Buchbesprechung: Cottrell und Cockhott

Buchbesprechung:
Cottrell und Cockhott, Towards a New Socialism
(nach der pdf-Version auf der Homepage eines der Autoren,
http://ricardo.ecn.wfu.edu/~cottrell/socialism_book/new_socialism.pdf
deutsch: Alternativen aus dem Rechner, Papyrossa, Köln 2006

Gruppe Internationaler Kommunisten, Grundsätze der kommunistischen Produktion und Verteilung,
zuerst 1930, hier nach Blankertz-Verlag, Berlin 1970
http://aaap.be/Pdf/Transition/Transition-de-1970-Grundprinzipien-01.pdf bis -08.pdf

Wir führen hier das Thema der Besprechung zu Dath weiter.
Alle Zitate (ausser GIK) in eigner Übersetzung.

Von Jörg Finkenberger.

Dieses Buch ist zuerst 1993, zwei Jahre nach dem Untergang des sowjetischen Staats erschienen; Vorarbeiten gehen noch in die 1980er Jahre zurück. Ein Teil der Debatte über das Buch ist auf der Internetseite des Mitautors Cottrell dokumentiert, einschliesslich späterer kleinerer Arbeiten der Autoren; sie arbeiten bis in die Gegenwart an dem Thema. Und das Thema ist seit 1993 nicht weniger aktuell geworden.

Aber was ist das Thema? Die Autoren wollen, sagen sie S. 2, aufzeigen, dass der Untergang der Sowjetunion nicht dasselbe bedeutet wie die Unmöglichkeit eines marxianischen Sozialismus, wie sie es nennen; „dieser Anspruch“, sagen sie, „kann nur eingelöst werden, indem man viel detaillierter als bisher geschehen ausbuchstabiert, welche ökonomischen Mechanismen und welche politischen Verfassungsformen Sozialisten für wünschenswert und machbar halten.“

Das geht natürlich nicht ohne eine enge Auseinandersetzung mit dem sowjetischen Modell, und den anderen Modellen, die von ihm her rühren; diese Auseinandersetzung, das muss man den Autoren sehr zu Gute halten, wird auch geführt. Keineswegs so, wie wir sie führen würden; aber sie wird nicht durch grobe Ahnungslosigkeit und Schlamperei hintertrieben, wie wir das bei zeitgenössischen Autoren übers selbe Thema sehen dürfen. Es erklärt sich vielleicht durch die zeitliche Nähe; heutzutage kann man auf die völlige Unwissenheit beim Publikum spekulieren, oder auch auf das aggressive Desinteresse an der wirklichen Geschichte, wie es beim heutigen Mode-Leninismus zu sehen ist.

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Solche eine Auseinandersetzung gehört, wie die Autoren noch gut wissen, untrennbar zu der Auseinandersetzung mit der Sozialdemokratie, die sie S. 2 ff. beginnen. Die sogenannte gemischte Ökonomie des Westens beruht im Wesentlichen darauf, dass auf dem kapitalistischen Sektor der Ökonomie Steuern und Abgaben liegen, aus denen die Ausgaben eines (nennen wir es ruhig so) sozialistischen Sektors getragen werden, etwa der öffentlichen Gesundheitsversorgung.

Dieser mehr oder weniger entwickelte sozialistische Wirtschaftssektor ist unselbständig, abhängig von dem kapitalistischen; er entfaltet keine Eigengesetzlichkeit, und die Sozialdemokratie hat in der Regel keine Ideen dafür vorgelegt, nach welchen Prinzipien er sich entwickeln und was er zur gesellschaftlichen Produktion beizutragen hat. Es ist der kapitalistische Sektor, dessen Bedürfnisse das Gesetz der ganzen Gesellschaft sind; denn von dessen Überschüssen ist sie völlig abhängig.

Die Sowjetunion dagegen, sagen C. und C., sei eine sozialistische Gesellschaft gewesen, wenn auch eine mit tiefen Mängeln; denn sie habe eine grundsätzlich andere Art organisiert, in der das gesellschaftliche Mehrprodukt angeeignet wird.(1) Dafür führen sie im Grunde die selben Gründe an, wie es die Bolschewiken schon immer getan haben; „die Arbeiter wurden zwar immer noch in Löhnen in Rubeln bezahlt, und das Geld blieb in Gebrauch als Rechnungseinheit in den dem Plan unterstellten Industrien, aber der gesellschaftliche Inhalt dieser monetären Form hatte sich drastisch verändert“, S. 4.

Warum das so sein sollte, und was der neue, sozialistische Inhalt der weiterbestehenden bürgerlichen Formen sein soll, das hat der Leninismus bis heute nie schlüssig erklären können. Insbesondere hat er nie schlüssig erklären können, was diesen sozialistischen Inhalt denn von der klassischen kapitalistischen Kriegswirtschaft unterscheidet; auch dort wird ja immer noch mit Geld oder Lohnarbeit gewirtschaftet, aber „Güter und Arbeitskraft werden den Unternehmen physisch durch die Planbehörden zugewiesen“ und „die Aufteilung zwischen notwendigem und Mehrprodukt sind das Ergebnis einer politischen Entscheidung“, ganz genau wie es C. und C. für die sowjetische Wirtschaft sagen.

Das Märchen von dem neuen sozialistischen Inhalt der ökonomischen Formen (2) geht in der klassischen Form denn auch auf Stalins „Ökonomischen Problemen des Sozialismus“ von 1952 zurück und wird von dort immer wieder neu abgeschrieben; es gehört zum notwendigen Bestand der leninistischen Ideologie jeder Facon, auch der Maoisten und selbst der Trotzkisten. Mit diesem Hinweis können wir uns zwar noch lange nicht zufriedengeben; die Arbeit von C. und C. lässt sich so billig nicht abtun, dafür ist sie zu gründlich und zu solide gearbeitet. Aber man wird sich die seltsame Faulheit an dem Begriff von dem „sozialistischen Inhalt“ schon merken dürfen; daraus spricht, vermute ich, ein Desinteresse an der wirklichen Gesellschaft und der Art, wie ihre Formen zustandekommen.

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Man wird C. und C. nicht nachsagen können, dass sie einfach eine neue Auflage des Sowjetsystems vorschlagen: „Das demokratische Element ist, wie nun klar ist, kein Luxus, oder etwas, das aufgeschoben werden kann auf eine Zeit, wenn die Bedingungen dafür günstig sind. Ohne Demokratie werden die Leiter einer sozialistischen Gesellschaft auf Zwang angewiesen sein, um die Produktion des Mehrprodukts sicherzustellen, und wenn der Zwang nachlässt, wird das System stagnieren.“

Das ist, werden wir sagen, nicht falsch, aber auch nicht richtig. Wenn das gesellschaftliche Produkt den unmittelbaren Produzenten als eine fremde Macht gegenübersteht, das heisst als Eigentum einer anderen Klasse, dann wird sie tatsächlich nur unter Zwang produzieren; und auch das Lohnsystem ist eine Form von Zwang.

Die Lösung, die C. und C. vorschlagen, ist dabei, charakteristisch, von oben her gedacht; von dem Punkt aus, an dem die Gesellschaft ihre Einheit hat. Und dieser Punkt ist ihnen ganz unproblematisch der Staat. Dieser Punkt ist nur aber ganz und gar nicht unproblematisch. In meiner Untersuchung „Staat oder Revolution“, Freiburg 2015 (demnächst Bd. 2), habe ich das ausführlich und im Allgemeinen ausgeführt; C. und C. tappen, wie sie S. 5 ausführlich darlegen, in eine sehr traditionsreiche Falle.

Sie konzentrieren sich auf die grundlegende Frage der Mehrwertrate; in ihrem Sozialismus nimmt das die Form einer gesellschaftlichen Entscheidung an, wieviel Arbeit die Gesellschaft als ganzes ihren Mitgliedern abverlangt. In der Sowjetunion nahm, sagen sie nicht zu Unrecht, traf die Planungsbehörde diese Entscheidung: „Die Rate der Mehrwertproduktion war fixiert, wenn die Planer einerseits der Schwerindustrie , andererseits der Konsumgüterindustrie Ressourcen zur Investition zugewiesen hatten… Aber Marx hatte sich diese ‚gesellschaftliche Entscheidung‘ als radikal demokratisch vorgestellt, so dass die Mehrproduktion eine innere Legitimation hätte… Die Bevölkerung, wenn sie die Entscheidung getroffen hätte, so-und-soviel von ihrer Arbeit in Nettoinvestition und soziale Unterstützung zu stecken, würde dann freiwillig diese Entscheidung umsetzen“, S. 5.

Sie sehen das Problem der gesellschaftlichen Einheit gleichsam von der bereits erreichten Lösung aus an, ohne sich zu fragen, wie denn diese Lösung überhaupt zustandekommen kann; die Voraussetzung einer solchen klassenlosen Gesellschaft ist also schon die klassenlose Gesellschaft. Für C. und C. besteht bereits eine Instanz, mittels derer die Gesellschaft ihr Gesamtinteresse wahrnimmt, nämlich der Staat. Der Staat ist aber keineswegs diese Instanz. Er besteht, weil die Gesellschaft einen einheitlichen Willen gerade nicht besitzt, und gerade nicht unmittelbar das tun kann, was C. und C. sie hier tun lassen.

„Der Plan, der doch angeblich in ihrem Interesse formuliert worden sein sollte, war doch dennoch nicht ihr eigenes Werk“, schreiben sie über die Sowjetunion, und sie ahnen nicht, dass sie etwas wiederholen, was der Lehrer von Karl Marx, Bruno Bauer, über den bürgerlichen Staat zu sagen sich gezwungen sah: „Der Bürger aber weiss… nicht, wie er zu dem Staat kommt“, der doch „die freie Tat aller“ sein sollte. Die Marxisten machen es sich zu einfach, wenn sie tun, als wäre das allein ein Problem der Klassengesellschaft, das mit der Abschaffung des Klasseneigentums erledigt wäre.

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„Der Stalin-Kult, mit seinen populistischen und seinen schrecklichen Aspekten, war zentral für die sowjetische Weise der Aneignung des Mehrprodukts“, aber wie kam der Stalin-Kult denn zu dieser Rolle? C. und C. haben eine Antwort, die vielen nicht gefallen wird: die Organe der Sowjetdemokratie, oder sagen wir ruhig Rätedemokratie, waren untauglich als Grundlage einer solchen demokratischen gesellschaftlichen Entscheidung. „Wir behaupten, dass die Räteform als solche untauglich und in der Tat gefährlich ist, und dass wir uns woanders nach den Prinzipien einer sozialistischen Verfassungsordnung umsehen müssen.“

So etwas hat sich selbst unter den Leninisten niemand auszusprechen getraut, und nur weil uns die Ansicht vielleicht nicht gefällt, sollten wir sie dennoch nicht leichthin abtun. Man kann ja nicht tun, als läge hier nicht ein wirkliches Problem, nur weil C. und C. es nach einer anderen Seite lösen wollen, als vielleicht wir. Sehen wir uns diese Kritik der Räte also an, S. 160.

