Dokumentiert: Hinter den Kulissen des Heimcafé. Von Arash Zehforoush

Wir dokumentieren folgenden Artikel eines würzburger Asylbewerbers und Flüchtlings aus dem Iran, in dem er einige kritische Beobachtungen über die Zustände in der GU Würzburg mitteilt. Wir weisen darauf hin, dass 9 iranische Asylbewerber in WÜrzburg sich im Hungerstreik befinden. Sie benötigen finanzielle Unterstützung für ihre weiteren Proteste, ihre Internetseite ist http://gustreik.blogsport.eu/. Der Text ist auch unter http://www.scribd.com/doc/87636928/Hinter-Den-Kulissen-Des-Heimcafes-Arash-Zehforoush zu finden.

Hinter den Kulissen des Heimcafés

Ich, Arash Zehforoush, ehemaliger offizieller Lektor an der Universität und Journalist, möchte michhiermit bei allen politischen Flüchtlingen, und besonders bei denjenigen aus dem Iran, dafür entschuldigen, dass ich einen Artikel im Heimfocus (Ausgabe Nr. 9; 2012) veröffentlicht habe.

Diese Veröffentlichung meines Artikels im Heimfocus stellt den größten Fehler im Verlauf meinesintellektuellen Schaffens dar und ich schäme mich dafür sehr. Denn es scheint zum Konzept diesesMagazins zu gehören, Texte zu veröffentlichen, die explizit gegen iranische Flüchtlinge gerichtetsind, wie z.B. ein Text von Navid Zabihi und dessen Ehefrau Renate Stahl beweist:

„An dieser Stelle möchte ich meinen Auber Schülern ein besonderes Kompliment aussprechen. Trotz ihrer relativen Abgeschiedenheit im Landkreis Würzburg sind sieabsolut motiviert und immer dabei, wenn es ums Lernen geht. Ich wünschte mir vielleicht nur noch, dass auch mehr Frauen zum Unterricht kommen. Aber dass ihr ‚Wunschland‘ Deutschland keine Geschlechtertrennung zelebriert, werde ich auch nochin ihre Köpfe bringen. Allerdings geht die Tendenz in der Würzburger GU leider in genau entgegengesetzte Richtung. Hier erscheinen fast nur noch die Frauen zum Unterricht, da die iranischen Männer in der Würzburger Großstadt wohl andere Anreize gefunden haben, ihr Taschengeld von 40€ loszuwerden. Schade um eine verpasste Chance, eigentlich umden Schlüssel zur Zukunft an sich. Eine Chance, nach der sich so viele anderevergeblich sehnen. Man muss es einmal erwähnen: Es sind nicht immer die anderen schuld, wenn man nicht voran kommt. Solche Entwicklungen können dann allerdingsauch stark an der Motivation des Lehrers kratzen. Aber es gibt zum Glück ja auch AUB!“
(Navid Zabihi, Renate Stahl: Deutsch-Unterricht in der Gemeinschaftsunterkunft in Aub Aub? Wo, bitte, ist Aub?; Heimfocus Nr. 9; 2012)

Zunächst möchte ich ein paar Überlegungen zu diesem Zitat anstellen:

1.Ich möchte Navid Zabihi und seine Frau Renate Stahl darauf aufmerksam machen, dass dieiranischen Flüchtlinge, wie alle anderen Flüchtlinge auch, nicht nur ein monatlichesTaschengeld von 40€ zur Verfügung haben, sondern ganze 40,90€ erhalten!

2.Wäre es da nicht ein Schritt in die richtige Richtung, wenn man den Flüchtlingen stattdiesem enormen Betrag, nur noch die Hälfte, also 20€ aushändigen würde? Oh,Entschuldigung, ich meinte natürlich 20,45€!

3.Eine weitere Möglichkeit wäre doch, die Flüchtlinge nicht länger in der Nähe größerer Städte unterzubringen und dies nicht nur im Falle Würzburgs, sondern Bundesweit. Das Heim der iranischen Flüchtlinge Würzburgs sollte wie das der Flüchtlinge aus Aub sein:fernab jeglicher größeren Städte und nach Möglichkeit ohne Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Ich finde hierfür könnte man sie doch in abgelegenen Wäldern oder kleinen Dörfern ansiedeln.

