Brief an die Leser

Aufgemerkt, Lesepöbel!

Wie Sie der Vierteljahresschrift für neuere Ideologiekritik entnehmen können, hat der Untergang der Satire schon vor geraumer Zeit begonnen:

die Bockenheimer Gazette Titanic, die spätestens seit dem Abgang der ersten Generation der Neuen Frankfurter Schule um Eckhard Henscheid einen festen Platz im neudeutsch geläuterten Humorbetrieb hat. Auf PARTEI-Plakaten oder in der Titanic darf es so richtig schlüpfrig und zynisch zugehen, im Zweifelsfall hat man es eben nicht so gemeint. Sie wähnen sich beim kollektiven Gekicher als linke Tabubrecher und übersetzen doch nur die Leitartikel der Süddeutschen Zeitung mit den Mitteln der Zote ins Humordeutsche. Und

Schlimm, diese Leute, seit der grosse Henscheid nicht mehr da ist,

der im übrigen keine „leichte Unterhaltung“, sondern Kunst produziert

. Vor 15 Jahren konnte man über Henscheid lesen:

Der Schriftsteller und Satiriker Eckhard Henscheid hat in einem Interview mit der rechtsgerichteten Zeitschrift „Junge Freiheit“ FDP-Vize Jürgen Möllemann gegenüber Antisemitismus-Vorwürfen verteidigt. Er bedaure, dass Möllemann „leider fast alles“ wieder zurück genommen habe. Wer wie Paul Spiegel, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, den Holocaust und Möllemanns Äußerungen über Friedman in einen Zusammenhang bringe, habe das Recht verwirkt, für voll genommen zu werden. Henscheid erklärte, Möllemann hätte dem „offenbar kein Maß mehr kennenden Fernsehkasper Friedman“ standhaft Paroli bieten sollen. „Wenn Möllemanns Aussagen einen Klimawechsel in Deutschland bewirken sollten, hat dieser Klimawechsel meinen Segen.“ Außerdem kritisierte Henscheid Marcel Reich-Ranickis Ablehnung des Walser-Romans „Tod eines Kritikers“. Da es darin um Reich-Ranicki gehe, hätte dieser „lieber den Mund halten sollen“. Tsp

In der Tat keine „leichte Unterhaltung“, die der Mann produziert. Sondern gehobenes Feuilleton. Hier wird nicht im „kollektiven Gekicher“ der Leitartikel der Süddeutschen, sondern völlig im Ernst der der FAZ (von 1986) „übersetzt“. Und „man hat es eben“ ganz genau so auch „gemeint“. Das wissen zu schätzen ausgerechnet die wortgewaltigen Kritiker des Antisemitismus auf der

Bahamas.

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