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Verschickung Teil II

Wer das Heft 2 noch haben will, bitte schnell auf der bekannten E-Mail-Adresse melden! Wir verschicken diese Woche den zweiten Schub.

Oi zusammen:

Das Grosse Thier

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Über Occupy…

Occupy oder Die Kontrolle über den gesellschaftlichen Lebensprozess übernehmen

„Ich bin hier, weil ich nicht mehr verstehe, was passiert, und das, obwohl ich Wirtschaftswissenschaftlerin bin, und dann denke ich, dass 80 Prozent unserer Parlamentarier das auch nicht mehr verstehen, und dann ist das ein Problem.“ – Eine Teilnehmerin an den Occupy-Protesten

1.
Ein Börsenazubi, der die Banalitäten seiner Analysten genannten Vorbilder noch einmal vulgarisiert, wird als Mister Dax verehrt. Ein Prinz Mario-Max zu Schaumburg-Lippe verkauft im Teleshopping ein Parfüm mit „Reichtumsessenz“, das durch Aufsprühen auf Geldscheine, Schmuck oder Aktien den Reichtum des Anwenders um das 1000-fache vermehren soll. Die Vorhersagen von Leuten, die sich Wirtschaftsweise nennen lassen, ändern stündlich die Richtung und erweisen sich so als das, was die offiziellen Wirtschaftswissenschaften seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind: Respektable Dummheiten. Eben noch schien alles in bester Ordnung zu sein – heute scheinen sie die Welt nicht mehr zu verstehen. Sie haben sie noch nie verstanden.
Der Staat war stets die letzte Bastion des Kapitals und so wundert es nicht, dass in diesen Zeiten Sahra Wagenknecht zum Liebling der bürgerlichen Presse aufsteigt, sie erobert die Talkshows mit Rezepten für keynesianischen Staatsbrei – und niemand kotzt. Was die Anhänger ihrer Rezepte, von Attac über die evangelische Kirche und diverse linke Grüppchen bis zur Occupy-Bewegung eint, ist die Sehnsucht nach dem starken und gerechten Vater Staat. Sie ist ebenso undemokratisch wie kindisch und gefährlich. Zu ihr gesellen sich die stets antisemitisch ausschlagenden Lehren von der Herrschaft der Finanzmärkte, des Zinses und des Geldes. Sie sind allesamt unwahr, ihre Verbreitung verdanken sie ihrer Komplizenschaft mit genau jenen Fetischisierungen, welche die kapitalistische Produktion auszeichnen und mit denen auch die offiziellen Wissenschaften hausieren gehen: Die Verdeckung der in der Produktion stattfindenden Ausbeutung durch den Lohnfetisch, der Anschein der Trennung von produktiven Kapital und Geldkapital, die scheinbar selbständige Vermehrung des Geldkapitals. Dem Manager einer Bank, dem sie persönlich nie einen Cent gezahlt haben, wollen sie an den Kragen, den millionenschweren Stars der Kultur- und Konsumwarenindustrie, vom Fußballspieler und Schnellautofahrer über den Leinwandstar bis zu den Erfindern imagegeladener elektronischer Geräte und den Eigentümern von Automobilfabriken, von denen sie auch nichts umsonst bekommen, liegen sie zu Füßen.
Es sind dies unvermeidliche Folgen des einen Umstandes: In der Wirtschaft des Marktes bemeistert nicht der Mensch die Produktion, sondern die Produktion den Menschen. Die gesellschaftliche Arbeit kehrt sich ungefragt gegen die Produzenten und stürzt sich auf sie als zerstörerische Macht. Der Zusammenhang bleibt undurchschaut. Die Einheitlichkeit dieser Macht wird durch ihre gegensätzlichen Trennungen verdeckt. Trennungen in Produzenten und Konsumenten, in unmittelbare Produzenten und Eigentümer der gesellschaftlichen Produktionsmittel, in fungierende Kapitalisten und kapitalistische Eigentümer, in Produktion und Handel, in Gläubiger und Schuldner, in Produzenten und Händler. In die Drinnen und die Draußen. Was immer sie sich in ihrem Dasein als scheinbar Freie, Unabhängige und gegeneinander Gleichgültige einbilden mögen, die Krise zeigt: Sie sind wesentlich Momente eines Ganzen, Teile eines Ensembles und sie können nur dann existieren, wenn sich diese Momente in einem bestimmten qualitativen und quantitativen Verhältnis zu einander befinden. Der Bankrott des griechischen Staates muss im Interesse italienischer, spanischer, französischer und deutscher Banken und deren Gläubiger verhindert werden. Bei näherem Hinsehen erweist sich jede größere Bank auf dem Kontinent als „systemisch“, d.h. als unverzichtbarer Bestandteil des weltumspannenden Produktions- und Verwertungsprozesses. Nichts ist weiter entfernt von der Wirklichkeit als die Vorstellung, es handele sich bei den nationalen Krisen um bloß nationale Krisen. Der EURO und die diversen „Rettungs-Pakete“ der EZB und der EU machen nur öffentlich, was ohnehin schon längst der Fall ist: Das ökonomische Schicksal der europäischen Länder ist auf´s Engste miteinander verknüpft. Niemand kann sich entziehen.
Parallel zu den Zerstörungen, zur nationalistischen und antisemitischen Aufhetzung gegen die vermeintlichen Urheber der Krise, eine Lage, in der selbst ein greiser Wichtigtuer wie der Ex-Kanzler Schmidt (Prototyp des postnazistischen deutschen Politikers, der von seinen Landsleuten in Funk, Fernsehen und Presse wie der Führer angebetet wird: „Erklären sie uns 2011, Herr Schmidt!“) mit seinem Bekenntnis zu Europa als Hoffnungsträger erscheinen kann, setzt die Krise daher auch die Erhöhung des gesellschaftlichen Niveaus der Produktion auf die Tagesordnung – entgegen aller Widerstände. Die europäischen Führungsmächte, allen voran Deutschland, kassieren die Haushaltssouveränität der Nationalstaaten, mag die provinzielle Parteibasis noch so jammern. Dabei geht es keineswegs harmonisch zu, sondern mit gegenseitiger Erpressung. In der formalen Gleichheit der EURO-Staaten setzt sich die ökonomische Herrschaft ebenso durch wie in der formalen Gleichheit von Lohnarbeiter und Kapitalist. Deutschland nutzt neben seinem Produktivitätsvorsprung seine auf verstärkter Ausbeutung der Arbeiter – seit mehr als 10 Jahren sinkende Reallöhne und Sozialleistungen – beruhende ökonomische Macht dazu, die deutsche Ideologie auf Europa auszudehnen. Das Projekt, welches Europa vor dem deutschen Machtstreben bewahren sollte, ist zugleich das Projekt deutschen Machtstrebens. Und wieder einmal ist Großbritannien, geschwächt wie nie, die letzte europäische Bastion gegen Großdeutschland.
Diese unvermeidlichen Lösungen der Krise schaffen die Grundlagen dafür, die nächste Krise auf noch größerer Stufenleiter aufzuführen. Wenn die Wirtschaft in China auch noch fidel ist, so beweist das einmal mehr nur die Ungleichzeitigkeit des Gesamtprozesses. Sobald die Krise des europäischen und des nordamerikanischen Kapitals eine Verminderung des Warenimports oder den Zahlungsausfall erzwingt, ist die Krise auch eine Krise Chinas. Denn die USA und Europa sind die Hauptabnehmer der chinesischen Exportware und der Export die Bedingung des chinesischen Wachstums. Die Krise wird auch China erreichen, chinesische Mauer hin oder her. Die Proletarier aller Länder werden dann vielleicht vorgeführt bekommen, was Klassenkampf im 21. Jahrhundert heißen kann. Näheres ist nicht bekannt. Gleichzeitig zeichnen sich in China hausinterne Krisen ab: Die Immobilienspekulation ist bereits erschüttert.

