Die dichroitischen Spiegel

Eine Annäherung

Der nüchterne Blick nach vorne ist durch ein Sammelsurium mannigfaltiger Trugbilder verwehrt. Unzählige Spiegel, von Menschenhand geschaffen, stellen sich dem Sehnsüchtigen entgegen, um ihm das Abbild seines eigenen Seins als ewig wahres und einzig vorstellbares entgegen zu werfen. Kein Blick geht an ihnen vorbei, und so ist einem jeden die klare Erfahrung des Selbst und Seinesgleichen verwehrt und mittels Kasuistik geschickter Lichtbrechung nur noch in Silhouetten ersichtlich. Jede Begegnung untereinander, jede menschliche Beziehung aktiviert sich lediglich mittels gemeinsam erschaffener Bilder, welche sich von Anbeginn ihrer, dem hohen Akkumulationsgrad geschuldeten Existenz vom Menschen erhoben, ihn sogleich umgarnten und letztlich durchdrangen. Die Physiognomie allen Seins ist verkehrte, welche sich als konkrete gebiert um ihr abstraktes Moment zu kaschieren. Doch ist es gerade die Suprematie des mit dem Konkreten „schlecht“ vermittelten, „unversöhnten“ Abstrakten, welche die Totalität allen Seins aufbereitet und dessen einzelne Momente miteinander in Beziehung und die einzig noch geltende qualitätslose Intention des Seienden, das Kalkül, ein Äquivalent zu erheischen, generiert. Das der Spiegelung geschuldete Zerrbild vermittelt den Schein von aus Willen und Trieb primär hervorgehendem Denken und Handeln und unterschlägt sogleich im selben Atemzuge deren Determiniertheit von gesellschaftshistorischen Umständen, die es zur Herausbildung einer befreiten Menschheit zu dechiffrieren gilt. Die Totalität des Tauschverhältnisses erfasst die Fähigkeiten und Emotionen eines jeden und bricht als universaler Abschleifungsprozess1 jegliche Begierden und Spontaneitäten auf den kleinsten gemeinsamen Nenner herunter, sodass sie mit steigender Quantifizierung und proportional sinkender Qualität zu derlei kommensurablen Gütern verkommen, welche sich in die Tabellen und Statistiken der Kybernetiker einreihen, messen und verwalten lassen.
Wüsste das gesellschaftliche Individuum um seine verzerrte Gestalt, hätte es mehr als verkehrtes Bewusstsein vom Sein, so würde sich dieses bewusste Sein dem falschen Ganzen unversöhnlich entgegenstellen, sich aufbäumen und das real gewordene Bild der eigenen Existenz und Daseinsform, als atomisierte Warenmonade, gleich einer hässlichen Fratze empfinden, deren Anblick es nicht länger standzuhalten willens wäre.

Ein gewisses Unbehagen lässt sich unter den Anhängseln der Maschinerie dieses Kabinetts bereits konstatieren, denn es müht sie, sich mit den sie umgebenden und durchdringenden Bildern abzufinden; doch die Empfindungen richten sich nicht gegen diese, sondern gegen sich selbst und ihresgleichen. So verdinglicht sich durch die Verbildlichung allen Seins auch die gemeinschaftliche Produktion zur asozialen Seite der Konkurrenz, an welcher man bei zeitweise eintretendem Erfolg gar Lust zu verspüren scheint und zugleich Antipathie gegen jene Mitstreiter, die sich als entfremdete Silhouetten zur Gefahr des eigenen ökonomischen Standes spiegeln und besonders zu Zeiten eintretenden Misserfolgs die Abstiegsangst in dem sich verfolgt Fühlenden evozieren. Die allgegenwärtigen Bilder trennen das Wahre und verbinden das Falsche, sodass sich der Mensch als Vereinzelter vorfindet und dennoch als Bestandteil eines Kollektivs Vereinzelter, welches mit anderen konkurriert und in dem man beständig konkurriert. Die Verbildlichung dient der Verschleierung und zementiert das quid pro quo, um die Gattung Mensch ihrer Kräfte zu berauben. So dümpeln und wetteifern die gesellschaftlichen Individuen in und mit ihren Grüppchen und halten somit das schauderhafte „Spiel“ aufrecht, welches sie mit Leib und Leben zu zahlen haben.

