aufeinander zurasen und man mal guckt, wer zuerst herausspringt, dramatisiert auch die seriöse Zeitung. Spieltheorie mal anders. Die Preisfrage lautet nun: Bekommen die Griechen ihre kleinliche Währung zurück? Dann, so sagt man in wirtschaftsgebildeten Kreisen, könnten sie diese Währung abwerten. (In der Ukraine experimentiert man gerade mit solchen Abwertungen und hat nun eine Hyperinflation. Die ganze Sache mit dem Abwerten ist nur ein höflicher Ausdruck dafür, dass diese Währung dann Ramsch wäre.) Die Deutschen könnten dann Ouzo und Olivenöl billig importieren und prima Urlaub auf den Inseln der Pleitegriechen machen. Soweit die Einbildungskraft.

Die Realität sieht anders aus. Es herrscht in ihr die prästabilisierte Harmonie. Am Ende werden sie sich einig werden. Sie müssen es und sie sind es bislang immer geworden. Alles andere wäre ein Unfall. Der kann vorkommen und irgendwann in nächster Zeit fliegt uns vielleicht dieses Konstrukt von EU um die Ohren, aber bei jeder einzelnen Krise sollte man nicht darauf wetten. Jedenfalls wird Griechenland neue Kredite bekommen und die Auflagen akzeptieren. Wie immer werden die Auflagen schlecht und schleppend umgesetzt werden und mit Verweis auf andere Reformunwillige Südländer und einer praktikablen Alternative wird das auch durchgehen. Neben dem erklärten Ziel der Zentralbank, den Euro mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten und mit Hilfe der Krise lieber die politische Union Europas einzuleiten, spielen Gründe der geographischen Politik eine Rolle. All die Flüchtlinge müssen ja aufgefangen werden und hier tun die Griechen bekanntlich einen guten Teil unserer Dreckarbeit. Und dann ist ja auch die Südostflanke der Nato betroffen und da die Türkei seit Erdogan nicht gerade der verläßlichste Partner ist, bzw. wenigstens niemand sagen kann, wo die Türkei genau in 20 Jahren steht, wer soll Deutscheuropa dann verteidigen, wenn nicht Griechenland. Diese drei Gründe – Euroerhalt, Abschottung, Außenverteidigung – garantieren die prästabilisierte Harmonie. Der Rest ist Tagespolitik und Elendverwaltung.

Was waren also die interessanten Schritte der griechischen Regierung? Ministerpräsident und Finanzminister treten trotzig in die Verhandlung mit den nun Institutionen genannten Troika aus IWF, EZB und noch irgendwem. Sie machen ihnen jeweils Reformversprechen und scheren sich hinterher nicht besonders darum. Die griechische Regierung will eine Liste mit Reformen erstellen oder hat sie schon erstellt. Aber die Liste ist nichts wert und so sind alle in den Institutionen verärgert. Als Druckmittel für diese Verhandlungen um etwas bessere Konditionen der Kredite erwähnt der Außenminister, dass im Falle eines endgültigen Zusammenbruchs, Griechenland zum Einfallstor für “Millionen Immigranten und Tausende Dschihadisten” werden könnte. Der Kriegsminister drohte: “Wenn sie Griechenland einen Schlag versetzen, dann sollen sie wissen, dass […] die Migranten Papiere bekommen und nach Berlin gehen” und der Stellvertretende Bürgerminister droht mit 300.000 bis 500.000 Migranten, die man nach Europa durchlassen werde. (Dieses Verhandlungsform ist nicht neu. Italien hat sie mit Mare Nostrum eingeführt, nachdem der deutsche Moraltrompeter Gauck sich über die Behandlung der Flüchtlinge durch Italien beklagt hatte. Die Küstenwache hatte daraufhin zahllose Schiffe nahe Afrika aufgehalten und deren Passagiere nach Italien gebracht. Einige davon ließ man Richtung Norden weiterreisen. Das Spiel mit den Flüchtlingen sollte die schleppenden Reformen unter Rienzi kaschieren und die Verhandlungsbasis Italiens stärken.) Etwas außerhalb der Öffentlichkeit fand eine kleine Provokation des Kriegsminister statt, der irgendeinen alten Streit um Inseln dazu nutzte einen Militärzwischenfall mit der Türkei zu provozieren. Beide Seiten hatten am Ende Militärfluggeräte in der Luft. Am Ende mußte sich die Türkei sogar entschuldigen. Bei einem Treffen mit dem Generalsekretär der NATO bekräftigte er die gute Zusammenarbeit, unterstrich die hohen Militärausgaben Griechenlands, erwähnte die Flüchtlinge und forderte, daß die aktuellen Umorganisation in der Ostverteidigung noch um eine “südliche Dimension” erweitert werden müßte.