2.
Der Lächerlichkeit und Begriffsstutzigkeit der blamierten Experten stehen die neuen und alten Oppositionen von links und rechts in nichts nach, egal wie radikal sie sich selbst dünken mögen. Die einen sehen in den Griechenland auferlegten „Sparprogrammen“ bloße Strafaktion, eine durch ökonomische Argumente verdeckte Gemeinheit. Die anderen rufen „Wir zahlen nicht für eure Krise!“, ganz so, als sei ihre Existenz als Lohnarbeiter nicht an die gelingende Verwertung des Kapitals gebunden. Es sind dieselben, die bald wieder den Staat zur Rettung von Arbeitsplätzen herbeirufen. Und diejenigen, die den „Pleitegriechen“ heute nichts geben wollen, werden sich morgen wundern, warum ihre kapitalgedeckte Rentenversicherung zu wenig abwirft um satt zu werden. Nicht einmal dem unbeschäftigten Teil der Arbeiterklasse können die Verwertungsprobleme des Kapitals gleichgültig sein, denn alle sog. Sozialleistungen hängen von den Steuer- und Abgabenzahlungen anderer ab, in letzter Instanz von der gelingenden Akkumulation des Kapitals. Alle Einkommen in der kapitalistischen Gesellschaft haben die Mehrwertproduktion zur Voraussetzung. Hören die Sklaven der Galeeren einfach auf zu rudern, so gehen sie gemeinsam mit den Trommlern, Peitschenschwingern und ihren Herren unter.
An den allgemeinen Krisen könnte die Menschheit dagegen lernen, wie wenig angemessen die bestehende Ordnung der Produktion dem erreichten Stand der produktiven Kräfte in Industrie, Handel und Verkehrswesen ist. Die gesellschaftlichen Formen vermögen sie nicht länger zu fassen und so verwandeln sie sich von Produktivkräften in Destruktivkräfte der Gesellschaft, von Mitteln zur Entwicklung des menschlichen Reichtums in Mittel der Hemmnis und Zerstörung, ganz so, wie ein zu kleiner Schuh den Fuß am Wachstum hindert, ihn schließlich verkrüppelt und zum Gehen untauglich macht. Worum es in allen modernen Krisen seit dem 19 Jahrhundert geht, ist nicht ein absoluter Mangel an Reichtum, ein Mangel an produktiven Möglichkeiten oder ein Überschuss an Bedürfnissen, sondern die wachsende Unfähigkeit der auf Profitproduktion gründenden Ökonomie, die Gesamtheit dieser produktiven Möglichkeiten zur Bedürfnisbefriedigung einzusetzen.
Die occupy-Bewegung und ihre Anhänger wollen von diesen Perspektiven nichts wissen. In Deutschland als bloße Importware geführt und noch einmal gründlich deutsch verhunzt, zeichnet sie sich nicht nur durch eine ideologische, sondern auch praktische Feigheit aus. Nirgends sind die Aktivisten so handzahm wie hier, nirgends die Aktionen so manipulativ, berechnet und verlogen. Nichts von dem Folgenden hat je ihren Horizont erhellt.

3.
Der Reproduktionsprozess der Menschen schließt zu allen Zeiten und in allen Gesellschaftsformen die Spekulation ein. Sicher ist einzig, dass nichts sicher ist vor Veränderung, Zufällen und sich durchkreuzenden Absichten. Und alles dies muss von den Menschen tagtäglich in Rechnung gestellt und praktisch bewältigt werden. Man denke nur an solche noch ganz einfachen Probleme wie das Wetter und die mit ihm verbundenen praktischen Hindernisse und Folgen. Wie könnte da die Ökonomie, ein Komplex, der die Tätigkeit und Entwicklung der gesamten Menschheit und ihres Verhältnisses zur Natur umfasst, frei von Spekulation sein? Um dieser elementaren Unsicherheit zu begegnen, um die Produktion des eigenen Lebens wenigstens teilweise unter ihre Kontrolle zu bringen, existiert eine Vielzahl von Methoden, welche überall Anwendung finden. Kooperation, Absprachen, Bildung von Notfallreserven, Statistik, wissenschaftliche Erforschung der Wechselwirkungen und Abhängigkeiten in Natur und Gesellschaft. Sie sollen das spekulative Moment und seine Folgen begrenzen. Und dennoch herrschen in der Ökonomie des Marktes überall Durcheinander, Verschwendung, Verantwortungslosigkeit und Fehlentwicklungen, denn die Konkurrenz der Warenproduzenten gebietet zugleich Nicht-Information, Desinformation, Intransparenz und Betrug. Es sind dies nicht nur unverzichtbare Mittel der Konkurrenz, es sind sogar Rechte und Pflichten des Warenproduzenten. Absprachen sind strafbar, Kartelle verboten, Patente und Informationen gut geschützt. Jeder einzelne Produzent muss versuchen, auf Kosten anderer seinen Reichtum zu vermehren, sein Wissen zu seinen Gunsten und zum Schaden der Gesellschaft zu verwenden, den Staat und die Gesellschaft zu prellen. Die Hand des Marktes ist unsichtbar und erbarmungslos, von seinen Konkurrenten hat man keine Rücksicht zu erwarten. Die Ordnung der Warenproduktion verbindet die individuellen Absichten zu einem gesellschaftlichen Chaos, realisiert sich als gesellschaftliche Verschwendung inmitten der individuellen Sparsamkeit, als Spaltung der Menschheit in Konkurrenten auf Leben und Tod inmitten der Vergesellschaftung aller ihrer Lebensmomente.
Die Spekulation überhaupt zu beseitigen wäre eine sinnlose, eine unlösbare Aufgabe, allein sie wäre auf ihr unvermeidliches Minimum zu reduzieren, indem die Produktion als gemeinsame Produktion, der Konsum als Verteilung des gemeinsamen Produkts unter Einsatz aller vorhandenen technischen und organisatorischen Mittel endlich demokratisch geplant würde. Die erste Bedingung für die Kontrolle über ihren eigenen Lebensprozess ist die gemeinsame praktische Verfügung der unmittelbaren Produzenten über die gesellschaftlichen Produktionsmittel, jene Produktionsmittel, die sie selbst geschaffen haben, täglich schaffen und die niemand besser kennt und zu nutzen wüsste als sie selbst. Die erste Tat ist die Aneignung der Produktionsmittel als ihre Produktionsmittel. Die Sklaven müssen ihre Ketten brechen, die Aufseher und Herren überwältigen und die Galeere zu ihrem Schiff machen.