4.Die iranischen Flüchtlinge sollten doch, angesichts ihrer momentanen Lage, diese 40€ zuschätzen wissen und sich darüber im klaren sein, dass es nur an ihnen liegen kann, wenn sieden Wert der qualitativ hochwertigen Deutschkurse des Navid Zabihi nicht erkennen unddiesen „Schlüssel zur Zukunft“ nicht wahrnehmen.

Natürlich ist Navid Zabihi ein Kenner seines Fachs, ganz besonders des Faches Deutsch. Das liegt wohl auch daran, dass er auf eine gute Ausbildung, was seine unzähligen Auszeichnungen belegen, sowie auf eine langjährige Erfahrung im Bereich der Spracherziehung zurückgreifen kann. Um sichvon seinem Wissen, seinen Fähigkeiten und seinen Unterrichtsmethoden selbst zu überzeugen, genügt es, einmal einen seiner Kurse aufzusuchen. So kann es in seinem Unterricht schon mal passieren, dass Navid Zabihi – während er seinen Schülern die Zahlen näherzubringen versucht -,auf die Frage, wie man sich bei einem Dönerimbiss um einen Job bewirbt, diesem Schüler eine Anleitung gibt, wie er einen Arzt auf seine Rückenschmerzen aufmerksam machen kann. Kurzum: sein Unterricht ist bestens strukturiert und gut durchdacht. Hierzu könnte man auch einen seiner engsten Freunde, den weltbekannten Künstler, schillernde Persönlichkeit aus dem Iran, wie auch ehemaligen Universitätsprofessor und heutigen Layouter des Heimfocus-Magazins, Maneis Arbab (alias Mohammad Hossein Tehrani), der rein zufällig die Kurse seines Freundes auch nicht besucht, befragen.

Und es würde sich auch lohnen, auf Herrn Wahid Feizy, eine weitere herausragende Persönlichkeit,von dessen umfangreichen Qualifikationen man sich in seinem Lebenslauf überzeugen kann, noch etwas einzugehen. Was in seinem Lebenslauf wohl nicht nachzulesen sein wird, ist, dass Herrn Wahid Feizy seitens der Flüchtlinge aus der GU Würzburg, aufgrund der Qualität seiner Deutschkurse in diesem Heim, ein Hausverbot erteilt wurde. Natürlich waren diese noch weit unter dem Niveau der Kurse, wie sie Navid Zabihi anbietet.

Warum sind diese politischen Flüchtlinge, besonders die männlichen, nur so furchtbar undankbar und verbauen sich mit ihrem inakzeptablem Verhalten selbst die Zukunft, wie Navid Zabihi undseine Frau behaupten?
All die oben genannten Personen möchte ich hiermit nochmal daran erinnern, dass eine unserer Forderungen, wie wir sie auf der Demonstration am 13.02.12 skandierten, lautete, dass wir regelmäßige und vor allem standardisierte Deutschkurse fordern und wir betonten in unserer Resolution für diese Demonstration, dass das Erlernen der deutschen Sprache den ersten Schritt imIntegrationsprozess darstellt.
Diese Demonstration war im übrigen diejenige, welche seitens einiger der „sozial Engagierten“nicht nur boykottiert, sondern auch massivst sabotiert wurde. So drängte es beispielsweise Herrn Wahid Feizy, schweißgebadet von Raum zu Raum in der GU zu poltern um einen Propagandazug gegen die Demonstration durchzuführen, indem er jedem erzählte, dass sich die morgige Demonstration nur um die politischen Flüchtlinge drehe, sie außerdem von Kommunisten organisiert und instrumentalisiert wird und eine Teilnahme daran eine große Sünde sei. Gegen diese Demonstration wurde, mit dem Zweck, die Verantwortlichen zu isolieren und zu diskreditieren, so mancher Plan geschmiedet und dabei schreckte man auch nicht vor unmoralischen Mitteln zurück.Selbst einen Tag vor der Demonstration bemühte man sich, nicht ohne Erfolg, darum, einen Artikelin der Mainpost zu veröffentlichen, in welchem geschrieben stand, dass das Heimcafé, nebenanderen Gruppen, nicht an besagter Demonstration teilnehmen werde. Warum? Handelten sie so,weil sie solche Unternehmungen grundsätzlich ablehnen und sie in Wirklichkeit überhaupt keineÄnderungen wollen, gar Angst um ihre Gelder bei eintretendem Erfolg haben? Oder handelten sieso, weil sie nicht die führende und tonangebende Gruppe bei dieser Aktion waren und auf ihreKontrahenten eifersüchtig sind?