„Räte entstehen tendenziell, wenn eine Diktatur oder Monarchie umgestürzt wird; sie scheinen nicht in parlamentarischen Staaten zu entstehen.“ Das scheint richtig zu sein, aber ist es nicht eine nur engere Fassung der bestürzenden Einsicht, dass es überhaupt kein Beispiel einer sozialistischen Revolution in einem Land mit schon entwickeltem Kapitalismus und bürgerlicher Gesellschaft gibt?

„Sie sind nur dann fähig, einen bestehenden Staat zu stürzen, wenn sie von einer zusammenhängenden Gruppe von Revolutionären geführt werden. Anderenfalls …tendieren sie dazu, die bestehende Staatsmacht unangetastet zu lassen, bis sie selbst aufgelöst werden… Sie sind das ideale Mittel für die Einrichtung eines Einparteienstaates…, weil sie auf ein beschränktes Wahlrecht und indirekte Wahl… der oberen Rätegremien angelegt sind…“ C. und C. denken sich die soziale Revolution als unmittelbar verknüpft mit der politischen; das ist, wie wir jetzt schon bemerken wollen, nicht zwingend.

„Räte sind vorübergehende Einrichtungen, keine dauernden Formen staatlicher Organisation. Sobald sie sich etablieren, wird es nötig, die provisorischen Regeln niederzuschreiben und zu verändern, nach denen sie ursprünglich gegründet wurden. Es wird nötig, auszuführen, wer wahlberechtigt ist und wer nicht. Die Räte können nicht für immer aus Fabrikarbeitern und Soldaten bestehen.“

Man wird vielleicht die soziale Revolution in eine ganz andere Art gesellschaftlicher Organisation als in einen Staat ausgehen sehen wollen, aber man wird jedenfalls akzeptieren müssen, dass die Arbeiter-Räte nirgendwo imstande waren, den Übergang der Macht in die Hände einer Parteidiktatur zu verhindern. An und für sich sind solche Räte Organe revolutionärer Klassen. Ihre Macht ist an die gesellschaftliche Kampfkraft dieser Klassen geknüpft, und an die Situation. Sie ist nicht ohne weiteres zu verstetigen. Sie sind selbst noch nicht die Antwort auf die dringende Frage der gesellschaftlichen Organisation.

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Legen wir die Staatsverfassung, die C. und C. vorschlagen, einstweilen bei Seite und betrachten die ökonomischen Prinzipien ihres Sozialismus. Ich lege zum Vergleich ein anderes, ähnlich ausgearbeitetes Konzept einer (völlig anderen) sozialistischen Ökonomie daneben: Die „Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung“, eine Kollektivarbeit der niederländischen rätekommunistischen Gruppe Internationaler Kommunisten, von 1930 (nach der Augabe Blankertz-Verlag, Berlin 1970).

Beide sind sich nämlich über den Ausgangspunkt einig. „Der Grundgedanke ist, dass eine gerechte Gesellschaft nur eingerichtet werden kann auf dem Prinzip, dass diejenigen, die arbeiten, das Recht auf den vollen Ertrag ihrer Arbeit haben. Das war lange das entscheidende und populärste sozialistische Prinzip… Der große Vorzug dieses Prinzips ist es, dass es eine zusammenhängende Grundlegung für eine ganze Gesellschaftsordnung liefert, nicht nur der ökonomischen Organisation, sondern auch einer neuen rechtlichen, moralischen und sozialen Ordnung… Eine Ökonomie, die auf Arbeitszeit-Preisen gegründet wäre, besässe ein eingebautes demokratisches Prinzip der menschlichen Gleichheit“, C. und C. 23 f.

Es bleibt, lesen wir dazu bei den Niederländern, „kein anderer Weg, als die ganze Produktion so aufzubauen, daß das exakte Verhältnis von Produzent und Produkt zur Grundlage des gesellschaftlichen Produktionsprozesses wird. … Auf dieser Basis ist planmäßige Produktion möglich. Die einzelnen Betriebe und Industrien können sich dann, horizontal und vertikal zu einem planmäßigen Ganzen verbinden“, GIK S. 23.

Mehrere Probleme stellen sich natürlich ab diesem Punkt. Wie nämlich kann auf dieser Grundlage eine koordinierte, oder sagen wir ruhig planmässige, Wirtschaft stattfinden? Zweitens, wie soll es möglich sein, von einer so verfassten Gesellschaft zu einer voll kommunistischen zu gelangen? Und drittens, worüber unterschiedlich viel gesagt wird, wie kommt man überhaupt zu dieser Grundlage?(3)

C. und C. haben sich nun mit der Frage auseinanderzusetzen, wie denn eine objektive gesellschaftliche Rechnungslegung auf der Grundlage von Arbeitszeit möglich sei. Das ist keine triviale Aufgabe. Denn in aller Gesellschaft der letzten 5.000 Jahre ist es ja nicht so, dass eine bestimmte gut feststellbare Arbeitszeit auf ein bestimmtes gut identifierbares Produkt aufgewandt wird; sondern die kontinuierlich verausgabte Arbeitskraft verteilt sich, gewissermassen, auf viele Produkte hintereinander, und ebenso die verausgabte Arbeitskraft vieler anderer Arbeiter. Das ist nicht erst im modernen System der Industrie so. Jedes Produkt enthält also an sich ununterschieden die Arbeitskraft vieler verschiedener Arbeiter, und umgekehrt. Es müsste also für jeden Arbeitsschritt die genaue Menge an aufgewandter Arbeitszeit erfasst werden.

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Noch schlimmer, die Aufstellung der je Produkt enthaltenen Arbeitskraft wird schon beim nächsten Gedankenschritt unmöglich. In das Produkt gehen auch Arbeiten ein, die in gar keinem zurechenbaren Zusammenhang zum Produkt stehen; der Bau der Strasse zum Produktionsort z.B., die Reinigung, Betriebskantine, etc. Aufwendungen dieser Art sind natürlich prinzipiell durchaus erfassbar, und sie werden auch in der heutigen betrieblichen Kostenrechnung erfasst; aber das geht nur, wenn man den Fluss der gesellschaftlichen Arbeit, den „Produktenstrom“ (GIK S. 32), gewissermassen geistig durchbricht und feste Punkte in ihm definiert; nämlich zum Beispiel den Betrieb als eine Einheit, oder innerhalb des Betriebs sogenannte Kostenstellen, denen diese Aufwendungen zugerechnet werden; und zwar im Grunde durch nichts anderes als eine geeignete Definition, also methodisch gesehen zunächst einmal willkürlich. Die gewählte Einheit und Zurechnung muss am Ende ein sinnvolles Ergebnis liefern, das ist alles. Andere objektivierbare Kriterien gibt es nicht.

C. und C. stellen sich diese Frage nicht im Einzelnen, sie nehmen an, eine Erfassung der pro Arbeiter und pro Produkt verausgabten Arbeit sei an sich nur eine technische Frage. Das ist sie natürlich auch noch. Und es ist diese technische Frage, die mit Vorliebe diskutiert wird. „In seinem Buch The Economics of Feasible Socialism (1983) betont Alec Nove die Bedeutung der schieren Skala für die moderne Ökonomie. Er zitiert für die 12 Millionen verschiedene Produkte des sowjetischen Ökonomie einen gewissen O. Antonov, dass es, um einen vollständigen bilanzierten Plan für die Ukraine aufzustellen, die Arbeit der gesamten Weltbevölkerung für mehr als 10 Millionen Jahre bräuchte“, C. und C. S. 47.

Dieses völlig irrsinnige Zahl wird nur begrenzt besser, wenn man sie mit „modernen Supercomputern“ von 1993 behandelt, S. 49. „Die Zeit, um die Arbeitswerte dieser Ökonomie zu berechnen, wäre in der Grössenordnung von 50 Milliarden Sekunden, oder 16.000 Jahren. Das ist offensichtlich viel zu langsam.“ Natürlich sind heutige Computer schneller. Und so wird in der vulgären Literatur des Computersozialismus auch generell davon ausgegangen, dass das Problem lösbar ist, wenn dieser technische Teilaspekt lösbar wird. Aber damit wird der wichtigste Teil übersehen.

C und C kommen dem S. 50 recht nahe: die Komplexität der Aufgabe durch ein iteratives Verfahren zu reduzieren. „Die Idee ist, dass wir als erste Annäherung allen Input ausser der direkt aufgewandten Arbeit ignorieren. … Um zu einer zweiten Annäherung zu kommen, addieren wir diejenigen Inputs, deren Arbeitswert im ersten Schritt schon festgestellt worden ist… Wiederholte Anwendung wird uns eine Antwort mit dem gewünschten Grad von Genauigkeit geben.“ Die Voraussetzung dafür ist, wie sie gleich danach, aber nur implizit feststellen, dass die Arbeitsaufwendung gemittelt, das heisst in Bezug auf einen bestimmten Betrieb erfasst werden.

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Ein zentraler Rechner braucht, schreiben C. und C. Rechnerkapazität, wie man sie für „Wettervorhersagen, Design von Atomwaffen, Erdöl-Prospektierung und Hochenergiephysik“ benutzt, S. 50.
Aber, und das ist ein erstaunlicher Punkt, diese ganze Rechenoperation ist äquivalent zu einem ganz anderen Vorgehen: „Es ist schon jetzt Standard-Praxis für alle ausser der kleinsten Unternehmen, die Kostenrechnung auf einer Spreadsheet-Software durchzuführen… in ein solches Spreadsheet könnte eingegeben werden, wieviel Arbeit in der letzten Woche aufgewandt wurde, welches andere Input verarbeitet wurde und was das Brutto-Output war. Auf der Grundlage aktueller Zahlen für die Arbeitswerte des verwendeten Inputs würde das Spreadsheet den Arbeitswert des Outputs berechnen. // Woher kämen die aktuellen Werte des Inputs? Sie könnten kontinuierlich über Teletext verbreitet werden…“, S. 51.

Das ganze ist eigentlich ein recht simples P2P-Netzwerk zwischen den Betrieben, und die eingegebenen Grössen sind, wenn man einmal den Betrieb als die notwendige grundlegende Einheit akzeptiert hat, auch einfach zu ermitteln. Das erstaunliche ist, dass zu genau diesem Schluss auch die Niederländer gelangt sind, wenn auch aus einer ganz anderen Fragestellung heraus.

Der Hauptstrom der sozialistischen Theorie hatte ab etwa 1900 die Idee aufgenommen, dass die Konzentrationstendenz des Kapitals selbst den Übergang zu einer geregelten gesellschaftlichen Produktion schon vorbereite; dass, sobald alles produktive Vermögen in einer Hand zusammengefasst wäre, die Produktion berechenbar werden könne. Die Bolschewiken haben diese Idee von der SPD geerbt. Es war interessanterweise der neoklassische Ökonom Mises, der als erster darauf hingewiesen hat, dass das Gegenteil einträte: in einem derartigen sozialistischen Mammutkartell, von der Vermittlung durch Geld befreit, müsste jede rationale Kostenrechnung aufhören; ohne einen allgemeinen Nenner der einzelnen Produkte könnte ein Kartell, oder sozialistischer Staat, zwar allerhand Verfügungen treffen, aber den Anspruch, das auf Grundlage eines rationalen Plans zu tun, könne er nicht erheben. (4) Karl Kautsky war zu einer überzeugenden Erwiderung nicht in der Lage; sowenig wie irgendeiner seiner Nachfolger.