4.
Die der Warenproduktion immanente Tendenz zur Spekulation wird verstärkt durch die kapitalistische Form der Warenproduktion. Eine allgemeine Tendenz dieser Form ist die Konzentration der Produktionsmittel in den Händen weniger Kapitale und überall vollzieht sich diese Konzentration als Auflösung des persönlichen Eigentums zugunsten des gesellschaftlichen Eigentums, überall hat sich die Aktiengesellschaft als die höhere Gestalt des privaten Eigentums an den gesellschaftlichen Produktionsmitteln durchgesetzt. Sie sind das gewaltigste Mittel der Entwicklung der Produktivkräfte. Die unmittelbare Kontrolle des Verwertungs- und Produktionsprozesses geht damit über auf eine Kaste aus Managern, Verwaltern, Beaufsichtigern. Was sie verwalten, ist nicht ihr Eigentum, sondern fremdes Eigentum. Es ist das Privateigentum ohne die Kontrolle des Privateigentümers. Dies fördert nicht nur die Spekulation, den Betrug und den Leichtsinn (denn nichts lässt sich leichter auf´s Spiel setzen als fremdes Eigentum), es muss auch Männer und Frauen zu Regisseuren der Produktion machen, welche von der Natur des Produktionsprozesses kaum eine Ahnung haben. Was sie praktisch interessiert ist die Verwertung allein. Schließlich haben die Kapitale eine Größe und einen Grad der Gesellschaftlichkeit erreicht, dass ihre Privatheit nur mehr der Form nach besteht. Sie sind unverzichtbare gesellschaftliche Einrichtungen und in jeder Krise zeigt sich, dass die Gesellschaft in Form des Staates zu ihrer Rettung auftreten muss. Dies veranlasst manche zu der Ansicht, man müsse zu den alten Formen, zum alten KapitalistenUnternehmer zurückkehren, zu überschaubaren, kleinen, muffigen Verhältnissen. Dies ist unmöglich ohne eine gewaltsame Zerstörung der in den höheren gesellschaftlichen Formen erwachsenen Produktivkräfte. Nicht nur verklären sie das Elend, die Beschränktheit und Gemeinheit der Verhältnisse, denen die Menschen entflohen sind, sie verschweigen auch die realistische Alternative zur Barbarei: Die Kontrolle und gesellschaftlich vernünftige Anwendung der Produktivkräfte durch die unmittelbaren Produzenten selbst. Für die Planung ist kein besonderer Apparat, kein Supercomputer oder Expertenteam notwendig, nichts, was erst erfunden werden müsste. Vielmehr wäre sie die konsequente Anwendung und Ausweitung aller schon vorhandenen aber bislang verheimlichten, versteckten, abgeschlossenen und verdrängen „Informationen“ über die gesellschaftliche Produktion, die Ausnutzung der Kommunikationsmittel nicht für Werbung und Desinformation, sondern zur Verbesserung der Produktion und Verteilung. Der Einsatz aller Mittel zur Humanisierung der Arbeit statt ihrer gesteigerten Ausbeutung. Der Plan ist nicht mehr und nicht weniger als das Mittel zur Beseitigung der bornierten Privatheit, Geheimniskrämerei und Konkurrenz der Warenproduzenten, die Beseitigung der gesellschaftlichen Verschwendung von Lebens- und Produktionsmitteln, der Verschwendung der Lebenszeit der Individuen, der existentiellen Konkurrenz, des permanenten Überlebenskampfes, der unnötigen Härten, Erniedrigungen, Ausbeutungs- und Abhängigkeitsverhältnisse. Die Möglichkeit der gesellschaftlich-rationalen Selbstzuteilung der Arbeitskräfte an die wichtigsten Bereiche: die Erziehung und Ausbildung, die medizinische Forschung und Praxis, die Produktion und Raffinierung der Lebensmittel (im weitesten Sinne) und der Kunst. Alles dies ist in der kapitalistischen Privatproduktion unmöglich. Der Markt verteilt die gesellschaftlichen und natürlichen Ressourcen der Produktion nach dem blindwütigen Gesetz der privaten Ausbeutbarkeit, ein Gesetz, welches jede gesellschaftliche Vernunft unter seinem stampfenden Fuß begräbt. Planung erst wäre die Bedingung der Möglichkeit einer bewussten Entwicklung der Gesellschaft und der gesellschaftlichen Individuen nach frei bestimmten Zielen. Und diese wandeln ihren Charakter mit den veränderten Produktionsbedingungen. Radikal qualitative Infragestellung des bisherigen Produzierens und des Produzierten, der Produktionsbedingungen und Produkte scheint als Wunsch und Aufgabe überall dort auf, wo die Produzenten aus den beklemmenden Verhältnissen der Profitproduktion heraustreten. Das glänzende Beispiel, das die Arbeiter der englischen Lucas-Werke mit dem von ihnen entworfenen Lucas-Plan gegeben haben, zeigt, was möglich wäre. (http://www.magazinredaktion.tk/lucas.php)

5.
Die ökonomische Gier hat einen Gegenstand, es ist das Geld. Und kein Gesetz und kein Moralwächter vermag dieser Gier Einhalt zu gebieten. Wo sich die Verwaltung des Geldes konzentriert, wird die Spekulation, die Gier und die Dummheit am größten sein, finden wird man sie aber überall, denn die kapitalistische Warenproduktion, deren übergreifender und unmittelbarer Zweck die Produktion von mehr Geld ist, ist ihr gemeinsamer Nenner. Die Gier kann daher nur verblassen, wenn man ihr den Gegenstand nimmt. Das Geld aber ist die notwendige Ergänzung zur Warenproduktion und des Austauschs auf dem Markt – von diesen untrennbar, wer daher die Herrschaft des Geldes beenden will, der wird eine andere Form der gesellschaftlichen Vermittlung von Produktion und Konsumtion, Produktionsmöglichkeiten und produktiven wie konsumtiven Bedürfnissen an die Stelle des Marktes zu setzen versuchen und sich nicht hinter der „sozialen Marktwirtschaft“, nicht hinter „Transaktionssteuern“ und „gedeckelten Managergehältern“ verkriechen. Der wird die direkte Kommunikation und Koordination der Produzenten an die Stelle der stummen Preisbewegungen und blinden Marktkräfte setzen. Diese muss gewährleisten, dass die Arbeit des Einzelnen eine gesellschaftlich nützliche, benötige Arbeit ist, sie muss den Prozess der Anpassung der Arbeiten an die gesellschaftlichen Bedürfnisse und Zielsetzungen vollbringen – nicht mehr und nicht weniger. Diese alternative Vermittlung kann heute, auf dem Niveau der weltweiten Arbeitsteilung, allein die geplante Produktion der Assoziation freier Individuen sein, erst dann vermöchte auch an die Stelle der unendlichen Aufhäufung abstrakten Reichtums, der Aufhäufung abstrakter Macht, die Entfaltung persönlicher Fähigkeiten, der reichen Persönlichkeit zu treten.
Der abstrakten Geldmacht ist die gesellschaftliche Ohnmacht, den Hunger zu beseitigen, die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen zu stoppen, beigesellt, sie ist zugleich ihre Voraussetzung, ihr Resultat. Die Entfaltung der reichen Persönlichkeit kann umgekehrt nicht stattfinden ohne eine Befreiung von dieser gesellschaftlichen Ohnmacht, die freie Entwicklung des Einzelnen nicht ohne die freie Entwicklung aller sein.

6.
Wir sind die 99%. Aber von Klassen wollen sie nichts wissen. Wie können die 99% von 1% beherrscht werden? Durch das Privateigentum an den Produktionsmitteln. Daran aber wollen sie nicht rühren. Nähmen sie auch nur eine ihrer Behauptungen ernst, stießen sie überall zur Frage einer alternativen Produktionsweise, zur wirklichen Kontrolle über die Produktion durch die Produzentinnen vor und würden sie überall das Recht proklamieren, sich zu nehmen, was sie wollen. Wo es um die praktische Aneignung der gesellschaftlichen Produktions- und Gewaltmittel durch die ProduzentInnen, der Fabriken, Druckereien und Fernsehanstalten, der Waffen, der praktischen Büros, der Äcker, der Universitäten und Schulen, der Wohnhäuser, Rathäuser und Ministerien zu tun wäre, belagern sie ausgerechnet die Börse, den einzigen Ort, wo es wirklich nichts zu holen gibt. Statt den zu kämpfenden Kampf auch nur an einem einzigen Punkt – und sei es auch nur ideologisch – aufzunehmen, betonen sie vorneweg stets ihre eigene Arg- und Harmlosigkeit. Entsprechend werden sie von den Bullen gestreichelt und von Priestern umschwirrt. Es wird gejammert, gesungen und gehofft, man biedert sich den Herrschenden und ihren Apparaten an, auf dass die 1% ein paar Almosen herausrücken und, wenn man nur laut genug jammert und zetert, auf ein paar der nächsten Gemeinheiten verzichten mögen. Was sie bekommen werden: Eine europaweite Agenda 2020.

FKWC

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Neues Heft erschienen

Das zweite Heft ist erschienen und über die einschlägigen Kreise oder hier in digitaler Form zu beziehen.

Wir sagen danke danke danke, liebes Grosses Thier!