Das ist es was nationale Regierung Griechenlands in die Waagschale schmeißen konnte. Dabei haben sie immerhin die USA auf ihrer Seite und heimlich auch Italien, Spanien und sogar den Sparmusterjungen Portugal. Wahrscheinlich wird sich auch Frankreich nicht zieren, wenn es um mangelnde Sparbereitschaft geht. Zum Verdruß der Deutschen. Aber die führen Europa und versuchen das schlimmste zu verhindern: die Abwertung des europäischen Wirtschaftsraum durch eine Quarkwährung. Vermitteln tut dann die EZB, diese europäische Bastion, der beide Seiten vorwerfen die je andere zu bevorzugen, indem sie einerseits die Südeuropäer mit billigem Geld versorgt und andererseits politische Auflagen einfordern, die die Produktivität steigern und die Eurowährung stabil halten sollen. Und so geht alles weiter. Bekanntlich hatte Griechenland vor der aktuellen Regierung auch schon Regierungen.

CrimethInc hat einen Debattenbeitrag zur neuen Regierung veröffentlicht. Er ist immerhin besser als der illusionäre und konformistische Dreck der hiesigen linken Bewegungsverwaltung zum Thema, aber völlig naiv, was die sog. Bewegung in Griechenland angeht. Und er hat einen bescheuerten Titel: Syriza kann Griechenland nicht retten. Jedenfalls hat et al. diesen Text übersetzt, warum auch immer.

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“I don’t believe in god, because I believe in man” (Living my Life, Emma Goldman, 1931)

Imagine, capitalist America also divides the anarchists into two categories, philosophic and criminal. The first are accepted in highest circles; one of them is even high in the councils of the Wilson Administration. The second category, to which we have the honor of belonging, is persecuted and often imprisoned. Yours also seems to be a distinction without a difference. Don’t you think so? (Emma Goldman)

Emma Goldman Anarchistin und Feministin. Ihre Autobiographie erschienen 1931. Privates und vor allem politisches Leben.

Emma Goldman, “Living My Life” in persischer Übersetzung.

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Rezension: Michèle Bernstein – Alle Pferde des Königs (Teil ii)

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Es wird Bücher geben und es wird Bücher geben, dann wird es wiederum Bücher geben, die Bücher sein werden und andere Bücher, die Bücher sein werden wollen. Ungeschriebene wie nicht wiederzufindende Bücher wird es selbstverständlich auch noch geben. Mir wird man mal erzählt haben, es gäbe auch solche, die für die Schublade geschrieben worden sind und dann noch die Bücher, das sind die Schlimmsten, die ausschließlich in einer Bibliothek erscheinen werden. Welcher Verlag wird so etwas drucken? Bibliotheksverlage? Archivverlage? Wie viele Bibliotheken wird es geben? Und wie viele Archive werden überhaupt noch besucht werden? Die armen Archivare. Aber es wird auch egal sein.