„Die Lösung des Problems liegt darin, daß die Produzenten selbst durch ihre Betriebsorganisationen den gesellschaftlichen Durchschnitt berechnen, und nicht Kautsky“, schreibt die GIK dazu S. 48; und zwar nach dem „Betriebsdurchschnitt“ ihrer Aufwendungen, aus dem dann ein gesellschaftlicher Durchschnitt gebildet wird. Das ist die sehr pragmatische Lösung des Problems: denn gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist an sich unerfassbar. Aber die gesellschaftliche durchschnittliche Arbeitszeit pro Produkt ist betrieblich erfassbar, GIK S. 109. Der Betrieb als Grundeinheit ist aber, und das ist der Unterschied zwischen beiden Begriffen, irreduzibel; die erfassbare Grösse ist an diesen gebunden.

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C. und C. schreiten weiter, indem sie die verschiedenen Arten von Planung beschreiben, die sie für erforderlich halten. Sie unterscheiden S. 58 ff. drei grundlegende Gegenstände der Planung: das makroökomische Verhältnis, welcher Anteil der gesellschaftlichen Arbeit in Verbrauchsgüter, welcher in Sozialfürsorge, und welcher in zusätzliche Produktionsmittel; zweitens die strategische Planung, nämlich welche Produktionszweige vorrangig zu entwickeln sind; und drittens eine Detailplanung, die beides herunterrechnet auf die konkreten Produktionsanlagen, und die den Output der einen Anlage mit dem benötigten Output der anderen Anlagen verknüpft.

Für alle diese Arten der Planung ist nun wieder eine sehr entwickelte Form der Güterbilanz eine Voraussetzung, nämlich die Input-Output-Tabelle. C.s und C.s Ausführungen hier sind bemerkenswert. Die verschiedenen Vorgänge einer an sich selbst sehr komplexen Ökonomie lassen sich modellieren, wenn jeder Betrieb erfasst wird einmal nach seinem Output, seinem Produkt; und ein anderes Mal nach seinem Bedarf an Vorprodukt oder Rohstoff (zuzüglich Arbeit.).

„Ein bisschen grundlegende Terminologie ist nützlich, um zu verstehen, was hier geschieht. Erstens, Brutto-Output bezeichnet das gesamte Output einer Industrie, unabhängig von seiner Verwendung. Brutto-Output teilt sich in Zwischen-Output und Netto-Output. Zwischen-Output ist der Teil des industriellen Produkts, der bestimmt ist, vom Produktionssystem selbst wieder verbraucht zu werden (zum Beispiel die Kohle, die in der Stahlindustrie verbraucht wird; der Stahl, der in der Computer-Industrie verbraucht wird). Endgültiges oder Netto-Output ist der übrige Anteil, der für die Endnutzung zur Verfügung steht (Verbrauch, oder Netto-Investition)“, S. 74.

Es bestehen nun zahlenmässig beschreibbare Beziehungen zwischen der Menge des Zwischen-Outputs, d.h. Vorprodukts, zu dem Endprodukt; soundsoviel Kohle für die Produktion von soundsoviel Stahl, soundsoviel Stahl für einen PC. Das sind im wesentlichen die sogenannten technischen Koeffizienten. „Wenden Sie nun folgenden einfachen Trick an: schreiben Sie jede Zwischen-Output-Grösse (I) als Brutto-Output-Grösse (G) mal den zutreffenden technischen Koeffizienten“; damit „haben wir das Problem auf zwei Gleichungen mit zwei Unbekannten reduziert, nämlich das Brutto-Output der Industrien. Einfache aber langweilige Algebra sollte das gewünschte Ergebnis liefern: Gleichungen, die das Brutto-Output jeder Industrie allein als Funktion des gesamten (angestrebten) Netto-Outputs und der technischen Koeffizienten darstellen“, S. 76. (Hierzu Anmerkung 4a.)

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„Die Mathematik des Problems ist seit der grundlegenden Arbeit von Wassily Leontieff und John von Neumann in den 1930ern und 1940ern gut bekannt“, Leontieff übrigens ein davongelaufener Mitarbeiter der sowjetischen Planungsbehörde; aber auch hier wieder stellt sich heraus, dass angewandt auf die ganze Ökonomie „die Input-Output-Tabelle kolossal wäre, mit Millionen von Zeilen und Spalten und deshalb Milliarden technischer Koeffizienten“, S. 77; „wie mit der Arbeitswertberechnung, ist auch hier das Mittel der Wahl die sparsame Input-Output-Matrix, d.h. ein Spreadsheet“, nämlich in Form von „verknüpften Listen“ und einer iterativen Lösung. Das wird 77 ff. näher ausgeführt. (Anmerkung 4b)

Wir sind hier also wiederum, bei der Grundlage für die Planung, bei einem dezentralen Netzwerk gelandet, das sehr wahrscheinlich auf dem schon besprochenen aufsitzen wird. Es stellt sich an dieser Stelle sehr ernsthaft die Frage, woher denn C. und C. ihre zentrale Instanz überhaupt hernehmen, an der sie den Ort ihrer gesellschaftlichen Entscheidungen ansiedeln. Wodurch konstituiert sich diese zentrale Stelle denn im gesellschaftlichen Prozess? Bis jetzt muss es so aussehen, als wäre sie dem gesellschaftlichen Produktionsprozess recht künstlich aufgesetzt. Ich will das näher ausführen, indem ich wiederum ein bisschen auf das Modell der Niederländer eingehe.

Die Niederländer schlagen folgende kommunistische Verteilung vor, von den produzierenden Betrieben ausgehend. Die Betriebe erfassen, wie gesagt, während der Produktion die verausgabte betriebliche Arbeitszeit pro Produkt; sowie ebenso die dabei verarbeiteten Rohstoffe und Vorprodukte, und rechnen die in ihnen enthaltene Arbeitszeit hinzu. Im Grunde erstellen sie, in ihrer Gesamtheit, also nichts anderes als eine gesellschaftliche Input-Output-Tabelle. Am Ende ist es auf diese Weise „möglich, ohne weiteres an jedem Produkt auszudrücken, wieviel Arbeitsstunden seine Herstellung kostet“, GIK S. 38.

Aus dieser Produktenmenge entnehmen zunächst die produzierenden Betriebe, nach gesellschaftlich durchschnittlicher Arbeitszeitäquivalenz, Ersatz für die verbrauchten Produktionsmittel, also Rohstoff, Vorprodukt, Verschleiss von Anlagen usw., ehe der Rest des Produkts dem privaten Verbrauch gegen eine Sorte von Arbeitsgeld zur Verfügung steht. Damit ist es aber natürlich nicht getan. Sondern neben den produzierenden Betrieben gibt es eine andere Sorte, die Niederländer nennen sie die öffentlichen Betriebe, deren Produkte, soziale Dienste, direkt unentgeltlich zur Verfügung stehen. Und natürlich müssen diese ihre verbrauchten Güter ebenso, direkt nach den produktiven Betrieben, aus der gesellschaftlichen Produktenmenge entnehmen; erst dann steht der Rest zum privaten Verbrauch zur Verfügung, GIK S. 66.

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Das ist ein schematischer Abriss der Gesellschaft sozusagen bei einfacher Reproduktion. Die Niederländer können zeigen, dass Erweiterung der Produktion, grosse Infrastrukturvorhaben usw. nach denselben Prinzipien wie die öffentlichen Betriebe behandelt werden können; nämlich indem die Gesellschaft genau wie für diese ein Budget festlegt, eine Art von Rücklage, GIK S. 83 ff.

Das Produkt der geleisteten Arbeit geht also zu einem bestimmten Anteil in gesellschaftliche Bedürfnisse ein; der verbleibende Anteil wird in Form von einer Art Arbeitsgeld an die Arbeiter ausgegeben. Das Verhältnis dieser beiden Teile erscheint in dem sogenannten Auszahlungsfaktor, der auf die gearbeiteten Stunden angewandt wird. Die Niederländer legen grossen Wert darauf: die Kürzung wird nicht am Preis der Güter vorgenommen, dieser (wenn wirs so nennen wollen) drückt vielmehr richtig die gesellschafts-durchschnittliche erforderliche Arbeitszeit ihrer Herstellung aus; das Verhältnis, in dem die Güter erzeugt werden, bleibt transparent, und die Aufwendung für gesellschaftliche Bedürfnisse wird direkt auf der geleisteten Arbeit abgebildet. Warum so herum? Anders gefragt, was macht es für einen Unterschied? Sehen wir dazu, wie C. und C. es machen.

Auch bei C. und C. erhalten die Arbeiter für die geleistete Arbeit eine Art Arbeitsgeld; auch C. und C. halten zu Recht garnichts von unterschiedlichen Lohnsätzen (von dem „Betrug der beruflichen Lohnunterschiede“, C. und C. 38). Die Argumentation ist hier ähnlich: Lohndifferenz bedeutet, sagen die Niederländer, dass ein gewisser Lohnteil Existenzminimum ist, das heisst dieser Lohnteil kauft die Arbeitskraft als Ware; ein anderer Lohnteil ist eine Art Knappheitsrente. Beides passt in den Sozialismus nicht. Die Gleichheit der Löhne ist Voraussetzung des Sozialismus, GIK 54 ff., C. und C. 38.

Aber C. und C. lassen dann die volle Arbeitsleistung erst unverkürzt auszahlen, und hernach anteilig durch eine einheitliche Einkommensteuer wieder einziehen, S. 91, 99; an dem Steuersatz bildet sich natürlich dasselbe Verhältnis ab, wie bei dem Auszahlungsfaktor. Ausdrücklich ab lehnen sie eine Umsatzsteuer, wie sie die klassische Hauptsteuer der Sowjetunion gewesen ist: „solch eine Steuer ist unverträglich mit dem System, das wir vorschlagen, denn sie würde bedeuten, dass Güter systematisch höher als mit ihrem Arbeitszeitinhalt bepreist sind“, S. 99.

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Genau das ist die Begründung der Niederländer, warum sie so grossen Wert darauf legen, dass die Kürzung auf den Arbeitsstunden erscheint und nicht auf der anderen Seite, am Güterpreis, und zwar weil „die Preispolitik das Verhältnis des Produzenten zum Produkt, gerade wie beim Kapitalismus zerbricht und den wahren Zustand verschleiert“, GIK 81 f. „Man weiß also nicht, wieviel Arbeitsstunden die einfache Reproduktion absorbiert. Nun ist es selbstverständlich unmöglich, festzustellen, wieviel Arbeitsstunden für Erweiterung des Produktionsapparates bereitgestellt werden müssen“, S. 82

Preispolitik, sagen die Niederländer geradezu, ist für den Sozialismus fatal; sie entzieht die ökonomischen Relationen den Augen der Arbeiterklasse, und macht sie zum Geheimnis eines Staatsapparats; und da die realen Güterpreise den Arbeitslohn in Wirklichkeit bestimmen, läuft sie darauf hinaus, „daß die Besitzer des Produktionsapparats … über das mehr produzierte Produkt verfügen“, S. 56.