Editorial

Unser Heft 0 scheint „angenommen“ worden zu sein. Auch wenn anfängliche Schwierigkeiten bestanden Heft 0a von Heft 0b im Inhalt zu unterscheiden. Künftig erlaubt man sich solche Späße sicher nicht mehr, nicht. Manche meinen, wir wären sympathisch, andere, wir wären nicht voll zurechnungsfähig. Wir haben schon schlimmeres um die Ohren geschlagen bekommen und nehmen das einstweilen als Kompliment.
Wie von verschiedensten Seiten festgestellt wurde, ist das Layout grausam. Das hat uns dazu bewogen, Ihnen diesmal etwas Neues zu bieten. Denn wenn wir schon die Rechtschreibung und Gram- matik fürchterlich verachten (respektive uns das nachgesagt wird), wollen wir Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten, dass in Tei- len der Auflage eine Werbebeilage für Elektro-Zigaretten der Firma Ooligamut beiliegt, um deren freundliche Beachtung wir bitten. Derzeit werden Mitglieder der Redaktion damit genervt, sich ge- fälligst einen Lektor zu leisten. Jedes mal wenn wir unter Leute geraten, die diese Zeitschrift mehr oder minder kennen, bietet man sich dann auch gleich als Lektor an. Selbstverständlich neh- men wir diese Angebote danken an: in Zukunft wird das Lektorat zur Einsparung von Kosten ganz auf die Leser/innen/schaft aus- gelagert. Hiermit sind alle zu Lektoren ernannt. Von den beilie- genden Rotstiften bitten wir grosszügigen Gebrauch zu machen. Noch etwas: die eingegangen Emails wurden größtenteils be- antwortet, nur auf die Frage, „wenn es kalorienfreies Cola gibt, warum nicht kalorienfreie Chips?“ konnte die Redaktion zu keiner adäquaten Antwort kommen. Wir bitten daher erst- mals um die Meinung der Leser. Zuschriften sind erwünscht! Im Vergleich zu Heft 0 und Heft 0 haben wir die Auflage wesentlich erhöht. Das Heft geben wir einstweilen nach wie vor kostenlos ab. Vielleicht sollte man wiederholen, dass es ausdrücklich erlaubt ist, das Heft selbst nach der im Netz vorfindlichen Druckvorlage nachzudru- cken, und gegen höchstens kostendeckenden Preis weiterzugeben. Ab der nächsten Ausgabe könnte es sein, dass man das Heft bezah- len muss. Es wird in grösseren Stückzahlen Rabatte für Wiederver- käufer geben. Interessenten melden sich bitte ab sofort über Email. Wir können bereits jetzt zusagen, dass die geplante Preisgestaltung der Jahresabonnements die kalendarische Besonderheit berücksich- tigt, dass aufgrund des vom Maya-Kalender vorhergesagten Weltun- tergangs zum 21.12.2012 das Jahr ca. 2,7% kürzer geworden ist. Autoren des Grossen Thieres können für Zirkusveranstaltun- gen über die Redaktionsanschrift gebucht werden. Aber das kos- tet. Manche machen das ernsthaft. Besichtigen kann man uns vielleicht am 03.03. im IvI in Frankfurt, wo wir bislang beab- sichtigen aus eigenen Texten zu lesen. Oder auch aus euren.

Freut euch
auf
das Grosse Thier.

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Sehr geehrte „Robbenbabys“…

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Wie so viele in den Jahren zuvor, habt ihr euch als Abspaltung der Jugendantifa von der professionellen Anleitung der Antifa-F (Achtung Containerwort) „emanzipiert“ und eine eigene Gruppe gegründet: Schön. Ihr plant eine „neue Praxis“ jenseits der Bewegungskarawane, vielleicht häppchenweise sogar mit ein bisschen Theoriearbeit: Noch schöner. Ihr veranstaltet im Zuge eurer Adoleszenz flotte Partys mit Sportzigaretten und allem drum und dran und verwüstet von Zeit zu Zeit das IvI: Ebenfalls schön… zumindest für euch und für die alteingesessenen Gesinnungspunker, die Radau im „Freiraum“ – veranstaltet aus welchen Beweggründen auch immer – aus Gedankenverlotterung und Planlosigkeit für eine prinzipiell begrüßenswerte Angelegenheit halten (Stichwort: „Emanzipation“ gegen die alteingesessenen Hausmeisterinnen und Hausmeister).
Nicht schön und mit keiner faulen Ausrede (z.B. mit dem Verweis auf das Konsensprinzip) zu entschuldigen ist Folgendes: Ihr bringt es fertig und verlinkt unser gerade erst mit Mühe und Not aus der Taufe gehobenes Heft auf eurem Gruppenblog. Das in einem Atemzug mit der Phase 2, Jungle World, der Sinistra und der Antifa-F. Was soll das? Ist das bewusste Sabotage, der Versuch einer taktischen Zielsetzung, oder einfach nur Ahnungslosigkeit und eine anhaltende psychomentale Distanzlosigkeit zur linken Szene, von der ihr euch doch eigentlich – nach eigener Aussage – „emanzipieren“ wolltet? Möchtet ihr verbandeln, networken, rumschleimen, überall mitschwimmen und das Liebkind mimen, damit ihr bei UmsGanze® nicht endgültig die Street Credibility verliert und gleichzeitig weiterhin mit denen von euch als cool und „antideutsch“ identifizierten Personen an der Theke herumstehen könnt ohne permanent blöde angemault zu werden?
Wie auch immer eure Beweggründe für die Erstellung dieser peinlich entlarvenden Linkliste aussehen mögen: Nehmt uns da raus. Sofort! Die Phase 2 ist linker postmoderner Diskursdreck, Gesinnungsorgan zur argumentativen Unterfütterung besinnungsloser Praxis. Dieser einfach zu begreifende Umstand wurde zuletzt von der ehemaligen Bonjour Tristesse mit einem vernichtenden False-flag-Maneuver zu Genüge dargelegt. Die Jungle World ist eine professionelle Wochenzeitung mit Anzeigenkunden und Kulturindustriebeilage, die aus ökonomischen Erwägungen und faktischer Überschneidung des Leser- und Kundinnenkreises wahrscheinlich demnächst mit der TAZ fusioniert. Nicht mehr und nicht weniger. Lesenswert überhaupt nur wegen den Bescheidwisserartikeln zum „Nahost-Konflikt“. Die Antifa-F… bitte?… Was ist zu diesem handgreiflich-staatstragenden Frankfurter KarrieristInnenennetzwerk mit Politabteilung noch zu sagen?(???) Nichts, außer dass es für jeden ernst zu nehmenden antideutschen Communisten und jede Kommunistin die diese Bezeichnung verdient, eine kaum zu ertragende Schande darstellt, mit denen auf einer Linkliste präsentiert zu werden!
Löscht den Link zu unserem Heft von eurem Blog, ansonsten hagelt es auf dem nächsten öffentlichen Gruppentreffen (jeden Dienstag um 18 Uhr im IvI!) langwierige und nicht zu ertragende Kritik. Selbstverständlich vorgetragen mit lauter, alles durchdringender Stimme. Nehmt diese Drohung ernst!

Schnittler
Redaktionsbüro Frankfurt Mitte
11.04.2012

19

Einige Anmerkung zu Eva Peteler

Wir dokumentieren den Text von unserem guten Freund Jonas an dieser Stelle. In der 3. Ausgabe unserer Zeitschrift „Das Große Thier“ wird er einen ausführlichen Bericht über die Geschehnisse rund um den Hungerstreik in Würzburg nachreichen.

Anmerkungen zur ehrenamtlichen Betreuerin der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft, Eva Peteler
Von Beginn der Ereignisse, also nach dem Suizid Mohammad Rahsepars, schoss die „ehrenamtliche Betreuerin“ (BR) und Herausgeberin des Heimfocus Eva Peteler gegen jede Selbstartikulation von Flüchtlingen, sichtbar bemüht, diese teils auch von Konflikten begleitete Diskussion innerhalb der Unterkunft wieder einzuhegen in das Elend der karitativen Verwaltung.

Hinter dem Namen Peteler versteckt sich ein ganzes Milieu, das einzig und allein sich selbst Zweck ist. Ein Milieu welches sich nach außen als helfend-engagiert gibt, nach innen jedoch eine brutale Zurichtung der Individuen betreibt. Zahlreiche Artikel der von Peteler herausgegeben Zeitschrift „Heimfocus“ strotzen dementsprechend von Selbstdarstellungen, Samaritergeschichten, Domestizierungsphantasien, rassistischem Kulturalismus und einer ekelhaften Freude an der Arbeit mit dem „Fremden“ (1). Unliebsame oder kritische Artikel werden teils nicht veröffentlicht (2), gekürzt und auf die hinteren Seiten des Magazins verbannt (3). Die Veranstaltungen der Theatergruppe erinnern eher an die Völkerschauen des frühen 20. Jahrhunderts (4), und die Sachgegenstand-Verlosungen des erklärtermaßen unpolitischen Heimcafés sind eine einzige Demütigung für Menschen, die früher mal Studenten, Dozenten, Intellektuelle waren (5).  

