Veranstaltungshinweis: Leipzig

Von „weißen Privilegien“ und kapitalistischem Normalzustand: Warum Critical Whiteness keine Rassismuskritik ist

Leipzig, Wohn- und Kulturprojekt B12 (Braustraße 20, 04107 Leipzig), Samstag den 29.11.2014, 19.00 Uhr

Seitdem der „Aufstand der Anständigen“ den ehemals linksradikalen Antirassismus als deutschen Grundkonsens ausgerufen hat, sind antirassistisch Engagierte auf der Suche nach einer Theorie, mit der sie sich vom staatsoffiziellen Antirassismus abgrenzen können. In den Critical Whiteness Studies scheinen sie diese gefunden zu haben. Die Rede vom grundsätzlich „weißen“ Rassismus und dem notwendigen Bruch mit der „weißen“ Vorherrschaft dürfte genügen, jeden zivilgesellschaftlichen Anständigen vor den Kopf zu stoßen und damit dem eigenen Bedürfnis nach Radikalität genüge zu tun.
Dabei ist Critical Whiteness alles andere als eine radikale Kritik an der rassistischen Gesellschaft. Wo diese die materiellen Grundlagen des Rassismus, d.h. Staat und Kapital, in den Blick zu nehmen hätte, ontologisiert Critical Whiteness den Rassismus als vorgängiges gesellschaftliches Verhältnis. Im ewigen Zirkelschluss bringt so die rassistische Ideologie die rassistischen gesellschaftlichen Verhältnisse hervor, diese wiederum die Ideologie usw. usf. Damit verhält sich Critical Whiteness in doppelter Hinsicht affirmativ gegenüber der bestehenden Gesellschaft: zum Einen wird der Rassismus, als ewiges ahistorisch „weißes“ Verhalten und Verhältnis ontologisiert, damit zwar als moralisch abzulehnen, aber grundsätzlich nicht zu überwinden konzipiert. Zum Anderen wird das Gleichheitsversprechen von Staat und Kapital nicht als das notwendig komplementäre Gegenstück zum rassistischen Abwertungswahn erkannt, sondern in der Rede von den abzuschaffenden „weißen Privilegien“ als das zu verwirklichende Ideal angerufen. Die „radikale“ Praxis der Critical Whiteness erschöpft sich dementsprechend meist auch darin, „Rassenquoten“ für Podiumsdiskussionen zu fordern und Triggerwarnungen wegen angeblich rassistischer Sprache auszusprechen – damit dient Critical Whiteness vor allem der verbalradikalen Abgrenzung beim Einrichten im Bestehenden.

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