Je länger man drüber nachdenkt, desto richtiger wird das. Und nicht nur eröffnet eine derartige Verhüllung der gesellschaftlichen Relationen einen Raum für einen abgesonderten Staatsapparat, sie setzt ihn ja voraus. Denn wer soll denn eine solche Preispolitik betreiben als eine organisierte zentrale Instanz, wer soll sie durchsetzen ausser eine zentrale Macht? Hier liegt ein zentrales Problem in dem Ansatz von C. und C. Denn wenn schon eine Instanz besteht, die die Einkommensteuer auf einmal ausgereichtes Einkommen wieder einzieht, wie wollen sie garantieren, dass diese diese Steuer nicht verbotenerweise zu Preispolitik nutzt? Warum überhaupt eine solche Instanz einführen, wenn jedenfalls an dieser Stelle dasselbe Ergebnis auch ohne sie erreicht werden kann?

Erinnern wir uns: im Modell der Niederländer entnehmen die Betriebe den Ersatz ihrer verbrauchten Stoffe selbst der Produktenmenge nach dem Mass der in ihnen enthaltenen Arbeitszeit. „Es ist keine Verteilung durch Personen, sondern diese erfolgt durch die sachliche Produktion selber“, S. 68, können die Niederländer mit Recht sagen. Auch hier ist eine Öffentlichkeit vorausgesetzt, unter deren Augen dieser Prozess stattfindet; aber diese kann beobachtend und bloss überwachend gedacht werden, und muss nicht durch eine organisierte Gruppe vertreten sein. Das ist ein grosser Vorzug; er lädt das Problem einem recht sparsamen Verfahren auf, das gut vorstellbar ist.

Aber was ist mit den Budgets für die öffentlichen Betriebe, Infrastrukturvorhaben und den Erweiterungsbudgets der einzelnen Betriebe, von denen die Rede war? Diese müssen doch festgestellt werden. Das setzt doch eine mindestens lokale Organisation der gesamten Gesellschaft voraus! Die Niederländer halten sich, was das betrifft, sehr bedeckt; nur an einer Stelle deuten sie an, dass derlei Dinge je nach „Bezirk“, S. 69, geregelt werden müssten. Sie stellen sich also meist unausgesprochen eine Art Gemeindeverfassung innerhalb eines Welt-Gemeinwesens vor.

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Anlass dazu, deren Rolle weiter zu betrachten, sehen sie nicht, denn in ihrem System kann die Selbstständigkeit dieser Gemeinden gar nicht in Konflikt mit den dem Zusammenhang des Welt-Gemeinwesens geraten. Denn dieser Zusammenhang wird garantiert durch das tragende Prinzip des Austausch selbst, durch den Austausch nach Arbeitszeit; er bedarf keiner zentralen Administration, sondern einer „allgemein gesellschaftlichen Buchhaltung“, GIK 143, 141, insbes. 95. Hier ist auch die Stelle, wo sie mit Recht einige ältere anarchistische Ideen kritisieren.

„Die Zurückweisung zentraler Produktionsverwaltung und -führung besagt aber noch nicht, daß wir damit auf ausschliesslich föderalistischem Boden stehen. Wo Leitung und Verwaltung der Wirtschaft bei den Massen selbst beruht, sind ohne Zweifel kräftige syndikalistische Tendenzen vorhanden; aber betrachtet von der Seite der allgemein gesellschaftlichen Buchhaltung, ist das ökonomische Leben ein ununterbrochenes Ganze, und haben wir einen Mittelpunkt, von dem aus die Wirtschaft zwar nicht verwaltet und geleitet, aber sicher wohl übersehen werden kann,“ S. 143

Sie gehen noch weiter: S. 30 ff. und 140 ff. weisen sie nach, dass reiner Synikalismus und reiner Kommunalismus ganz alleine zu einem staatskommunistischen System übergehen können; sobald sie nämlich mit dem Problem konfrontiert sind, wie die gesellschaftliche Produktion und Verteilung zu koordinieren ist. Urplötzlich fällt, wie sie zeigen, selbst den anarchistischsten Autoren nichts anderes mehr ein als eine despotische Instanz, verhüllt unter allerlei Gerede von freier Vereinbarung. Das kommt, sagen sie, weil diese Autoren sich ein objektives Prinzip, nach dem Produktion und Verteilung sich organisieren, nicht denken können. Solch ein Prinzip, auf dem ein „durchsichtig vernünftiges Verhältnis“ zu gründen wäre, behaupten sie, liegt in der Arbeitszeit aber bereits vor; und noch mehr, dieses Verhältnis ist ohnehin die Grundlage jeder Wirtschaft immer gewesen.

Und innerhalb des Rahmens, den wir bisher betrachtet haben, ist ihnen nicht zu widersprechen. Ihre Beweisführung ist in der Tat schlagend. Und bisher ist ihr Modell dem von C. und C. vollkommen überlegen; insbesondere, weil C. und C., vielleicht ohne es zu ahnen, bewiesen haben, dass die Grundlage, eine allgemein gesellschaftliche Buchhaltung ohne Zentraladministration, heute möglich ist. Es ist wirklich bemerkenswert, dass die Arbeit der Niederländer nicht im Literaturverzeichnis von C. und C. auftaucht; sie müssen sie fast gelesen haben, sie sind so oft so nahe an ihren Grundbegriffen.

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Gehen wir bei C. und C. weiter. Wir suchen dort jetzt zunächst nach dem Ort, an dem die Grundentscheidungen des gesellschaftlichen Plans getroffen werden, nämlich die Rate, in dem die Arbeitsleistung für gesellschaftliche Aufgaben verwendet wird; was, wie sie sagen, im selben Zuge natürlich die Entscheidung über die Rate der Einkommensteuer ist, C. und C. 101.

Sie stellen sich eine solche Entscheidung als ein Ergebnis eines Plebiszits vor, ebd., ebenso wie übrigens alle Gesetzgebung; vorbereitet und durchgeführt werden solche legislativen Akte regelmässig von den ausführenden Organen, für die sie eine ungewöhnliche Idee vortragen. Sie weisen, völlig im Gegensatz zur bisherigen Praxis, die Wahl als ungeeignet für den demokratischen Prozess rundweg zurück, C. und C. S. 157 ff..

Wahlen bevorzugen Kandidaten aus privilegierten Gruppen, und Wahlen produzieren ein passives Verhältnis des Wahlvolks zu den öffentlichen Angelegenheiten, weil es die allermeisten von aktiver Ausübung von Ämtern auf Dauer ausschliesst. In einer Gesellschaft von gleichen dagegen spricht nichts dagegen, diese Gleichheit dadurch zu betätigen, dass die Ämter durch Los vergeben werden; was die alte athenische Republik die Isonomie nannte, die Gleichheit der Zuteilung. Es würden übrigens für jedes Amt gleich ein Kollegium bestimmt, so dass es nicht schadet, wenn einer davon zufällig ein Trottel wäre. Es wird nicht jedesmal gleich 10 Trottel treffen.

Es lässt sich wenig dagegen sagen. Solch ein Verfahren zerstörte auf einen Schlag viel von der Oligarchie, die sich durch Wahlen in der Tat zu bilden pflegt, und tut viel dazu, die Tätigkeit der Magistrate der öffentlichen Debatte zu unterwerfen, umgekehrt die öffentliche Debatte aber an die reale Lage zurückzubinden. Aber das von C. und C. bevorzugte System produziert dann das genaue Gegenteil von dem, was sie beabsichtigen, wenn die so bestimmten Magistrate umgeben sind von einem permanenten Stab von Administratoren, die ihnen alle Kenntnis voraus haben. Und genau einen solchen permanenten Stab von erfahrenen Spezialisten setzen C. und C. aber voraus, S. 107.

Und zwar steckt der Teufel in dem dritten Feld, der sogenannten Detailplanung. Hier nehmen sich C. und C. nämlich vor, das vertrackteste aller Probleme zu lösen; dasjenige Problem, um das die ganze sonstige Literatur einen grossen Bogen macht, einschliesslich übrigens der Niederländer. Das Problem heisst: wie bekommen wir die Wünsche der Endnutzer, insbesondere Veränderungen dieser Wünsche, in das ganze System hineingefüttert? Man muss es noch auf eine andere Weise ausdrücken: der ganze Apparat der Wirtschaftsrechnung, gesellschaftlichen Buchhaltung etc. ist farbenblind, was den tatsächlichen Gebrauchswert der Güter betrifft. Diesen beurteilt abschliessend und gültig nur eine einzige Stelle, nämlich die, die das ganze dann am Ende benutzen sollen. Und das kann nicht anders sein. Ohne eine Vorrichtung, wie dieses Urteil Berücksichtigung findet, ist die ganze Gesellschaft eine Unsinnsmaschine. Unter dem heutigen System übrigens gibt es eine solche Vorrichtung auch nicht, nur ein barbarisches und verschwenderisches work-around.

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Der sogenannte Markt erfasst ja keineswegs die Bedürfnisse der Gesellschaft; sondern die einzelnen Käufer, die im besten Falle ihre Bedürfnisse selbst ja halbwegs kennen, ordnen diese Bedürfnisse selbsttätig, mit Blick auf die Tauschmittel, die sie aufwenden können; und wenn man ein Techno-Optimist wäre, würde man sagen: damit erheben sie die gesellschaftlichen Bedürfnisse, und kommunizieren sie gleichzeitig, und zwar auf fälschungssichere Weise, nämlich durch costly signalling. Sie bewähren nämlich ihre Konsumentscheidung gleich dadurch, dass sie dafür auf Äquivalent in Tauschmittel verzichten. Das erweist die Wahrheit und Gültigkeit des so ermittelten Bedarfs.

Das ist aus verschiedenen Gründen Unfug, zunächst natürlich, weil es ein Gegenüber nicht gibt, nämlich die Gesellschaft selbst als einheitliche Entität, dem so etwas mitgeteilt würde; hier wird geradesoviel Information erhoben und übermittelt als bei einem beliebigen Naturvorgang, einem Erdbeben etwa. Beschreiben kann man es vielleicht so, wenn man will. Das ganze System funktioniert auch in etwa so sinnvoll und konstruktiv wie ein Erdbeben.

Aber das heisst ja nicht, dass man sich nicht Gedanken machen kann, ob man diese hübsch optimistische Beschreibung nicht als Vorlage nimmt für eine Einrichtung der Gesellschaft, über die man so etwas wirklich sagen könnte. Vielleicht haben sich C. und C. das ja gedacht.