Integrationsarbeit als Zurichtung zum Objekt der karitativen Elendsverwaltung 
Zweifelsfrei übt Peteler in der GU eine Machtposition aus, um deren Festigung sie stets bemüht ist: Geschickt geschlossene Seilschaften, unwichtige aber öffentlichkeitswirksame Preisverleihungen und Events und schamlos ausgenutzte Abhängigkeiten bilden die Basis des Betriebs.

Die meisten Asylbewerber haben im Gegensatz zu ihren deutschen „Freunden“ gar keine Wahl, ob sie bei diesem Spiel mitspielen wollen oder nicht, sie werden von Anfang an in dieses System, in welches sie geworfen wurden, (zwangs-) integriert. Es gehört zu den Voraussetzungen dieses Spiels, den Eindruck zu erwecken, das Monopol an den für viele Flüchtlinge lebenswichtigen Informationen und Seilschaften zu haben. Ob sie es wirklich hat, weiß ich nicht, und ist zunächst auch nicht relevant.

Was die Auswirkungen für die Flüchtlingen sind, kann man jedoch sehr bestimmt sagen:

Sie werden über ihre Rechte und Möglichkeiten im Unklaren gelassen. Wegen der für viele der aus allen Ländern der Welt geflohenen Menschen sowieso schon undurchsichtigen deutschen Asylbürokratie ist diese Methode höchst erfolgreich, und so sind sie gezwungen, nach allem zu greifen was ihnen angeboten wird, um irgendwie der Unerträglichkeit des jahrelangen Ausharren in der Kaserne zu entkommen: Glücksspiele mit Gewinnchance auf Bustickets, alte Kleider und Fahrrädern inklusive anschließender Ablichtung mit der Gönnerin Peteler für die nächste Ausgabe des „Heimfocus“ (6), Stadtführungen, und entmündigende „Patenschaften“, bei denen die Flüchtlinge in die Rolle von Kindern zurückgedrängt werden. Kurz: Hier leben deutsche Staatsbürger ihren Sadismus und Paternalismus auf Kosten von Asylbewerbern aus. Wer sich artig zeigt und die Regeln dieses Spiels befolgt, der wird belohnt und erfährt Anerkennung. Er ziert das Cover des „Heimfocus“ (7), oder erhält Zugang zu dem sonst verschlossenen Reich von Informationen und Seilschaften. Man mag es ihnen nicht einmal verübeln.

Flüchtlingen, die sich nicht auf ihre Rolle als unmündige und betreuungsbedürftige Objekte festklopfen lassen wollen, sondern sich als wehrhafte, selbstmächtige, politische Subjekte äußern wollen, wird subtil nahegelegt dass sie dafür mit Abstrafung zu rechnen haben. Diese Flüchtlinge haben – weil im Ungewissen über Petelers Einflussbereich – alles zu befürchten: Benachteiligung, Entsagung der Hilfestellung, Verwehrung des Zugangs zu Informationen und Seilschaften, Einflussnahme auf Entscheidungsträger des laufenden Asylverfahrens, in letzter Konsequenz also mit dem Tod am Strang im Iran und anderswo: Unter denjenigen, die sich nicht zum Objekt der karitativen Verwaltung zurichten lassen wollen, herrscht eine Angst, sich zu äußern. Angesichts ihrer ungewissen Lage ist es durchaus verständlich, dass nur wenige – und nahezu keiner ohne vorgehaltene Hand – Einspruch gegen die sich vollziehende Ungerechtigkeit erheben.
 
Öffentlichkeitsarbeit als Sabotage an jedem Versuch, auszubrechen 
Schon vor der Flüchtlingsdemonstration am 13. Februar war offensichtlich, dass es diesem Milieu nur um eines geht: Jeden Versuch einer eigenen politischen Betätigung, also Selbstermächtigung von Flüchtlingen zu hintertreiben. Geschickt wurden Gerüchte gestreut, tendenziöse Kommentare platziert und diffamierende Emails verschickt, die von der Main-Post und den Montagsspaziergänger nur zu gerne aufgenommen wurden. Hier zwei Beispiele:

„Sie wollen in Ruhe ihre Trauer verarbeiten und nicht, dass dieses Einzelschicksal instrumentalisiert wird. „Den meisten Flüchtlingen sind weder die Initiatoren dieser Demonstration bekannt, noch ihre Forderungen und Ziele“, sagte die ehrenamtliche Betreuerin Eva Peteler. „Deshalb distanzieren sich viele heute und sagen: Was ich nicht kenne, kann ich nicht unterstützen!“ (8)

und:

[..] eine Organisation, die sich auch auf mehrmaliges nachfragen vieler im Lager nicht offen zu erkennen gibt und auf deren Aufruf und Mobilisierung man nur im Internet stößt, die einen Flüchtling (!!!) billigend gefährdet, indem er die Demo anmelden soll und damit verantwortlich zeichnet für alle Konsequenzen, die sich nicht schert um die Meinungen und den widerstand der meisten Menschen in der GU, um die es eigentlich gehen sollte, die hier fremde, nicht bestellte, den meisten Flüchtlingen unbekannte Hauptredner von außen sprechen lassen will und klar auf einem weltanschaulich nicht neutralem Boden steht, verfolgt ganz klar ihre eigenen ziele an den Bewohnern der GU vorbei, kann das anliegen und der positive öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber den Flüchtlingen aufs Spiel setzen […]“ (9)

 
Wie infam und offensichtlich unsinnig diese Anschuldigen sind, hat bereits Jörg Finkenberger in seinem sehr zu empfehlenden Text „Über den Sumpf und sein ‚anliegen’“ zu genüge dargelegt (10).

In der Tat kamen zur Demonstration am 13ten Februar nur wenige der in Würzburg einkasernierten Flüchtlinge, dafür um so mehr aus umliegenden bayerischen Unterkünften, die die Demonstration im Übrigen zu großen Teilen organisiert haben (11). Denn natürlich wurde vorgesorgt: In den Tagen vor der Demo wurde nicht nur nach außen, sondern auch nach innen massivst gegen die Demonstration mit schmutzigsten Mitteln mobil gemacht, wie auch Arash Zehforoush bestätigt (12). Nicht verwunderlich also, dass in der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft eine deutliche – vor allem bei religiösen Afghanen – Verunsicherung über die Demonstration herrschte, die auch zur Absage der Rede von Mina Ahadi führte. Das dies auch der erfolgreichen Arbeit Petelers und ihrer Gehilfen geschuldet war, davon erfuhr man kein Wort. Hier sei auch die tatkräftige Mithilfe der Montagsspazierer erwähnt, die Ahadi als Rassistin und Muslimhasserin zu diffamieren versuchten (13).
Menschen wie Peteler waren es auch, die angesichts eines öffentlichen Hungerstreiks mit öffentlich einsehbaren Flugblättern in denen die Iraner ihre Ziele und Gründe darlegten, Sätze wie den Nachfolgenden von sich gaben, anstatt das Naheliegendste zu tun und sich mit den sich wehrenden Flüchtlingen zu solidarisieren:

„Die in der Würzburger Asylarbeit als Mitherausgeberin des Flüchtlingsmagazins »Heimfocus« engagierte Eva Peteler kann den Hungerstreik nicht so recht einordnen. »Das alles findet sehr im Verborgenen statt. Man weiß nicht, wer dort mit welchen Zielen operiert«“ (14)

 
Stattdessen trieb man sich auf nutzlosen Stadtgesprächen herum, und diskutierte mit Pfaffen und Regierung über die „richtige“, „humane“ Kasernierung der Asylsuchenden. Es sei erwähnt dass diejenigen, die vorgaben, das Sprachrohr und die legitime Vertretung der Flüchtlinge zu sein, es nicht einmal geschafft haben die Forderungen der Flüchtlinge richtig wiederzugeben: Dass die Flüchtlinge nämlich grade keine Schönheitsoperationen an der Unterkunft forderten, sondern explizit deren Abschaffung verlangten.