Es ist ihnen nicht ersichtlich, wie sehr sie sich selbst mit dem flüchtigen Blick auf das sie Umgebende täuschen. So formiert sich neben der rituellen Mimesis, als masochistischer, immer wieder aufs Neue durchexerzierter rastloser Arbeit an sich selbst2, das Unbehagen, qua falscher Projektion, zum blinden und wütenden Hass, der sich in einer Hetzjagd im Irrgarten zu artikulieren droht und all die als schädlich stigmatisierten Insassen zu vernichten trachtet, nicht damit die Bilder in den Spiegeln verschwinden, sondern damit die Bildwelt total und somit alles Lebendige vernichtet wird; denn was das Abstrakte an seiner totalen Entfaltung hindert, ist sein konkreter stofflicher Körper als Träger, dessen er sich überdrüssig fühlt. Wie gleichgültig sich das Abstrakte zu seinem „Wirt“ verhält, zeigt sich, wenn es das Lebendige als letzte Schranke des Spektakels zu durchbrechen trachtet. Die Geschichte des Kapitals ist der Versuch, sich selbst als Nullzeit zu setzen.3 Es ist dies das schrecklichste Schicksal, welches einen durch die Hand des blind wütenden Mobs ereilt, der nicht mehr in der Lage ist, abstrakt zu denken und derweil konkret zu fühlen. Denn dieser Fähigkeit wurde er noch vor seiner Konstituierung beraubt, sie wurde absorbiert von den Spiegeln, die keine Individualität zu kennen erlauben und alles dem Takt ihrer Maschinerie einebnen; es ist der Takt, der diese Maschine aufrecht erhält, und dieser Takt ist derjenige des Gleichschritts.
Was sich von Anbeginn seiner Entstehung bis heute als Sprengkraft zur Entfaltung der menschlichen Produktivkräfte darbietet, erweist sich vom ersten Moment an als in sich selbst verschränkt: Die Forderungen der bürgerlichen Aufklärung, mit welchen sich die Menschheit aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit hinauszumanövrieren suchte, verschränkten sich innerhalb des geschichtlichen Entwicklungsprozesses mit der verwalteten, strikt reglementierten Einrichtung des menschlichen Zusammenlebens und mutierten zu einem traurigen Abbild ihrer selbst. Als bloße Worthülsen verkommen sie nicht mehr nur innerhalb der gängigen Produktionsstätten von Ideologie zu hohlen Spielmarken, jeglichen Inhalts beraubt und dermaßen verkrustet, dass sie sich im Zustand ihrer Verhärtung als unfähig erweisen, dem Lauf der Geschichte noch standzuhalten.

Um sich der Resignation zu verwahren, ersehnt man sich das Opiat, welches den Lauf im Käfig, der jederzeit zum Amoklauf sich steigern kann, erträglich macht. Doch es ist nicht damit getan, den Geist zu vernebeln und den Körper zu lähmen; denn das begehrte Surrogat ist nicht in der Lage, die allseits umtreibende Malaise niederzuringen. Gerade diese gilt es bewusst zu artikulieren, um sich vor ihrem unbewussten Wüten zu schützen, sodass ihre reflektierte Artikulation endlich über das Bestehende hinausweist, anstatt weiterhin den sehnsüchtigen Blick ins Tal der Barbarei zu werfen.