Woher weiss man, fragen sie S. 103, wieviel von jedem Gut man herstellen muss? Wie man weiter vorgeht, wenn man das weiss, ist nämlich nach dem vorher gesagten tatsächlich schon einsichtig. „Man nehme an, ein bestimmtes Gut erfordert 10 Arbeitsstunden in der Herstellung. Es wird dann markiert mit dem Arbeitswert von 10 Stunden“ (wieder so ein Fall, wo sie eine Idee der Niederländer aufnehmen, dass nämlich dieser Wert an jedem Produkt ausgedrückt werden müsse, GIK S. 38), aber wenn eine überhängende Nachfrage dafür entsteht, wenn es mit 10 Arbeitseinheiten bepreist ist, dann wird der Preis so angehoben, dass er die überhängende Nachfrage (annähernd) eliminiert. Man nehme an, das wäre dann bei 12 Arbeitseinheiten. Das Produkt hat dann ein Verhältnis von markträumendem Preis zu Arbeitswertpreis von 12/10, oder 1,2. … Die Planer beachten folgende Regel: erhöhe das Ziel-Output von Gütern mit einem solchen Verhältnis von über 1, und reduziere es bei solchen mit unter 1″, C. und C. S. 103.

„Der Punkt ist, dass diese Verhältnisse ein Mass abgeben für die Effektivität der gesellschaftlichen Arbeit darin, die Bedürfnisse zu befriedigen (Produktion von Gebrauchswerten, wie es Marx nennt), in den verschiednen Wirtschaftszweigen“, S. 104. Die Alternative dazu, sagen sie zu Recht, wäre Rationierung, S. 10, wobei sich natürlich ein Sekundärmarkt, d.h. Schwarzmarkt an den rationierten Gütern herstellt, wie alle Erfahrung zeigt.

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Solche Art der Marktpolitik soll nach C. unc C. eine zentrale Marktbehörde treiben, S. 106, und das zwar auch Grundlage der gesamten erfassten Güterbilanzen; denn die Veränderung des Outputs an einem Produkt beeinflusst natürlich die Kosten für die Produktion aller anderen Güter. Aber, und das ist der Hauptpunkt, eine exakte Wissenschaft ist das nicht mehr; weder ein dezentrales Netzwerk noch ein Zentralrechner nehmen diese Arbeit ab.

„Es ist zwar einfach, die Regel aufzustellen, sich in Richtung auf den markträumenden Preis zu bewegen; … aber wie hoch soll eine solche Änderung sein? Abgesehen von der wirtschaftswissenschaftlichen Fiktion des Walras’schen Auktionators ist es nicht möglich, direkt markträumende Preise für alle Verbrauchsgüter anzugeben. … Die Planer müssen mit trial and error arbeiten“, C. und C. 107.

Denn „das Problem kann nur direkt gelöst werden, wenn man Nachfragefunktionen für alle Güter in Detail kennt, einschliesslich der Spillover-Effekte, wonach Preisänderung eines Guts die Nachfrage nach anderen Gütern beeinflusst“, S. 107, d.h. wenn nicht nur das Ensemble der gesellschaftlichen Wirtschaft erfasst wird, wie durch die Input-Output-Tabelle, sondern das gleiche für die Eigenwirtschaft der einzelnen Gesellschaftsmitglieder geleistet werden kann. Geht man zu weit, wenn man annimmt, dass das Problem a priori unlösbar ist? C. und C. scheinen dem jedenfalls zuzustimmen.(5)

Wir finden also, dass auf diesem Weg doch eine Art Preispolitik getrieben wird, wenn auch nicht so, dass die Preise dauerhaft und systematisch von den Relationen abweichen sollen, sondern so, dass sie um diese herum oszillieren, um den Durchschnitt von 1. Aber die Tätigkeit, die das garantiert, ist doch eine von der unmittelbaren Produktion getrennte. Und hierin ist die Entstehung eines permanenten Apparats angelegt, der die gesellschaftliche Produktion beherrschen kann. Dem steht nur ein institutionelles Hindernis entgegen, nämlich die in der Berechnung nach Arbeitszeit liegende Grundrelation.

In demselben Masse, in dem sich die Abweichung des Preises von dieser Relation verselbständigt, verselbständigt sich auch die Herrschaft dieser Marktpolitik über die gesellschaftliche Produktion; anders ausgedrückt, im selben Masse, in dem die Arbeitszeichen Geldcharakter annehmen können, nimmt der Apparat Staatscharakter an. Und das Problem ist nun, dass ein solcher Rückfall gerade nicht ausgeschlossen ist, sondern im Gegenteil eine starke Tendenz dazu in dem ganzen System selbst besteht! Nämlich an einer Stelle, die mit dem Gebrauchswert wiederum in einem tiefen inneren Zusammenhang steht, nämlich in der Dimension, in der die Produkte nicht nur Produkte gesellschaftlicher Arbeit sind, sondern Naturstoff.

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Insofern sie Naturstoff sind, ist ihre Eigenart gerade nicht durch ihren Gehalt an gesellschaftlicher Arbeit ausgedrückt. An dieser Stelle sitzt das gesellschaftliche Problem des Bodeneigentums und der Grundrente. Können wir einfach so tun, als stünde der Naturstoff kostenlos der Gesellschaft im Ganzen zur Verfügung? Vermutlich nicht. Ich nehme ein einfaches Beispiel, und zwar der Vorliebe unserer postmodernen Kommunisten gemäss an einem Luxusgegenstand.

Nehmen wir zwei Weine, einmal Markt Nordheimer Scheunengiebel, das andere Mal einen Grand Cru. Nehmen wir der Einfachheit halber an, ihre Herstellung kostet dieselbe Arbeitszeit. Es lässt sich leicht vorstellen, dass der zweite sehr viel begehrter sein wird als der erste, und ebendeswegen auch knapper. Wenn wir beide zu demselben Preis abgeben, bilden sich schnell Zustände wie in der DDR oder in einem Apple Store: Schlangestehen, Hortung, schwunghafter Sekundärhandel zu weit höheren Preisen. Irgendein Schlaumeier, der sich frühzeitig so viele Flaschen wie möglich geholt hat, wird von anderen einen viel höheren Gegenwert abgeben lassen. Was eignet der Schlaumeier sich denn an, in ökonomischen Begriffen?

Er eignet sich Differenzialrente an. Es ist gerade durch die völlige Absehung von Bodeneigentum und Grundrente die Grundrente neu entstanden! Die Grundrente kommt nun zwar keineswegs aus geheimnisvolle Weise aus der Substanz des Bodens selbst. Sie entsteht nicht aus der direkten Ausbeutung der konkreten Arbeit auf dem Grundstück selbst, sondern aus der Aneignung von gesellschaftlicher Arbeit, unterschiedslos vermischter gesellschaftlicher Arbeit, über den Preis. In der Form kann sie tatsächlich von jedem beliebigen Schlaumeier entlang der gesamten Herstellungs- und Lieferkette angeeignet werden.

Aber die früheste Stelle, an der sie angeeignet werden kann, ist an dem Grundstück selbst, auf die eine oder andere Weise. Und ebendeswegen wird sie auch tendenziell dort angeeignet werden, auf die eine oder andere Weise, und zwar legal oder durch Betrug. Einem Gemeinwesen, das vermeiden will, auf systematischem und allgemein verbreiteten Betrug aufgebaut zu sein, wird nach Wegen suchen, wie diese Grundrente abgefangen wird, und zwar, wie wir unterstellen, nach Möglichkeit von der Gesellschaft im Ganzen, und auf transparente Weise.

Aber sind Grundrente und Bodeneigentum nicht vorsintflutliche Formen, von dem Kapitalismus längst zu einem blossen Anhängsel degradiert? Wird die industrielle Gesellschaft nicht aus ihnen herauswachsen, so dass man das ganze schadlos ignorieren könnte? Eben nicht. Je höher die Arbeitsproduktivität, desto schwerer wiegt im Verhältnis die natürliche Knappheit. Die Gesellschaft wird mit steigendem technischen Fortschritt in das Problem immer nur weiter hineinwachsen.

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„Wir wollen nicht abstreiten, dass hier ein Problem liegt“, schreiben C. und C. dazu woanders(6); die Niederländer haben zu dem Problem gar nichts. Dort tauchen die Rohstoffe in der gesellschaftlichen Rechnung bereits als Arbeitsprodukte auf, d.h. gemessen durch Arbeitszeit. C. und C. dagegen tun sich natürlich leichter, eine Bepreisung dieser Güter, oder dieses Aspekts an allen Gütern vorzunehmen.

Natürlich muss von dem Gemeinwesen für die Nutzung von Naturstoff eine Rente eingezogen werden; anders wäre es, sagen sie S. 184, sowohl ungerecht als auch ökonomisch ineffizient. Es würde geradezu darauf hinauslaufen, die natürlichen Grundlagen zur Plünderung freizugeben. Wem aber steht die Grundrente zu? Das ist natürlich eine ganz andere Frage.

„Zahlung von Rente in Arbeitszeichen konstituiert dann eine Ausnahme zu dem allgemeinen Prinzip, dass diese Zeichen nur die Produkte von Arbeit kaufen können“, S. 101: das ist das zweite Problem. Was kaufen sie aber dann? Sie fliessen der Stelle zu, der die Grundrente zusteht, und zwar unterschiedslos, wie schon gesagt, von allen Teilen der Gesellschaft, d.h. sie lasten wie ein Tribut unterschiedlich auf jedem Preis, sie verzerren und überlagern das gesellschaftliche Verhältnis. Die Preise spiegeln dann nicht mehr rein die Arbeits-Relation, sondern gemischt einerseits diese, andererseits die Last der davon unterschiednen Grundrent-Revenue. Sie sind dann prinzipiell nicht mehr anders bestimmt als die Preise in Geld, ja eigentlich verwandelt sich dadurch das Arbeitszeichengeld in wirkliches Geld.

Lässt sich das Problem lösen, indem eine transparente Aneignungsweise dieser sozialistischen Grundrente, wie wirs verwundert nennen wollen, angeben lässt? Nicht ohne weiteres. Und das hängt mit einem Gedanken zusammen, der nicht streng ökonomisch, sondern naturrechtlich oder sogar theologisch ist. Wir müssen hier auf das Naturverhältnis zu sprechen kommen.

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Marx sagt in Kapital III, und C. und C. zitieren ihn S. 186, dass nicht einmal eine Gesellschaft im Ganzen, nicht einmal alle gleichzeitig bestehenden Gesellschaften im Ganzen die Eigentümer der Erde sind. Sie sind haben an ihr nur Besitz, oder Niessbrauch. Sie schulden also, sagt er, verbesserte Rückgabe. Aber wem?

Wenn man bestimmen wollte, wem die Welt gehört, könnte man nur sagen: der Menschheit, aber in dem Sinne, dass sie alle gestorbenen und noch nicht gebornen Geschlechter einschliesst. In der Form besteht sie nie als Körperschaft, noch weniger wäre sie zu gemeinsamer Handlung fähig; wer kann also als ihr Bevollmächtigter auftreten? Niemand. Deshalb hat, nach Kant, niemand ein besseres Recht, auf einem bestimmten Stück Boden zu leben, als ein anderer. Das Bodeneigentum und die Grundrente haben keine Stütze im Naturrecht; sie sind, wie der Staat oder jede Religion usw. eine Usurpation eines Rechts, das einer unabänderlich abwesenden Entität zusteht.