Kann es denn so schwer sein? Kann man diese Worte noch mit Dummheit allein erklären? Wohl nicht. Nochmals: Iranische Flüchtlinge starten in aller Öffentlichkeit einen Hungerstreik, mit für jedermann vor Ort und online in Flugblättern nachlesbaren Forderungen und Motivationen. Anstatt sich mit der Sache der Flüchtlinge zu solidarisieren, werden die Iraner aufs Schlimmste diskreditiert, verleumdet und sabotiert, in einer Sprache, die eher an das Gemurmel paranoider Verschwörungstheoretiker erinnert.
Auf der Facebook-Profilseite der Veranstalterin des Montagsspaziergangs, Jenifer Gabel, findet man auch dankenswerterweise folgendes Zitat:

„dazu hat eva peteler bereits bei der demo am 13.2. die motivation dieser leute angezweifelt, die nach mohammads tod plötzlich in der GU auftauchten und die stimmung aufheizten. in ihren augen sind sie höchst zweifelhaft, da sie sich nicht klar zu erkennen geben und die flüchtlinge zu diesem krassen weg angestiftet haben.“ (15)

Es scheint also eine jede Person „zweifelhaft“ zu sein, die ohne vorige Anmeldung in Petelers Revier auftaucht. Was aber noch viel schwerwiegender ist: Man spricht den Flüchtlingen jegliche Fähigkeit zur freien, selbstbestimmten Entscheidung ab. Stattdessen wird ernsthaft behauptet, ohne Beleg, dass irgendjemand die Stimmung aufgeheizt, gar die Flüchtlinge zu einem Hungerstreik angestiftet(!) habe. Was für eine ungeheuerliche, niederträchtige Behauptung gegenüber den Hungerstreikenden vor dem Vierröhrenbrunnen. Das Flüchtlinge selbst entscheiden können, ohne dunkle Einflüsse von außen, ohne Vormund oder ehrenamtliche Betreuer, ist in der Logik Petelers undenkbar. Ihr schlimmster Alptraum ist daher auch ein Ausweiten dieser Ausbruchsversuche, Rebellion gegen ihre Vormundschaft:

„Wenn die eine Sonderbehandlung bekommen, sind morgen alle im Zelt.“ (16)

Dass die Iraner und ihre handvoll Unterstützer anfangs komplett auf sich alleine gestellt waren, dass sich keine einzige Organisation oder Gruppe in Würzburg fand, die bereit war, auch nur Decken oder ein kleines Zelt zu stellen, geschweige denn eine Heizung, Feldbetten oder einen Arzt, dass der Hungerstreik aus den Geldspenden einiger weniger solidarischer Einzelpersonen und mit Hilfe einer noch kleineren Zahl von Freunden unter teils völliger physischer und psychischer Verausgabung notdürftig aus dem Boden gestampft werden musste, ist unter anderem Resultat der erfolgreichen Verleumdungskampagne von Peteler und Konsorten.

Durch das Stattfinden der Demonstration am 13. Februar und durch den Eintritt in den Hungerstreik am 19. März hatte man Fakten geschaffen, auf welche natürlich sofort alles, was in Würzburg angeblich in Bewegung ist, anspringen musste: Auf einmal sammelten sich diejenigen vor dem Vierröhrenbrunnen, die noch vor einigen Wochen Petelers Spielchen bereitwillig mitspielten. Antira, AK Asyl, Montagsspazierer, und wie ihre Grüppchen alle heißen. Natürlich ohne sich selbst der offensichtlichen Widersprüchlichkeit ihrer Handlungen bewusst zu sein, geschweige denn der Rolle, welche spielten und weiterhin zu spielen bereit waren. Solidaritätsbekundung mit den Hungerstreikenden bei gleichzeitigem Austausch über Häkelkurse in der Gemeinschaftsunterkunft stellte nur eine der vielen Absurditäten dar, auf die man bei diesen Grüppchen stieß.

Kritik, sowie Hinweisen darauf begegnete man mit schlichtem Unverständnis, teils aggressiven Unmutsbekundungen und lustigen Abgrenzungsbemühungen (17): Denn schließlich schade das doch der gemeinsamen Sache. Doch wenn es eine gemeinsame Sache gibt zwischen den Genannten und den Hungerstreikenden, dann diese: Ersteren geht geht es, ob sie das begreifen wollen oder nicht, um die Erhaltung ihrer Selbst in der Rolle als Gönner, Vormund und Sprachrohr der Flüchtlinge und damit letztlich um die Erhaltung des Status Quo, weil er es einzig vermag ihnen diese Rolle zu garantieren. Nichts Anderes beweisen sie unaufhörlich durch ihre Worte und Taten. Den Flüchtlingen hingegen geht es ebenfalls um ihren Selbsterhalt. Aus diesem Grund haben sie sich entschieden gegen den Status Quo vorzugehen, der für sie nur den langsamen Tod in der GU, oder die Schlinge im Iran bereitzuhalten scheint.

Der nicht ohne Grund gebetsmühlenartig wiederholte Ruf, man solle sich doch auf das gemeinsame Anliegen besinnen, ist also nichts anderes als eine Kampfansage an die Sache der Hungerstreikenden, und ein Appell an die eigenen Reihen: Ein Appell zu verdrängen und auszublenden um ja nicht nachdenken zu müssen. Denn dies würde nichts anderes bedeuten, als Stellung zu beziehen gegen diesen Status Quo, gegen die Elendsverwalter von Heimcafé und -focus.
Und so wird man dieser Frau weiterhin alles abnehmen, anstatt zu begreifen, dass ihre Handlungen nichts anderes als Sabotageakte gegen die sich wehrenden Flüchtlinge sind, ein erneuter Einhegungsversuch unter die Vormundschaft der Karitativen.
 
Dass Peteler es am 2. April wagte, vor dem Zelt der Hungerstreikenden eine Rede zu halten, war daher auch allein Folge der veränderten Öffentlichkeit. In dieser Rede, die nichts anderes als eine langatmige Selbstinszenierung war, schaffte sie es tatsächlich, auch nicht nur ein einziges Wort über die vor ihr sitzenden Hungerstreikenden zu verlieren. Die Iraner, die sehr genau wussten mit wem sie es hier zu tun hatten, verweigerten ihr konsequenterweise jedweden Applaus, und verließen einer nach dem anderen den Ort des Geschehens.
 
Angesichts dieses Heeres von händewackelnden und Beifall klatschenden Zombies, diesem dummen deutschen Brei aus Mut-tut-gut-Bürgern, Sozial-Engagierten und Lokalprominenzen kann ich den mutigen Iranern vom Vierröhrenbrunnen nur mein schmerzlichstes Mitleid aussprechen, in dieser Stadt, in diesem Land gestrandet zu sein.

Was bleibt ist die Hoffnung, dass die iranischen Freunde stark genug sind sich weder von diesen Leuten dumm machen zu lassen, noch in ihrem Streik, angesichts der Hoffnungslosigkeit ihrer Lage, bis zum Äußersten gehen.
 
 
Jonas
Würzburg, 4. April 2012
 
  
zur Lektüre:
Arash Zehforoush: Hinter den Kulissen des Heimcafé
Jörg Finkenberger: Über den Sumpf und sein „anliegen“
 
 
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1) Nur ein Beispiel: „Plötzlich bewegt sich eine weiße Hand auf die dunkelhäutige zu. Sie wirkt gröber und dicker. Während die weiße Hand, die dunkelhäutige kräftig schüttelt, ist der Händedruck der dunkelhäutigen herzlich und weich. (…) Addis wischt sich mit Daumen und Zeigefinger über seine Augen. Anschließend schaut er zu Eva Peteler rechts neben sich. Sie legt den Arm um seine Schulter. Tief atmet der Äthiopier durch, beißt die Lippen aufeinander und sieht nach vorne.“ („Das Gesicht ist wichtiger als das Brot“, Heimfocus N°7 – 10/2011)
http://www.heimfocus.net/projekte/heimfocus/n7-102011/das-gesicht-ist-wichtiger-als-das-brot/
 
2) z.B. den von der Redaktion in Person Peteler abgelehnten Text Hatef Soltanis: „Das Theater als Medium, der Asylsuchende als Problem“ (24. 06.2011) https://www.facebook.com/note.php?note_id=243808122312052
 
3) So zum Beispiel Arash Zehforoushs Text „Ein paar Worte in Erinnerung an die iranische Revolution vom Februar 1979“, der auf penetrantes Drängen von Peteler mehrmals umgeschrieben werden musste, und letztendlich gekürzt in lediglich englischer Fassung auf den hinteren Seiten des Heimfocus (04/2012) erschien.
 