Zudem werden Romane, als auch Romane, die wie Romane klingen werden wollen, aber keine sein werden, erscheinen. Doch wird es auch Romane, die keine Romane sein werden wollen und trotzdem Romane bleiben wollen, geben. Zu Letzterem wird auch das Buch von Michèle Bernstein gehören, das in der deutschen Erstübersetzung im Nautilus Verlag Ende Februar 2015 erscheinen wird. Es wird den Titel „Alle Pferde des Königs“ tragen und tatsächlich wird es vom hohen Ross  geschrieben worden sein, das sich auf dem Weg werden macht den traditionellen Roman zerstören zu wollen.

Bernstein wird meinen ihren Roman als Scherz zu schreiben, doch der Roman wird nicht als Scherz erscheinen und so wird dieser Roman das erste und vorletzte Buch von Bernstein sein. Guy wird an irgendeiner Stelle sagen, dass er über die Verdinglichung arbeiten werde. Auf Nachfrage wird er klarstellen, dass es sich dabei um keine schwere Lektürearbeit handeln wird, sondern um Spaziergänge. Doch wo wird der Scherz sein? Die Ergründung Paris’ wird für die Geopsychologie der Situationisten ein Moment der Erkenntnis werden: Verkehrsformen in denen sich das Alltägliche (re-)produzieren wird und  durch das Dérive eingeholt werden muss. Gleich zu Beginn des Romans werden die zwei Hauptprotagonisten (u.a.), die unschwer erkennbar Guy Debord und Michèle Bernstein sein werden (aus dem künftigen Klappentext beinahe entnommen), in ein Taxi steigen und sich mehr durch Zufall zu einem – morgen würde man sagen – Spätkauf (ein schrecklicher Neologismus) chauffieren lassen. Doch auch hier wird der Blitz einschlagen, denn das Verkehrsmittel wird sehr explizit gewählt sein und die Protagonisten werden sich ausschließlich zu Fuß oder mit Taxen bewegen. (An allen weiteren Stellen wird das Transportmittel unbestimmt bleiben.) Im abschließenden Schlusswort wird die im hohen Alter noch lebende Pariserin (zwischenzeitlich Londonerin), Bernstein, ihre Annahme, dass es sich um einen großen Scherz handeln werde, noch einmal deutlich hervorheben. Nichts davon wird ihr zu glauben sein! Dem Zeitgeist wird man vielleicht durch diesen Roman entrinnen und gleichzeitig noch Geld akquirieren können, doch der große Aberglaube an den Situationismus wird seit spätestens zehn Jahren (vor allem in Künstlerkreisen) große Begeisterung erfahren werden. Diesen wird es es, wie alle Vorstellungswelt, der ein Beitrag zur Historisierung der SI sein möchte, zu zerstören gelten.

Michèle Bernstein: Alle Pferde des Königs. Aus dem Französischen (die geringfügig Beschäftigten und bis dato völlig mittellosen) Dino Beck und Anatol Vitouch. Mit einem Nachwort (das ich nicht gelesen haben werde) von Roberto Ohrt. Deutsche Erstausgabe. 128 Seiten. (Für:) 19,90 € (die ich nicht bezahlt haben werde). (In irgendeinem) Februar 2015 (der noch kommen wird).

David Ricard

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Die Formierung des Kritikers zur Bande als Bedingung der Möglichkeit der Rettung von Kritik überhaupt

Von Engels, aber keinesfalls Marx, stammt der Satz, dass die Menschen erst essen und trinken müssten, ehe sie daran denken könnten, Geschichte zu machen. Allgemein suspekt ist der heutigen Kritik zu Recht der Gedanke, dass die Menschen tatsächlich die Geschichte machen, und sei es selbst aus nicht freien Stücken; zu Recht deswegen, weil er die Zumutung ausdrückt, es käme auf die Einzelnen überhaupt noch an. Was aber hier wie ein Ausgleiten des Klassikers in den überwunden geglaubten präfaschistischen Idealismus Junghegelscher Prägung aussieht, ist geschichtsmächtig geworden und besteht, als objektive Denkform, weiter im Ressentiment gegen die neuere Kritik selbst.

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