Statt dass wir also gestützt auf die politische Organisation der Gesellschaft ein transparentes Verhältnis ihrer Wirtschaft hinbekämen, stellt sich auch hier wiederum heraus, dass das Mittelglied, die politisch Organisation, geradeso für die Vernunft undurchdringlich, d.h. willkürlich sein wird.

Oder aber die bestehenden Gesellschaften setzen Stellen ein, die so gut sie können die Interessen des abwesenden Geschäftsherrn wahrnehmen; so argumentieren C. und C.: „es scheint, als wäre die Lösung nicht die Nationalisierung des Bodens und der Naturstoffe ist, sondern ihre Internationalisierung“, S. 187; „die natürlichen Ressourcen sollten unter der Kontrolle der breitest möglich basierten öffentlichen Stelle stehen… Trennung von Kontrolle und Nutzen… Die Erträge in Form der Rente sollten nicht bei dieser Umwelt-Treuhandstiftung anfallen, sondern aus ihnen sollten die Kosten anderer öffentlicher Dienste getragen werden“, S. 188. Also sollten sie, vorbehaltlich der Genehmigung einer unabhängigen internationalen Stelle, dort anfallen, wo öffentliche Dienste stattfinden. Aber wo ist das denn in Wirklichkeit anders als bei den Gemeinden? Wir stossen also wiederum auf eine Rolle und eigene wirtschaftliche Substanz einer Gemeindeverfassung. Aber sie scheint in einem nicht leicht lösbaren Gegensatz zu den bisher betrachteten Prinzipien der Vergesellschaftung zu stehen.

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Auch Friedrich Engels hat in der „Wohnungsfrage“ angemerkt, aber nicht weiter ausgeführt, dass die Grundrente nicht abgeschafft werden, sondern an die Gesellschaft überwiesen werden müsse. Wie aber kommen wir auf die Gemeinde als Grösse, an dieser Stelle?

Man muss sich den Übergang einmal konkret vorstellen. Die sozialen Dienste müssen von irgendwem organisiert werden, und sie werden als erstes von der Bevölkerung der einzelnen Stadtteile organisiert werden. Zum Ausgleich liegt es nahe, dass sie die Zahlung von Miete oder Pacht an auswärtige (später auch an ansässige) Eigentümer einstellten. Aus den Mieten wird, wenn auch zum geringeren Anteil, auch die Instandhaltung bezahlt; für diese bräuchte es einen gesonderten Fond, zu dem die Nutzer des Bodens beizutragen hätten. Wenn der Prozess ohne Störung verläuft, entsteht faktisch eine Art Genossenschaft an dem Gebiet. Die Fortsetzung und Verbesserung und Verbesserung der sozialen Dienste, überhaupt aller öffentlicher Aufgaben, verschmilzt von ganz alleine genau mit derjenigen Stelle, die die Hoheit über das Bodenrecht übernommen hat, und die Grundrente wird zu einer Art originärer Gemeindesteuer.

Wer aber trägt den letztlich die Grundrente? Sie würde, noch ehe von einer Arbeitszeitrechnung o.ä. die Rede ist, über die Wohnungsmieten, die Pachten der Betriebe und die Nahrungsmittelpreise direkt auf den Markt umgelegt; sie flösse als Revenue in verschiednem Verhältnis von jedem Teil der Gesellschaft ab, und zwar ohne dass Recht durchschaubar wäre, wie und von wo. Daran würde sich auch nichts mehr grundlegend ändern.

Im Grunde hätten wir damit die öffentlichen Dienste auf denselben Fuss gesetzt, wie sie in der älteren Gesellschaft schon standen: piae causae z.B., öffentliche Sondervermögen an Boden, deren Erträge für einen bestimmten öffentliche Zwecken, den Unterhalt einer Brücke, eines Brunnens, eines Waisenhauses, eines Tempels bestimmt waren. Diese Einnahmen lagen natürlich auf dem Preis der Produkte dieses Bodens. Die pia causa ist ein Musterbeispiel dafür, wie 5.000 Jahre lang das gesellschaftliche Verhältnis bestimmt war, und was intransparente Synthesis bedeutet.

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Für die Schwierigkeit, die darin liegt, gibt es anscheinend keine gleich auf der Hand liegende Lösung. Ich würde aber trotzdem einen Zusammenhang vorschlagen wollen, in dem sie sinnvoll betrachtet werden könnte. Gehen wir noch einmal zu denjenigen Betrieben, die von den Niederländern GIK S. 62 als öffentliche Betriebe bezeichnet werden; denjenigen, deren Produkte und Dienstleistungen unentgeltlich allen Gesellschaftsmitgliedern zur Verfügung stehen. C. und C. nennen als Beispiel eines bereits bestehenden solchen Diensts den britischen National Health Service, C. und C. S. 180.

Die Niederländer ordnen hier ganz verschiedene Arten von Betrieben ein, erstens diejenigen, die auch in unserer Gesellschaft unentgeltlich produzieren; zweitens aber alle Dienstleistungen, da bei diesen das Produkt nicht in dinglicher Gestalt vorliegt, sondern mit dem Verbrauch direkt zusammenfällt. Deswegen kann die erforderliche Arbeitszeit nicht am Produkt ausgedrückt werden, und sie muss es auch nicht. Aber drittens gehören hierher auch diejenigen Betriebe, die in den kommunistischen Sektor überführt werden, S. 69, und zwar von ihrer Belegschaft, wohl mit Zustimmung des „Bezirks“, also wohl der Gemeinde.

Wenn die Bedingungen, nämlich ein genügender öffentlicher Bedarf und genügende Arbeitsproduktivität, gegeben sind, dann, so die Niederländer, würden der Reihe nach immer mehr Betriebe in öffentliche bzw. kommunistische Betriebe überführt, und dadurch ein grösserer Anteil des Gesellschaftsprodukts unentgeltlich, ein kleinerer Teil über den Arbeitslohn verteilt. In dieser Form kann der Übergang zum vollen Kommunismus geschehen. Viel genauer wird das nicht ausgeführt. C. und C. haben diesen Übergang auch nicht näher bestimmt.

Nun gibt es merkwürdige Parallelen zwischen dem Problem der kommunistischen Betriebe und dem des Grundeigentums. Beide sind, recht verstanden, an die Kommunalorganisation gebunden. Beide haben als zu ihnen Berechtigte genau verstanden eine nicht bestimmbare Menschengesamtheit bestimmt: sie stehen beide an sich unmittelbar der Allgemeinheit zu. Diese unmittelbare Allgemeinheit besteht, das ist das zentrale Problem, vor dem Übergang zum vollen Kommunismus noch nicht als reales gesellschaftliches Verhältnis. Sie ist auch in unseren Begriffen nicht vernünftig beschreibbar.

Wenn eine von den Gemeinden angeeignete Grundrente als Gegenleistung der Gesellschaft insgesamt für die ihren Mitgliedern unentgeltlich zustehenden öffentlichen Produkte verstanden werden könnte: liesse sich unser Problem mit der Grundrente dadurch vielleicht auflösen? Das Verteilungsschema der Niederländer müsste dann erweitert werden um die wirtschaftliche Tätigkeit der Gemeinden: nämlich einerseits die Überlassung von Boden und den damit verbundenen natürlichen Ressourcen in ihrem Bezirk. Diese gehen ins Verteilungsschema auf viele Arten Ein, z.B. als Kosten für Rohstoffe. Eine bestimmte Menge Arbeitsäquivalent geht dafür auf die Gemeinden über, so bemessen, dass die Aufwendungen der öffentlichen Betriebe daraus getragen werden. Übersteigt deren Bedarf die so gewonnenen Einnahmen, wird weiter wie bei den Niederländern verfahren. Die steigende Produktivität der Arbeit ist der gemeinsame Taktgeber für beides, die steigende Knappheit des Naturstoffs als hauptsächlich begrenzenden Faktors, und der Möglichkeit des Übergangs zum kommunistischen Verhältnis.

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Dieses kommunistische Verhältnis ist für uns aber eine begriffliche Leerstelle, die nicht mit einer schon bekannten und handhabbaren Grösse verwechselt werden sollte. Dieser wichtigere und schwierigere Teil des Übergangs, die wirkliche Umbildung der Gesellschaft, ist uns in logisches Dunkel gehüllt. Warum geht man denn eigentlich so leicht davon aus, dass ein solcher Übergang überhaupt zur Debatte steht?

C. und C. setzen mit ihrem Entwurf gewissermassen an einer schon bestehenden kommunistischen Weltgesellschaft an. Sie fragen gar nicht, wie die Einheit der Gesellschaft, die sie als bereits gelungen voraussetzen, zustande gekommen sein soll; sie gehen noch weit darüber hinaus, indem sie z.B. das Verhältnis zum Naturstoff von Anfang an internationalisieren. Aber ebenso ist auch der Ort, wo die Planung geschehen soll, auf einer internationalen Ebene angesiedelt, S. 130 ff.

In ihrer eigenwilligen Deutung war auch z.B. die Sowjetunion ein internationaler Staat, die einzelnen Sowjetrepubliken Teil eines innersowjetischen Welthandels, Gosplan eine internationale Planungsbehörde, ebd. Dazu wäre viel zu sagen, denn in der Tat lässt sich zeigen, dass die sowjetische Ökonomie das internationale Ausbeutungsverhältnis des Weltmarkts in der Tat ins innere der Gesellschaft verlagert hatte.

Es ist vielleicht nicht gleichgültig, folgendes zu fragen: wie soll das zustandekommen? Für C. und C. scheint es klar zu sein, dass eine politische Revolution die öffentliche Macht in einem bereits bestehenden Gesellschaftszusammenhang übernehmen muss. Aber anscheinend ohne jeden Durchgangspunkt; also ohne dass eine proletarische Bewegung zunächst in einzelnen Betrieben und einzelnen Gemeinden die Macht erringt. Das ist nicht wahrscheinlich. Es wird also das neue Gesellschaftsverhältnis andersherum, von unten herauf aufgebaut werden müssen. Das ist keine Glaubensfrage zwischen Anarchisten und Marxisten; es ist im Gegenteil eine idealistische Projektion auf der Seite derer, die sich die Marxisten nennen.

Was würde denn dann geschehen? Über die innere Struktur und Ökonomik arbeitergeführter Probleme haben wir eine kleine Untersuchung schon vorgelegt. Die Ergebnisse, zu denen man heute gelangen kann, gehen weit über die Vorstellungen des klassischen Syndikalismus hinaus. Aber ihre Beziehungen zueinander und zu dem Rest der Gesellschaft sind ein viel weitergehendes Thema. In der Form des arbeitergeführten Betriebs sind verschiedene einander gegensätzliche Tendenzen angelegt; eine, die in der Tat auf Verschwinden des Kapitalprofits und auf Lohngleichheit hinzudrängen scheint; eine gegenteilige, die man eine arbeiterkapitalistische genannt hat. Die Kraft zu einem Übergang zu einer völlig neuen Gestalt des Gesellschaftszusammenhangs wird man allerdings dort selbst nicht auffinden.