Wir sollten uns nun einem weiteren Problem bezüglich des Heimfocus widmen: Nach dem Selbstmord Mohamad Rashepars, war es nicht sein Bild, welches das Cover desHeimfocus, das als Stimme der Flüchtlinge und ganz besonders der Flüchtlinge der GU gedachtwar, zierte, sondern dasjenige von Navid Zabihi, welcher zusammen mit Maneis Arbab und ein Paar Flüchtlingen in der Innenstadt Würzburgs zu sehen ist. Mehrere Male lässt sich sein Gesicht indiesem Magazin finden, wobei es doch der Selbstmord Mohamad Rashepbars sein sollte, welcher inden Vordergrund hätte gerückt werden müssen.
Hat man es sich so vorzustellen, dass die Redaktion des Heimfocus, wie auch dessen Herausgeberin Eva Peteler, die dort publizierten Texte nicht lesen und ihnen auch die dort abgedruckten Bilder egal sind? Oder verhält es sich vielleicht so, dass die Redaktionsmitglieder des Heimfocus für eins, zwei Jahre, oder gar auf Lebenszeit gewählt werden und dies unter der Voraussetzung, dass sie dem Diktum der Herausgeberin fraglos Folge leisten?

Und was Frau Peteler betrifft, frage ich mich außerdem, ob sie, als Organisatorin des montäglichen Treffens des Heimcafés, bei dem sie die Asylbewerber der GU Würzburg dazu aufruft, ihren Namenauf ein Stück Papier zu schreiben um bei einem Gewinnspiel eine Busfahrkarte oder aber auch malein Fahrrad gewinnen zu können, in einer solchen Situation als Asylsuchender, selbst ihren Namenauf einen Papierzettel schreiben würde um einen Preis zu gewinnen? Oder würde sie sich vielleichtdoch, so wie ich, zutiefst erniedrigt fühlen und dies als eine derartige Herabsetzung erfahren, wieich sie bereits regelmäßig an zwei weiteren Tagen in der Woche erlebe, wenn ich auf dieHerausgabe meines Essens in einer langen Schlange warten muss?
Ist ihre Antwort nein, so frage ich mich, warum sie so mit uns umspringt? Wenn sie dies damit zurechtfertigen versucht, dass die Mehrheit der Asylsuchenden nichts gegen diese Methodeeinzuwenden hat und sie dies sogar fröhlich stimmt, so möchte ich ihr sagen, dass es ihre Pflicht ist,diesen Asylsuchenden die Möglichkeit zu geben, sich ihres Verstandes zu ermächtigen um derlei Ambitionen zu durchschauen, in denen Leute durch ihr „Engagement“ sich einen eigenen Vorteil zuverschaffen suchen. Sollte es nicht die Aufgabe einer jeden Erziehung wie Bildungsarbeit sein, dassein Mensch seine Würde erfährt und über seine Rechte aufgeklärt wird? Ist es nicht eine solche Selbstermächtigung, welche einen wesentlichen Teil der Integration ausmacht?

Natürlich möchte ich hiermit nicht jeden, der sich im Heimcafé engagiert, kritisieren. Dies tat ichweder in der Vergangenheit, noch heute und ich beabsichtige es auch in Zukunft nicht zu tun, dennes gibt sehr wohl progressive Menschen und auch Gruppen, wie die Antira, die am Heimcaféteilnehmen. Diese Menschen sind für mich enge Freunde, für deren verdienstvolles Tun ich überausdankbar bin!Z

um Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich mir darüber sehr wohl im Klaren bin, dass diese Personen, welche ich hier öffentlich kritisiert habe, sehr gute Beziehungen haben und ich als politischer Flüchtling keine Lobby hinter mir versammeln kann. Doch die Wahrheit über all dies musste dennoch einmal gesagt werden!

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2 Gedanken zu “Dokumentiert: Hinter den Kulissen des Heimcafé. Von Arash Zehforoush

  1. Pingback: Einige Anmerkung über Eva Peteler (Heimcafé Würzburg) | Das grosse Thier

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