Zugleich verschafft auch der genügsame Blick in die Spiegel keine Abhilfe, denn was sie versprechen und mit was sie locken, all den angepriesenen Wohlstand und das Glück, vermögen sie letztlich nicht zu erfüllen, denn sie sind Spiegel, und was sie darbieten ist Schein, und dieser Schein birgt einen tiefen Abgrund. „Der Animismus vorfindbarer Fratzen gleicht einer Beschwörung, in der man auf die Offenbarung der Spiegel hofft, doch diese schicken nur Bilder, in denen man sich endlos spiegeln kann.“4 Die affirmative Haltung zu den Trugbildern setzt die Unkenntnis ihres verkehrenden Moments voraus, und so wird das Konkrete begehrt, dessen abstrakte Seite aber sogleich verdammt und mittels pathischer Projektion in Form von Personalisierung pseudokonkretisiert und letztlich naturalisiert. Doch Tausch- und Gebrauchswert sind zwei Seiten ein und derselben Medaille, wodurch das einseitige, unreflektierte und fetischisierte Aufbegehren gegen den kapitalistischen Warenfetisch selbst keine adäquate Waffe im Kampf gegen das unvernünftig eingerichtete Jetzt darstellt, sondern sich gerade als Gipfel dieser Unvernunft erweist und sich selbst in seiner ausgefeiltesten Form nur gegen momentane Erscheinungsformen aufzurichten vermag. Der Gewalt ausgesetzt, wird diese verherrlicht, um an ihrer Macht zu partizipieren. In der erfolgreichen Anpassung an determinierte Abläufe scheint Freiheit sich zu bestätigen.5 Die dorfatheistische Antipathie bezüglich des Verlangens nach einer Verklärung und rosaroten Einfärbung des tristen Daseins nimmt einem die Mittel, aber nicht den Grund für die Sehnsucht nach dem betäubenden Äther. Kritik hat die „imaginären Blumen an der Kette“ zu zerpflücken, „nicht damit der Mensch die phantasielose, trostlose Kette trage, sondern damit er die Kette abwerfe und die lebendige Blume breche.“6
Einmal von Menschenhand geschaffen, scheint es schier unmöglich, dem Labyrinth der Selbstverblendung zu entrinnen; egal wie sehr man sich abmüht, der hastige Schritt durch die unendlichen und verwinkelten Gänge und Schächte dieses schauderhaften diabolischen Irrgartens vermag es nicht, die in den unzähligen Spiegeln vorbeirauschende Fratze abzuschütteln, die sich letztlich als die eigene erweist. Doch was ist es, das uns dazu verleitet, rastlos in diesem Kabinett umherzuirren? Es weist Fehler auf; Fehler, die bei günstiger Sonneneinstrahlung zu gegebenem Zeitpunkt als Risse in den unzähligen Spiegeln erscheinen, Risse, die einen grob erahnen lassen, was sich hinter den Trugbildern verbergen könnte. Doch um zu erfahren, was sich hinter den Spiegeln verbirgt, ist es notwendig, einen Augenblick zu verweilen und dem Zerrbild des Selbst entgegenzutreten. So scheußlich und grauenhaft dieser Anblick bei genauerer Betrachtung auch sein mag, ist es gerade der mutige und furchtlose Schritt auf den Spiegel, der diesen letztlich zum Bersten bringt.
Die Suprematie des im mutigen Blick erfahrenen Leids birgt die Gefahr der Resignation vor dem falschen Ganzen, welches nichts anderes neben sich erfahren lässt und bisweilen nicht nur seine hegemoniale, sondern seine totale, da singulare Stellung, zu behaupten weiß. Es liegt in dessen Wesen, jegliche Zeit, jedes Gedächtnis und jede wahre Erfahrung in sich aufzuheben.
Was die Ware nicht mehr einzulösen vermag, scheint das Jenseits zu versprechen, doch sind es gerade die Risse im Spiegel, welche einen vor der voreiligen Lösung unliebsamer Körperspannung zu bewahren vermögen. Sowohl dem aufs Jenseits verweisenden Thanatos als auch dem unreflektierten Frönen des Eros nach zugerichtetem und wahrem Glück spottendem Muster ist eine messianische Hoffnung entgegenzuhalten, welche zum Blick auf das verwaltete Falsche ermutigt und das Individuum der die Lebensfeindschaft implizierenden Todesverfallenheit entzieht. Diese Sehnsucht nach Erlösung ist das Vertrauen auf die Fähigkeit der Menschheit, sich als Gattung freier und selbstbestimmt produzierender Individuen zu organisieren. Sie vermag es, die menschliche Vorgeschichte unter dem Aspekt ihrer Abschaffbarkeit betrachten zu lassen, denn wo die Strahlen aus der Zukunft, dem Ort der Utopie, aufblitzen, scheinen sie zugleich auf das Reale, das Gewesene. Die Sehnsucht speist sich aus den Rissen, die das Mögliche zwar nicht greifbar machen, es aber doch erahnen lassen. Das dort offenbarte Licht verweist auf die reale Möglichkeit eines Lebens hinter den Spiegeln, ein bewusstes und selbstreflektiertes Leben jenseits reflektierenden Scheins. Die ungeheure Schönheit der durch die Risse dringenden Strahlen vermag den Blick auf das Elend zu stärken. Sie schenkt Hoffnung ohne den klebrigen Nebengeschmack von Äther, welcher den übrigen Lebenserhaltungsmaßnahmen für gewöhnlich anhängt und dessen Konsumenten Konsumenten sein lässt, indem er diese benebelt und zum Schweigen bringt. Es ist dies eine belebende Schönheit, die von den Strahlen ausgeht und ungeahnte Kräfte zu entfesseln im Stande ist. Diese abstrakten „messianischen Splitter“7, welche die Sehnsucht befeuern, dienen als Motivatoren für den Kampf, doch ihre abstrakte nicht-rationalisierte Gestalt muss konkretisiert, theoretisiert werden: Die Theorie muss die bloße Sehnsucht bewusst artikulieren, sie aufheben, um sie letztlich als real einklagbar aufzuweisen.