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Es gibt aber noch ein ganz anderes Bündel von Interessen. Die speziell kapitalistische Form von Ausbeutung und Herrschaft ist nicht die am tiefsten verankerte; sie ist die jüngste und sitzt älteren und tiefer greifenden Formen auf. Das Grundeigentum als ein altes und ungelöstes Problem haben wir schon betrachtet. Nicht der Sturz des Kapitalismus zieht automatisch den Sturz aller dieser älteren Formen nach sich; umgekehrt, er setzt sie voraus.

Warum sollten wir dann so tun, als wäre die Arbeiterschaft die einzige Kraft einer sozialen Revolution? Die älteste Herrschaft ist die der Männer über die Frauen, und sie ist die Grundlage aller späteren Herrschaft. Das Bodeneigentum und der Staat haben die patriarchale Familie zur geschichtlichen Voraussetzung gehabt. Und ebenso der Abgrund, der den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang abtrennt von der Eigenwirtschaft der einzelnen Gesellschaftsglieder.

Die Frauenbewegung, wo sie radikal ist, ist selbst eine proletarische Bewegung, und in allen neueren Revolutionen finden wir die Frauen als die ersten und aktivsten Elemente; ihre Zurückdrängung aus der ersten Reihe ist es, was regelmässig die Niederlage einleitet. Ein Sieg der Arbeiter ohne einen Sieg der Frauen ist nicht vorstellbar.

Die Befreiung der Frauen von der Herrschaft der Männer setzt aber viel mehr voraus als bloss den Sturz des Privateigentums an Produktionsmitteln. Die Inbesitznahme der Gemeinden und des Bodens durch die Bewohner, der Betriebe durch die Arbeiter löst das Problem nicht; sondern diese würden erst die Bühne herrichten für eine viel grössere gesellschaftliche Veränderung.

Die Niederländer sagen sehr klarsichtig, „daß in einer solchen Gesellschaft der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen nicht aufgehört hat, daß die Verteilung des gesellschaftlichen Produktionsprodukts antagonistischen Charakter trägt“, GIK S. 40. Unter den verschiedenen Tendenzen, die hier zur Auseinandersetzung können müssten, hätte die Bewegung der Frauen ein noch bedeutend grösseres Gewicht als in unserem heutigen Gesellschaftszustand. Der Feminismus formuliert nicht einen Nebenwiderspruch, sondern den Hauptwiderspruch. Über den Übergang kann nicht gesprochen werden ohne die Revolutionen des Geschlechterverhältnisses. An diesen entscheidet sich zuletzt alles.

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C. und C. haben zum Geschlechterverhältnis und der Aufhebung der patriarchalen Familie ein recht langes und verdienstvolles Kapitel, C.u.C. S. 147 ff. Viel von Verdienst an diesem Kapitel gehört, soweit ich sehe, der grossen Shulamith Firestone, von der C. und C. das beste hergenommen haben; ohne dass der Name Firestone dabei genannt wird. Ich muss es also so halten wie bei der Arbeit der Niederländer, die ebenso ungenannt verwendet worden ist, und die ursprünglichen Gedanken mit ihrer Verarbeitung vergleichen (Firestone nach F., Dialectics of Sex, New York 1971, 2. A.)

Firestone betrachtet die gesellschaftlich übergreifende Wirtschaft als einen Überbau, die Eigenwirtschaft innerhalb der Familien als ihre Grundlage, F. S. 207; das wird vielen Marxisten neu sein, aber es ist wahr. Sie führt dann konsequent das Scheitern aller bisherigen Revolution darauf zurück, dass sie diese Grundlage nicht angetastet haben: „Jede begonnene Befreiung unter dem heutigen Sozialismus muss notwendig in Unterdrückung zurückschlagen, weil die Form Familie der Ursprung aller psychologischen, ökonomischen und politischen Unterdrückung ist“, S. 212.

Alles, was bisher versucht wurde, lief hinaus auf „die Zerstörung der Familie als der letzten Zuflucht von Nähe, Trost, Individualität usw., auf das restlose Eindringen der Ökonomie des Überbaus in alle Lebensbereiche, die Rekrutierung der Frauen in eine Männerwelt, statt der Auflösung der Geschlechterklassenunterscheidung insgesamt“, S. 213. „Auf diese Weise hat es niemals volle Mitgliedschaft der Frauen und Kinder in der Gesellschaft im Ganzen gegeben“, S. 220. „Wir müssen anfangen, über Alternativen zu reden, die die … Bedürfnisse, die die Ehe, archaisch wie sie ist, immer noch erfüllt; und zwar über welche, die sie besser erfüllen“, S. 226.

Sie legt S. 226 ff. einen Vorschlag vor für einen Ersatz für die Familie. Sie nennt ihn neutral Haushalt, household, S. 231; temporäre Gemeinschaften des Zusammenlebens, die die Arbeiten, die innerhalb der Familie erledigt werden, einer grundlegenden Rationalisierung öffnen. Das ist die Voraussetzung, dass einerseits diese Tätigkeiten ihre subalterne Rolle verlieren; andererseits die Frauen aus ihrer Bindung an diese Tätigkeiten befreit werden. Die Knechtschaft der Frauen würde abgelöst werden durch eine neue genossenschaftliche und öffentliche Organisation ihrer bisherigen Arbeit; die Haushalte, von denen Firestone spricht, wären die Elementarform einer neuen Gemeindeverfassung.

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„Die Hauptaufgabe der Kommune ist die Ersetzung der Familie. … Kommunen werden nur dann funktionieren, wenn sie ihre Vorzugswürdigkeit gegenüber der bürgerlichen Familie beweisen können“, heisst des bei C. und C. S. 148. Ihre Funktionen wären „Wohnung, Speisenzubereitung, Kindererziehung, einige Freizeitaktivitäten, Hilfe für Ältere“, ebd.

S. 152 ff. untersuchen C. und C. das Verhältnis zwischen den Arbeitsstunden innerhalb solcher Kommunen und denen in der Gesamtökonomie. Es kommt etwas ähnliches wie eine Aussenhandelsbilanz heraus: wenn die Kommune mehr gesellschaftliche Arbeit importiert als exportiert, also mehr verbraucht als sie arbeitet, wird dann natürlich ihre Binnenarbeit (sozusagen) im Kurs gegen die äussere Arbeit sinken.

Auf diese Weise kann leicht zustandekommen, dass ein Bereich subalterner Arbeit sich wiederherstellt, oder erhalten bleibt. Dass C. und C. S. 151 so tun, als ob es die Landwirtschaft bereits nicht mehr gäbe, beruhigt uns nicht; und wenn, S. 156, die Kommunen Miete, d.h. Grundrente an den wahren Eigentümer zu zahlen haben, ist die Ausbeutung agrarischer und weiblicher Arbeit eigentlich in das System schon jetzt eingebaut. Im Gegenteil wird man in den Kommunen, oder den Haushalten, vielleicht diejenigen sehen müssen, denen die Grundrente originär zusteht.

C. und C. aber ketten sich an den Zentralismus, im Bodenrecht wie in der Verwaltung. Die ganze Weise der Betrachtung läuft ja darauf hinaus. Sie betrachten die Gesellschaft, die sie entwerfen, gleichsam von oben, vom dem Punkt ihrer bereits konstituierten Einheit her. Aber es ist überhaupt noch nicht klar, dass eine solche Einheit konstituiert werden kann. Wo sollen denn überhaupt die zentralen Einrichtungen, von denen alles abhängt, mit einem Mal herkommen? Es ist eine alte Intellektuellenkrankheit, letztlich ein Hegelianismus. Der theoretisierende Verstand schiebt, ganz unwillkürlich, dem Gegenstand, den er beobachtet, seine eigene Tätigkeit unter: er wendet ein abstraktes Prinzip auf einen in sich zerklüfteten Sachverhalt an. Am Ende bildet er sich ein, das abstrakte Prinzip wirke selbst in dem Sachverhalt. So kommt die Täuschung der Einheit in die Welt.

Genauso betrachten sie ja den Kapitalismus. Sie betrachten etwas als sein Prinzip, was eigentlich die Resultante eines Prozesses ist, der nie gelingen kann. Gründung und Integration der Gesellschaft sind noch nicht geschehen. Die bisherige Ideologie betrachtet diese Gesellschaft, und nimmt ihre Merkmale als die eigenen gesellschaftlichen Züge der heutigen Gesellschaft. Im Gegenteil muss man sie als die ungesellschaftlichen Züge einer anderen Gesellschaft betrachten, die noch nicht besteht. Man muss die Gesellschaft nicht als bereits konstituierte betrachten, sondern als noch unkonstituierte kommunistische; anders gesagt, man muss die Sache vom unkonstituierten Gemeinwesen her zu betrachten anfangen.

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Nocheinmal zurück zur sozialen Revolution. Sie würde unvermeidbar eine Reihe Organisationen hervorbringen, und in diesen wiederum unvermeidlich wirkende gegensätzliche Interessen. Ob aus diesem Prozess eine grundsätzlich andere Art des Gesellschaftszusammenhangs hervorgehen kann, ist nicht allgemein zu beantworten. Aber es lässt sich angeben, dass in ihm starke Interessen tätig wären, die in diese Richtung ziehen müssten.

Und ohne das wäre eine solche Integration eine vergebliche Hoffnung. Sie wird nur erreicht werden können, wenn das gewaltige Gefälle der gesellschaftlichen Eigenbewegung sie erzwingt; nicht durch eine noch so angestrengte Mobilisierung von Staatsmacht, Ideologie oder Enthusiasmus gegen dieses Gefälle.

Die Polemik von C. und C. gegen die Räteorganisation hat an dieser Stelle ihre Unwahrheit; man darf nur die Rolle der Arbeiterräte der Umsturzperioden nicht mit der Rolle verwechseln, die sie in den lokalen Gemeinwesen annehmen müssen. Die Niederländer sagen, GIK S. 52: das Rätesystem ist die notwendige institutionelle Form, in der sich die proletarische Gleichheit als organisierendes Prinzip auftritt, und zwar nicht in einem einmaligen Akt, sondern im Prozess.

C. und C. müssen sich den Gesellschaftszusammenhang über die lokalen Gemeinwesen hinaus, d.h. die Institutionen, die die Weltgesellschaft zusammenhalten, als einen Apparat vorstellen, die Niederländer können ihn als ein blosses Verhältnis behandeln; und zwar als die allgemein gesellschaftliche Buchhaltung selbst. Ihre allgemeine Geltung ist nicht durch eine zentrale Gewalt garantiert, sondern duch die Gleichheit der Gesellschaftsverfassung in allen lokalen Gemeinwesen, die auf der allgemeinen menschlichen Gleichheit gegründet ist.