4) Vgl „Das Theater als Medium, der Asylsuchende als Problem“ von Hatef Soltani (24. 06.2011)
 
5) Einige interessante Beobachtungen über Heimfocus und Heimcafé bietet der mutige Text „Hinter den Kulissen des Heimcafé“ von Arash Zehforoush (02.04.2012)

 
6) Hier sei erneut auf den Text von Arash Zehforoush verwiesen.
 
7) Wie z.b. in der aktuellen Heimfocus-Ausgabe (04/2012), auf der das nicht das Foto des verstorbenen Rahsepar, sondern das Foto einer Stadtführung durch Würzburg prangt. Im Vordergrund Personen aus dem Reaktionsumfeld, Untertitel: „Flüchtlinge und engagierte Freunde beim Weltgästeführertag in Würzburg“
 
8) Bayerischer Rundfunk, 13.02.2012
http://www.br.de/franken/inhalt/aktuelles-aus-franken/demonstration-asylbewerber-wuerzburg100.html
 
9) Peteler in einer Mail an die Montagsspazierer, 06.02.2012
http://www.wuerzburger-montagsspaziergang.de/home/letter/Eintrage/2012/2/6_%2861%29.html
 
10) Jörg Finkenberger: Über den Sumpf und sein „anliegen“, 13.02.2012
https://dasgrossethier.wordpress.com/2012/02/14/uber-den-sumpf-und-sein-anliegen
 
11) Einladung zur Teilnahme am Flüchtlingsprotest auf dem Blog bayerischer Flüchtlinge http://asylbayern.wordpress.com/2012/02/09/einladung-zur-teilnahme-am-fluchtlingsprotest/
 
12) „Diese Demonstration war im übrigen diejenige, welche seitens einiger der „sozial Engagierten“ nicht nur boykottiert, sondern auch massivst sabotiert wurde. So drängte es beispielsweise Herrn Wahid Feizy, schweißgebadet von Raum zu Raum in der GU zu poltern um einen Propagandazug gegen die Demonstration durchzuführen, indem er jedem erzählte, dass sich die morgige Demonstration nur um die politischen Flüchtlinge drehe, sie außerdem von Kommunisten organisiert und instrumentalisiert wird und eine Teilnahme daran eine große Sünde sei. Gegen diese Demonstration wurde, mit dem Zweck, die Verantwortlichen zu isolieren und zu diskreditieren, so mancher Plan geschmiedet und dabei schreckte man auch nicht vor unmoralischen Mitteln zurück.“ (Arash Zehforoush: Hinter den Kulissen des Heimcafés, 02.04.2012)
 
13) „bei ihrem feldzug gegen den islam (anders ist es nicht zu beschreiben) scheut sie sich nicht davor, auch portale und kanäle des rechten lagers zu benutzen. so veröffentlicht sie z.b. texte auf der offen rassistischen und fremdenfeindlichen seite „politically incorrect“ (Letter 61 der Montagsspaziergänger, 06.02.2012) http://www.wuerzburger-montagsspaziergang.de/home/letter/Eintrage/2012/2/6_%2861%29.html
 
14) Main-Netz.de, 20.03.2012
http://www.main-netz.de/nachrichten/region/frankenrhein-main/franken/art4005,2040047
Südwest Presse Online, 21.03.2012
http://www.swp.de/bad_mergentheim/lokales/wuerzburg/Iraner-im-Hungerstreik;art1167873,1387428
 
15) https://www.facebook.com/groups/montagsspaziergang
 
16) Eva Peteler im Gespräch mit der Taz, 04.04.2012
http://www.taz.de/Iranische-Fluechtlinge-protestieren/!90966/
 
17) http://antirawuerzburg.blogsport.de/2012/04/02/klarstellung/

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Dokumentiert: Hinter den Kulissen des Heimcafé. Von Arash Zehforoush

Wir dokumentieren folgenden Artikel eines würzburger Asylbewerbers und Flüchtlings aus dem Iran, in dem er einige kritische Beobachtungen über die Zustände in der GU Würzburg mitteilt. Wir weisen darauf hin, dass 9 iranische Asylbewerber in WÜrzburg sich im Hungerstreik befinden. Sie benötigen finanzielle Unterstützung für ihre weiteren Proteste, ihre Internetseite ist http://gustreik.blogsport.eu/. Der Text ist auch unter http://www.scribd.com/doc/87636928/Hinter-Den-Kulissen-Des-Heimcafes-Arash-Zehforoush zu finden.

Hinter den Kulissen des Heimcafés

Ich, Arash Zehforoush, ehemaliger offizieller Lektor an der Universität und Journalist, möchte michhiermit bei allen politischen Flüchtlingen, und besonders bei denjenigen aus dem Iran, dafür entschuldigen, dass ich einen Artikel im Heimfocus (Ausgabe Nr. 9; 2012) veröffentlicht habe.

Diese Veröffentlichung meines Artikels im Heimfocus stellt den größten Fehler im Verlauf meinesintellektuellen Schaffens dar und ich schäme mich dafür sehr. Denn es scheint zum Konzept diesesMagazins zu gehören, Texte zu veröffentlichen, die explizit gegen iranische Flüchtlinge gerichtetsind, wie z.B. ein Text von Navid Zabihi und dessen Ehefrau Renate Stahl beweist:

„An dieser Stelle möchte ich meinen Auber Schülern ein besonderes Kompliment aussprechen. Trotz ihrer relativen Abgeschiedenheit im Landkreis Würzburg sind sieabsolut motiviert und immer dabei, wenn es ums Lernen geht. Ich wünschte mir vielleicht nur noch, dass auch mehr Frauen zum Unterricht kommen. Aber dass ihr ‚Wunschland‘ Deutschland keine Geschlechtertrennung zelebriert, werde ich auch nochin ihre Köpfe bringen. Allerdings geht die Tendenz in der Würzburger GU leider in genau entgegengesetzte Richtung. Hier erscheinen fast nur noch die Frauen zum Unterricht, da die iranischen Männer in der Würzburger Großstadt wohl andere Anreize gefunden haben, ihr Taschengeld von 40€ loszuwerden. Schade um eine verpasste Chance, eigentlich umden Schlüssel zur Zukunft an sich. Eine Chance, nach der sich so viele anderevergeblich sehnen. Man muss es einmal erwähnen: Es sind nicht immer die anderen schuld, wenn man nicht voran kommt. Solche Entwicklungen können dann allerdingsauch stark an der Motivation des Lehrers kratzen. Aber es gibt zum Glück ja auch AUB!“
(Navid Zabihi, Renate Stahl: Deutsch-Unterricht in der Gemeinschaftsunterkunft in Aub Aub? Wo, bitte, ist Aub?; Heimfocus Nr. 9; 2012)

Zunächst möchte ich ein paar Überlegungen zu diesem Zitat anstellen:

1.Ich möchte Navid Zabihi und seine Frau Renate Stahl darauf aufmerksam machen, dass dieiranischen Flüchtlinge, wie alle anderen Flüchtlinge auch, nicht nur ein monatlichesTaschengeld von 40€ zur Verfügung haben, sondern ganze 40,90€ erhalten!

2.Wäre es da nicht ein Schritt in die richtige Richtung, wenn man den Flüchtlingen stattdiesem enormen Betrag, nur noch die Hälfte, also 20€ aushändigen würde? Oh,Entschuldigung, ich meinte natürlich 20,45€!

3.Eine weitere Möglichkeit wäre doch, die Flüchtlinge nicht länger in der Nähe größerer Städte unterzubringen und dies nicht nur im Falle Würzburgs, sondern Bundesweit. Das Heim der iranischen Flüchtlinge Würzburgs sollte wie das der Flüchtlinge aus Aub sein:fernab jeglicher größeren Städte und nach Möglichkeit ohne Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Ich finde hierfür könnte man sie doch in abgelegenen Wäldern oder kleinen Dörfern ansiedeln.

4.Die iranischen Flüchtlinge sollten doch, angesichts ihrer momentanen Lage, diese 40€ zuschätzen wissen und sich darüber im klaren sein, dass es nur an ihnen liegen kann, wenn sieden Wert der qualitativ hochwertigen Deutschkurse des Navid Zabihi nicht erkennen unddiesen „Schlüssel zur Zukunft“ nicht wahrnehmen.