Je länger hierbei das Auge verweilt, desto unerträglicher die Fortexistenz im Kabinett des Wahnsinns; je schärfer die Beobachtung, desto klarer offenbaren sich die tiefen Furchen und Narben auf den Wangen des Ungetüms, welche von dem Leidensweg erzählen, den wir im Verlauf unserer Geschichte davongetragen. Zu deuten gilt es diese als Zeugnis des einstigen Aufbegehrens gegen das von uns selbst entworfene Kabinett, welches wir von innen heraus als unser eigenes Gefängnis erschufen und immer wieder aufs Neue reproduzieren. Ein Aufbegehren, welches wir mit dem Innehalten vor den Spiegeln aufs Neue initiieren und das, wie die offenbarten Wunden auf der Haut beweisen, unter Strafe steht. Der Rekurs auf die einstigen Erhebungen ermöglicht eine adäquate Analyse ihres Scheiterns, und dieser Sprung zurück verweist sogleich nach vorne. Denn den damaligen Begierden ist auch heute nicht Genüge getan, und so lässt sich ihr Klang auch gegenwärtig noch vernehmen, wenn man ihm nur zu lauschen beginnt. Den Opfern von einst muss Gerechtigkeit widerfahren, denn ihr Anspruch ist der unsrige und hat auch heute nicht an Gültigkeit verloren. „Nur dem Geschichtsschreiber wohnt die Gabe bei, im Vergangenen den Funken der Hoffnung anzufachen, der davon durchdrungen ist: auch die Toten werden vor dem Feind, wenn er siegt, nicht sicher sein. Und dieser Feind hat zu siegen nicht aufgehört“ 8
Prima conditio einer Assoziation freier und selbstbestimmter Individuen wäre die bewusste Absage an jegliche ideologische Weltverklärung, wie sie dem jetzigen Sein zu Grunde liegt. Der Fortschrittsglaube, sich mittels der Spiegel über diese selbst hinwegzusetzen, ist nicht haltbar, denn als Bestandteil des automatischen Subjekts haben sie zu keiner Zeit primär einer Verbesserung der Lebenssituation eines jeden gedient, was stets nur als ein Nebenprodukt ihres eigentlichen Zwecks zu begreifen ist, und frönen ein Dasein, in dem sie sich ihrer grundlegenden Funktion, mit der die im Hier und Jetzt unumstößliche Entfremdung der Gattung Mensch einhergeht, auch im weiteren Verlauf ihrer Entwicklung nicht entziehen lassen. Der Glaube an einen immanenten Prozess innerhalb des Systems der Unvernunft hin zu einer vernünftig eingerichteten Welt verlängert das Elend und begräbt alle Momente einstigen Aufbegehrens unter dem Trümmerhaufen der Geschichte, welcher sich hinter dem Rücken des nach vorne Gaffenden gen Himmel reckt. So gerät der einstige Schlag gegen die Spiegel nicht nur in Vergessenheit, nein, als rekuperierter wird er zu dessen Kitt verklärt, indem man ihm seiner kontinuum-sprengenden Tendenzen beraubt.
