Revidierte Liste der Dinge, für die ich alles nicht mehr zur Verfügung stehe

von Jörg Finkenerger
Abdruck in Auszügen

Szene
-> Partei
-> Organisation

Nichts ist verlogener als derjenige lose Zusammenhang von Menschen, den man eine Szene nennt. Obwohl man im Inneren so kalt nd gleichgültig aneinander vorbeilebt, wie man das in dieser Gesellschaft so tut, ist man dennoch aus irgendwelchen mehr oder minder nichtigen Gründen aufeinander angewiesen, und weiss das. Die Szene vereint mit der Kälte der bürgerlichen Gesellschaft alle Zwänge und alle Verblendung einer Organisation, einer Partei sogar. Dieses ungeheuerliche Monstrum, ein Drache mit zwei Köpfen, erhält sich wider die Natur am Leben nur durch die stumpfe Gewöhnung, die sich nicht vorstellen kann, ausserhalb der Szene könne es ein Leben geben, und die innere Schwäche der meisten ihrer Insassen, die die Enge, die Unfreiheit und die Eingeschlossenheit in der Szene „Wärme“ nennen und offenbar auch als Wärme empfinden. Die Szene verlangt Gehorsam, ohne dafür auch nur Schutz bieten zu können; und das alleine unterscheidet sie von einer Mafia. Die Szene ist der Triumf der diskreten Hierarchie unter dem Deckmantel der Freundschaft, die Szene ist das Produktionsverhältnis der Lethargie und der Langeweile. Wer etwas sinnvolles tun will, sollte Massregeln treffen, dass nie eine Szene sich um seine Gedanken schlingt. Nichts schlimmer, als wenn eine radikale, integre und kritische Tendenz zu einer Szene sich verschlechtert. Sie wird verkommen. Die Szene ist nicht zu retten. Sie muss aufhören.

Friend of a friend
-> Debatten mit Idioten
-> Diskussionen im Internet
-> Verbündete

Facebook-Freunde haben ist schon schlimm genug. Geht es ihnen gut, besser, oder wieder schlechter? Sind sie lustig, welche Musik hören sie gerade gerne? Sie lassen es uns wissen, ohne Erbarmen. Man muss es ertragen, man hat sie sich ausgesucht, manchmal kennt und mag man sie sogar. Das schlimmste ist aber, dass sie selbst ja auch noch Facebookfreunde haben. Und da hört der Spass auf.

Die Meinungen von Leuten, die ich nicht kenne und nicht kennen will, sind nicht immer solche, die mich interessieren. Vor allem, wenn es sich um idiotische Meinungen handelt. Oh, da ist einer, der glaubt an die geheime Macht der Bilderberger! Der hier meint, bei Bush um den Iraq wäre es natürlich ums Öl gegangen, das wisse schliesslich jeder, aber es sei streng geheim. Und der andere meint, dies und jenes geschehe so und so, weil bekanntlich Israel versuche, alles Land zwischen Nil und Eufrat zu erobern. Und erst die Banken!

Solche Leute mag man natürlich nicht. Da sind sich die meisten meiner Facebookfreunde einig. Und sie sind sich wieder auch mit den meisten ihrer Facebookfreunde einig, natürlich; wenn auch manchmal aus anderen Gründen: Oh, der hier meint, dass alles über 10% Staatsquote Sozialismus ist, und der Staat sollte nur aus Polizei, Armee und Gerichten bestehen! Der Kapitalismus könne gut ohne den Staat leben, wie das Beispiel einer Coca-Cola-Abfüllerei in ausgerechnet Somalia beweise. Oder Singapore oder Hong Kong. Und so weiter.

Ich hätte es wissen müssen. Ich lerne es anscheinend nie. Nie nie. Dass man mit einem Idioten nicht diskutiert, weil sonst irgendwann die Zuhörer nicht mehr werden unterscheiden können, wer von beiden es ist. Sinnlos, gegen ihn zu argumentieren. Sinnlos, darauf hinzuweisen, dass dieser Irre, den meine Facebookfreunde wohl selber nur deswegen dulden, weil sie ihn für einen Verbündeten gegen das halten, was sie Barbarei nennen, und für das, was sie Zivilisation nennen; dass dieser Irre genau ein Parteigänger der Barbarei ist. Ich bin selbst daran schuld, was diskutiere ich auch mit den irren Facebookfreunden meiner etwas schwerfälligeren Facebookfreunde.

Wenn man einsieht, dass man selbst schuld ist, muss man etwas ändern. Rabiater sich dergleichen Gelichter vom Hals halten. Kein Verständnis mehr haben mit Freunden, die sowas für ihre Freunde halten; die irgendwelchen Irren zugute halten, dass sie in zwei, drei Sachen zufällig das „richtige“ sagen, was natürlich ganz etwas anderes sind als andere Irre, die ebenso zufällig zu den selben Sachen das falsche sagen; Hauptsache, dass man sich überhaupt mit Irren umgibt. Keine Nachgiebigkeit mehr, nur weil man sich einredet, dass die Richtung ja stimmt. Sie stimmt nicht.

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