Natürlich ist Navid Zabihi ein Kenner seines Fachs, ganz besonders des Faches Deutsch. Das liegt wohl auch daran, dass er auf eine gute Ausbildung, was seine unzähligen Auszeichnungen belegen, sowie auf eine langjährige Erfahrung im Bereich der Spracherziehung zurückgreifen kann. Um sichvon seinem Wissen, seinen Fähigkeiten und seinen Unterrichtsmethoden selbst zu überzeugen, genügt es, einmal einen seiner Kurse aufzusuchen. So kann es in seinem Unterricht schon mal passieren, dass Navid Zabihi – während er seinen Schülern die Zahlen näherzubringen versucht -,auf die Frage, wie man sich bei einem Dönerimbiss um einen Job bewirbt, diesem Schüler eine Anleitung gibt, wie er einen Arzt auf seine Rückenschmerzen aufmerksam machen kann. Kurzum: sein Unterricht ist bestens strukturiert und gut durchdacht. Hierzu könnte man auch einen seiner engsten Freunde, den weltbekannten Künstler, schillernde Persönlichkeit aus dem Iran, wie auch ehemaligen Universitätsprofessor und heutigen Layouter des Heimfocus-Magazins, Maneis Arbab (alias Mohammad Hossein Tehrani), der rein zufällig die Kurse seines Freundes auch nicht besucht, befragen.

Und es würde sich auch lohnen, auf Herrn Wahid Feizy, eine weitere herausragende Persönlichkeit,von dessen umfangreichen Qualifikationen man sich in seinem Lebenslauf überzeugen kann, noch etwas einzugehen. Was in seinem Lebenslauf wohl nicht nachzulesen sein wird, ist, dass Herrn Wahid Feizy seitens der Flüchtlinge aus der GU Würzburg, aufgrund der Qualität seiner Deutschkurse in diesem Heim, ein Hausverbot erteilt wurde. Natürlich waren diese noch weit unter dem Niveau der Kurse, wie sie Navid Zabihi anbietet.

Warum sind diese politischen Flüchtlinge, besonders die männlichen, nur so furchtbar undankbar und verbauen sich mit ihrem inakzeptablem Verhalten selbst die Zukunft, wie Navid Zabihi undseine Frau behaupten?
All die oben genannten Personen möchte ich hiermit nochmal daran erinnern, dass eine unserer Forderungen, wie wir sie auf der Demonstration am 13.02.12 skandierten, lautete, dass wir regelmäßige und vor allem standardisierte Deutschkurse fordern und wir betonten in unserer Resolution für diese Demonstration, dass das Erlernen der deutschen Sprache den ersten Schritt imIntegrationsprozess darstellt.
Diese Demonstration war im übrigen diejenige, welche seitens einiger der „sozial Engagierten“nicht nur boykottiert, sondern auch massivst sabotiert wurde. So drängte es beispielsweise Herrn Wahid Feizy, schweißgebadet von Raum zu Raum in der GU zu poltern um einen Propagandazug gegen die Demonstration durchzuführen, indem er jedem erzählte, dass sich die morgige Demonstration nur um die politischen Flüchtlinge drehe, sie außerdem von Kommunisten organisiert und instrumentalisiert wird und eine Teilnahme daran eine große Sünde sei. Gegen diese Demonstration wurde, mit dem Zweck, die Verantwortlichen zu isolieren und zu diskreditieren, so mancher Plan geschmiedet und dabei schreckte man auch nicht vor unmoralischen Mitteln zurück.Selbst einen Tag vor der Demonstration bemühte man sich, nicht ohne Erfolg, darum, einen Artikelin der Mainpost zu veröffentlichen, in welchem geschrieben stand, dass das Heimcafé, nebenanderen Gruppen, nicht an besagter Demonstration teilnehmen werde. Warum? Handelten sie so,weil sie solche Unternehmungen grundsätzlich ablehnen und sie in Wirklichkeit überhaupt keineÄnderungen wollen, gar Angst um ihre Gelder bei eintretendem Erfolg haben? Oder handelten sieso, weil sie nicht die führende und tonangebende Gruppe bei dieser Aktion waren und auf ihreKontrahenten eifersüchtig sind?

Wir sollten uns nun einem weiteren Problem bezüglich des Heimfocus widmen: Nach dem Selbstmord Mohamad Rashepars, war es nicht sein Bild, welches das Cover desHeimfocus, das als Stimme der Flüchtlinge und ganz besonders der Flüchtlinge der GU gedachtwar, zierte, sondern dasjenige von Navid Zabihi, welcher zusammen mit Maneis Arbab und ein Paar Flüchtlingen in der Innenstadt Würzburgs zu sehen ist. Mehrere Male lässt sich sein Gesicht indiesem Magazin finden, wobei es doch der Selbstmord Mohamad Rashepbars sein sollte, welcher inden Vordergrund hätte gerückt werden müssen.
Hat man es sich so vorzustellen, dass die Redaktion des Heimfocus, wie auch dessen Herausgeberin Eva Peteler, die dort publizierten Texte nicht lesen und ihnen auch die dort abgedruckten Bilder egal sind? Oder verhält es sich vielleicht so, dass die Redaktionsmitglieder des Heimfocus für eins, zwei Jahre, oder gar auf Lebenszeit gewählt werden und dies unter der Voraussetzung, dass sie dem Diktum der Herausgeberin fraglos Folge leisten?

Und was Frau Peteler betrifft, frage ich mich außerdem, ob sie, als Organisatorin des montäglichen Treffens des Heimcafés, bei dem sie die Asylbewerber der GU Würzburg dazu aufruft, ihren Namenauf ein Stück Papier zu schreiben um bei einem Gewinnspiel eine Busfahrkarte oder aber auch malein Fahrrad gewinnen zu können, in einer solchen Situation als Asylsuchender, selbst ihren Namenauf einen Papierzettel schreiben würde um einen Preis zu gewinnen? Oder würde sie sich vielleichtdoch, so wie ich, zutiefst erniedrigt fühlen und dies als eine derartige Herabsetzung erfahren, wieich sie bereits regelmäßig an zwei weiteren Tagen in der Woche erlebe, wenn ich auf dieHerausgabe meines Essens in einer langen Schlange warten muss?
Ist ihre Antwort nein, so frage ich mich, warum sie so mit uns umspringt? Wenn sie dies damit zurechtfertigen versucht, dass die Mehrheit der Asylsuchenden nichts gegen diese Methodeeinzuwenden hat und sie dies sogar fröhlich stimmt, so möchte ich ihr sagen, dass es ihre Pflicht ist,diesen Asylsuchenden die Möglichkeit zu geben, sich ihres Verstandes zu ermächtigen um derlei Ambitionen zu durchschauen, in denen Leute durch ihr „Engagement“ sich einen eigenen Vorteil zuverschaffen suchen. Sollte es nicht die Aufgabe einer jeden Erziehung wie Bildungsarbeit sein, dassein Mensch seine Würde erfährt und über seine Rechte aufgeklärt wird? Ist es nicht eine solche Selbstermächtigung, welche einen wesentlichen Teil der Integration ausmacht?

Natürlich möchte ich hiermit nicht jeden, der sich im Heimcafé engagiert, kritisieren. Dies tat ichweder in der Vergangenheit, noch heute und ich beabsichtige es auch in Zukunft nicht zu tun, dennes gibt sehr wohl progressive Menschen und auch Gruppen, wie die Antira, die am Heimcaféteilnehmen. Diese Menschen sind für mich enge Freunde, für deren verdienstvolles Tun ich überausdankbar bin!Z

um Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich mir darüber sehr wohl im Klaren bin, dass diese Personen, welche ich hier öffentlich kritisiert habe, sehr gute Beziehungen haben und ich als politischer Flüchtling keine Lobby hinter mir versammeln kann. Doch die Wahrheit über all dies musste dennoch einmal gesagt werden!

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Heft 2

Bzw. eigentlich ja erst Heft 1; die beiden ersten Hefte waren zusammen Heft 0; also Heft 1 ist jetzt jedenfalls in Druck, wollt ich sagen, und kommt demnächst. Es ist wie immer sehr gut.