Es liegt daran, das Bewusstsein zu schärfen um über dieses Sein hinauszukommen und den Augenblick der Verwirklichung erstarrter Philosophie zu erreichen.9 Die Kritik darf nicht zum Zeitvertreib derer verkommen, welche es sich im falschen Ganzen einzurichten gedenken, denn „Kritik…ist das theoretische Leben der Revolution.“10 Und so drängt sie von Anbeginn ihrer Formulierung hin zu ihrer praktischen Verwirklichung. Es liegt an einem jeden Einzelnen, an jeder gequälten Seele, sich des falschen Ganzen bewusst zu werden. Doch die Versöhnung als Einheit des Vielen ohne Zwang, abseits der Reduktion und Abstraktion vom Besonderen aufs Allgemeine, kann nicht Aufgabe eines Messias sein, den es unter den Reihen der entfremdeten Wesen ausfindig zu machen gilt. Dies notwendige Bewusstsein muss schließlich ein gemeinsames sein, welches sich jeglicher avantgardistischer Formen verwehrt, die das Residuum der übrigen Sklaven nicht aus seinem Objektstatus zu befreien ersuchen, sondern diese zu einem weiteren Objekt, als das ihrer revolutionären Doktrin Hörigen, degradieren.
Damit die Anhängsel der Maschinerie und Objekte der durch sie produzierten Spiegel sich diesen entwinden, müssen sie sich ihres Menschseins erinnern und sich gemeinsam gegen die Entfremdung ihrer selbst, ihrer Natur, sowie der von ihnen gefertigten Gebrauchsgegenstände erheben. Die Aufhebung der Trennungen ermöglicht die Aufhebung des Seins als erniedrigtes, geknechtetes, verlassenes und verächtliches Wesen.
Auch der Kritiker kann sich seines Status als Warenmonade bis zur Situation einer revolutionären Aufhebung nicht ohne weiteres entziehen. Um eine solche Situation, die jede Umkehr unmöglich macht, zu initiieren, gilt es eine gegenwärtig nicht existente Kommunikation aufzurichten, eine Selbstkonstituierung, welche die Konstituierung aller entschiedenen Gegner der Unvernunft in die Wege zu leiten vermag. Um den nicht realisierbaren Glücksanspruch, den die Spiegel der Menschheit propagieren, sowie die destruktiven der Unvernunft geschuldeten Tendenzen dieser Gesellschaft aufzuzeigen, gilt es diese objektiven Begierden wie auch die herrschenden Lebensverhältnisse in Begriffe zu fassen, um eine Sprache der Kritik zu finden, die sich ihrer revolutionären Tendenzen nicht berauben lässt und einem jeden, der sie vernimmt, wie ein zäher Splitter sich ins Auge bohrt, denn „der Splitter in deinem Auge ist das beste Vergrößerungsglas.“11
Es gilt eine solch kohärente Kritik als Waffe gegen die Trugbilder der heutigen Gesellschaftsformation aufzubringen, um die Versprechen von Glück, Freiheit, Wohlstand, Versöhnung, von Identität, welche die Spiegel darbieten aber niemals einzulösen vermögen, sich endlich anzueignen. Diese Formation muss alles daran setzen, über dies Kabinett hinaus und nicht hinter es hinweg zu fallen, so also darauf bedacht sein, die Zerrbilder zu zerschmettern ohne sich selbst und seinesgleichen obendrein. Nur in der Aufhebung dieser Gesellschaft ist die Rettung der Menschheit vor ihrem Untergang zu finden:
„Marx sagt, die Revolutionen sind die Lokomotive der Weltgeschichte. Aber vielleicht ist dem gänzlich anders. Vielleicht sind die Revolutionen der Griff des in diesem Zug reisenden Menschengeschlechts nach der Notbremse.“12

Aquilah Chalid

1 Frank Böckelmann: Über Marx und Adorno. Schwierigkeiten der spätmarxistischen Theorie, Frankfurt am Main, 1971 , S. 29
2 Vgl.: Lars Quadfasel: Gottes Spektakel, S. 8
3 Joachim Bruhn
4 Lars Quadfasel: Gottes Spektakel, S. 9
5 Vgl. Böckelmann: Über Marx und Adorno. Schwierigkeiten der spätmarxistischen Theorie, S. 33
6 MEW: Bd. 1, S. 378
7 Walter Benjamin
8 Walter Benjamin: Über den Begriff der Geschichte, These VI
9 Theodor W. Adorno: Negative Dialektik, Frankfurt am Main 1970, S. 15
10Hans-Jürgen Krahl: Konstitution und Klassenkampf, Frankfurt am Main 1971, S. 213
11Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben., Suhrkamp, Berlin und Frankfurt am Main 1951, S. 80
12Walter Benjamin: Über den Begriff der Geschichte

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