Das ist sicherlich zu optimistisch. Das Verhältnis der Gemeinden der Weltgesellschaft muss noch ein weiteres Element umfassen. Die Gemeinden können ihr Recht am Boden, auf dem sie liegen, nicht ohne Einschränkung haben; sie können nur dann als Organe der Weltgesellschaft angesehen werden, wenn sie volle kommunale Rechte allen denen gewähren, die auf ihrem Gebiet sich aufhalten. Die Zuzugs- und Niederlassungsfreiheit ist das notwendige Gegenstück zum kommunalen Recht am Boden; sie ist auch die Garantie gegen jede Restauration der kapitalistischen Ausbeutungsweise.

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Das sind vielleicht Gedankenspiele, die bloss zufällig anhand dieses Buchs ausgeführt werden. Aber sie führen mich zurück zu einem wesentlichen Punkt. Man mag sie utopisch nennen. Aber das Buch, über das wir reden, ist ja selbst eine Utopie. Es ist insofern sogar noch viel utopischer im landläufigen Sinn, dass es sich nicht mit der Frage abgibt, wie der Zustand, den es beschreibt, zustandekommt.

C. und C. bleiben, auf manchmal kuriose Weise, in ihrem Leninismus gefangen; sie entwickeln ganze Strecken lang, unverbunden neben diesem her, Gedanken, die zu ihm nicht recht zu passen scheinen. Eine Weile scheint es, als ob sie ihr hauptsächliches Vertrauen in ein durchsichtiges Gesellschaftsverhältnis setzen wollten; ehe sie sich dann entschliessen, statt dessen doch einer zentralen Instanz zu vertrauen. Ihre Ideen über die Demokratie helfen ihnen bei dieser Umschaltung; unter der Hand verwandelt sich, was eine Frage der Transparenz des Gesellschaftsganzen gewesen ist, in eine Frage der Legitimität eines Staats, der dieses Ganze vermitteln soll.

Das kann nicht gutgehen. Die Organisation einer Gesellschaft, deren inneres Verhältnis intransparent wird, schliesst sich notwendig gegen die Gesellschaft ab; was wir den Staat nennen, ist auf keine andere Weise zustandegekommen. C. und C. haben das Kunststück vollbracht, diesen Zusammenhang umzudrehen: wo sie die Lust verlässt, über die Möglichkeit eines transparenten Verhältnisses nachzudenken, soll ein demokratischer Weltstaat einspringen.

Wir haben schon erwähnt, dass wir das für eine Wirkung der Intellektuellensucht halten, die Dinge vom Prinzip statt von der Erscheinung aufzufassen; das heisst von der Idee, und zwar von der eignen. Das ist das gefährliche am Utopismus, natürlich; er neigt dazu, die Gesellschaft als gelungene vorauszusetzen, noch ehe sie besteht. Der eigne historische Name dieser Figur ist Staat.

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Die Richtung dieser Überlegungen ist natürlich keineswegs die einzige mögliche. Aus den verschiedensten Richtungen der „Ultra-Linken“, von Gilles Dauve bis zum Gegenstandpunkt, hört man eine anscheinend völlig andere Idee: alle diese ökonomischen Vermittlungsbegriffe, sagen sie, sind an sich selbst kapitalistisch; die durchschnittliche gesellschaftliche Arbeitszeit nichts anderes als der Tauschwert; das ganze ein im Grunde bürgerlicher und nicht kommunistischer Gesellschaftsentwurf.

Denn, erfährt man, die Güter werden immer noch als Waren produziert, weil die Gesellschaft erst hinterher und von aussen, durch Abnahme, über die Gültigkeit ihrer Produktion entscheidet und nicht von vorneherein in einem bewussten und geplanten Akt. Die Verteilung ist immer noch dem Austausch unterworfen, statt dass die Einzelnen von der Gesellschaft ihren Lebensbedarf empfangen; und die Arbeit ist immer noch keineswegs „unmittelbar gesellschaftlich“. Das kann alles so richtig sein, wie es will (wir werden dem hier nicht auf den Grund gehen können). Aber diese Kritik wirft eine fatale Frage auf.

Wer ist denn diese Gesellschaft, die dieses wissen, bewusst entscheiden, lange voraus planen soll; der jene Arbeit direkt zugerechnet wird, und die freigebig ihre Güter den Einzelnen zuteilt? Wo sitzt sie denn, mit welcher Hand wirkt sie, mit welchem Kopf denkt sie, mit welcher Stimme spricht sie? Die Unmittelbaristen werden vermutlich nicht bald ihre ladungsfähige Anschrift herausfinden. Können wir annehmen, dass sie unter Gesellschaft hier eine Personengesamtheit verstehen? Das ist gar nicht selbstverständlich, denn meistens versteht man darunter das Verhältnis, das zwischen dieser Personengesamtheit waltet. Das Verhältnis soll sich aber, verstehe ich es richtig, gerade ändern.

Aber das Problem der Personengesamtheiten ist ja doch, dass sie gewöhnlich ersteinmal konstituiert sein müssen. In all den grad genannten Hinsichten fungiert die Gesellschaft wie eine bereits bekannte, bestehende, das heisst verfasste Grösse. Jeder weiss anscheinend, womit man es zu tun hat, wenn man Gesellschaft sagt, nur uns hats wieder mal niemand gesagt. Das wird kaum so sein. Hier passiert etwas, was wir aus 5.000 Jahren Geschichte des Staats gut kennen. Wenns so einfach wäre, dann bestünde das Problem der Gesellschaft nicht in der Gestalt, wie es offenbar wirklich besteht.

27
Ist das Buch damit abgehandelt? Nein. Dazu legt es, wie gesehen, zuviel vor. Die Auseinandersetzung mit dem Leninismus wird nicht durch Denunziation, sondern durch genaue Kritik zu führen sein. Der Leninismus ist nicht eine Mode, oder eine Schule, die irgendwann aussterben wird. Er ist eine objektive Denkform, er ist eine notwendige Intellektuellen-Religion; eine dauernde Versuchung für die Linke.

Die Organisationen, die sich seiner bedienen, sind mächtig dann, wenn die Arbeiterklasse schwach ist. Ihre Weise ist die, der Arbeiterklasse das abzunehmen, was sie in Worten ihr zusprechen: ihre historische Arbeit und ihr historisches Recht; die Kritik wird jene Arbeit und dieses Recht genauer zu untersuchen, als das bisher geschehen ist. In der nahen Auseinandersetzung wird der Materialismus erst entwickelt werden müssen.

In den nichtleninistischen Kreisen wird bisher so gut wie nicht über die hier vorgelegten Fragen geredet; das wird sich ändern müssen, oder sie geraten unter die Räder. Es gibt ja auch dort allerhand liebgewonnene Selbsttäuschungen; es ist nicht so, dass wir einem reinen Anarchismus einfach zustimmen könnten.

An dem unmittelbaren Resultat der Kritik, an dem bisschen Zustimmung unter unseren Intellektuellen ist zwar nichts gelegen; ebenso wie an dem Konsens der politischen Szenen, aus denen sie kommen. Die Intellektuellen können von sich aus nur ein leninistisches Bewusstsein entwickeln, solange sie sich als Intellektuelle statt als Lohnarbeiter begreifen, und sich als Intellektuelle statt als Lohnarbeiter organisieren.

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1 Wir werden hier gar nicht so sehr auf die Frage hinaus gehen, ob wir es mit einer sozialistischen Produktionsweise oder Aneignungsweise zu tun haben sollten; wir überlassen die Frage hier leichten Herzens den sterilen Distinktionen der Marxologen. Wir folgen Sohn-Rethel darin, dass die Form der Aneignung des gesellschaftlichen Mehrprodukts, er nennt es das Prinzip der sozialen Synthesis, über den Charakter der Gesellschaft entscheidet. Was man Produktionsweise nennt, ist gar nichts anderes. Was produziert wird, wird zur Aneigung durch die besitzende Klasse produziert. Das findet seinen Grund in der Eigenart des gesellschaftlichen Reichtums: dass er nämlich Herrschaft über gesellschaftliche Arbeit ist.

2 „Wenn ein Unternehmen monetären Verlust machte, und deshalb seine Bilanzen mit Subventionen gestützt werden mussten, spielte das keine Rolle“, C. und C. S. 5 : das trifft in der Form gar nicht zu. Das gilt für die Unternehmen einiger strategisch wichtiger Sparten, der Produktionsmittel-Industrie. Deren Verluste wurden in der Tat vom Staatsbudget getragen; aber dieses Budget stammt in der Tat aus der Umsatzsteuer und der Gewinnabführung der Konsumgüter-Industrie. Deren Produkte, als Waren produziert und als Waren abgesetzt, trugen die sogenannte sozialistische Akkumulation; und, das ist das verrückte, die bestand aus nichts anderem als die kapitalistische Akkumulation. Die marxistische Linke hat diesen blank auf der Hand liegenden Sachverhalt immer übersehen, weil sie sich für seinen Ursprung nie interessiert hat: und dieser Ursprung liegt in der Stellung des sowjetischen staatlich-industriellen Sektors zu der agrarischen Bevölkerungsmehrheit. Die marxistische Linke hat das als einen irritierenden Sonderfall und nicht als die Grundlage der sowjetischen Wirtschaft verstanden; und sie hat ohnehin keinerlei Ahnung von der kapitalistischen Ausbeutung agrarischer Arbeit, mit einer Ausnahme: Rosa Luxemburg.

3 Ich übergehe an dieser Stelle einige Einwände. Auf dem Blog Walgesang, unter http://neoprene.blogsport.de/2018/09/25/grundprinzipien-kommunistischer-produktion-und-verteilung/, findet man eine echte Premium-Diskussion über den Standpunkt der GIK. Hier wird in der schönen Tradition der neueren deutschen Arbeits-Kritik argumentiert. Mein persönliches Highlight: „Das geht ja schon gut los. Was ist denn die gesellschaftlich durchschnittliche Arbeitszeit zur Herstellung einer Ware? Das ist der Wert und der Wert soll nun zum bewussten Maßstab bei der Planung einer kommunistischen Ökonomie werden. … Schon diesen Sätzen liegt entweder ein völliges Unverständnis des Werts zugrunde oder eine Ignoranz dessen, was man als Kommunist über den Wert weiß. Ich tippe auf letzteres. Ich glaube man hat es hier mit linken Gerechtigkeitsextremisten zu tun, die alles über Bord werfen, was sie gelernt haben, um ihre Vorstellung von wahrer Gerechtigkeit zu legitimieren. (Das mal als These vorweg.)“ – Überflüssig zu erwähnen, dass die kritisierte Stelle ein indirektes Marx-Zitat war. Nun kann man Marx durchaus, wenn man will, als einen typischen linken Gerechtigkeitsfanatiker kritisieren, wenn man will. Was man aber nicht kann, ist: von der Befreiung der arbeitenden Klassen reden wollen, aber nicht von der Grundlage einer Gesellschaft, in der diese Gesellschaft möglich wäre. Und solange man nicht davon ausgeht, dass die kommentierende Klasse diese Gesellschaft auf eigene Faust gründen wird, wird man wohl damit leben müssen, dass das niemand anders überhaupt kann als die arbeitenden Klassen. Und der archimedische Punkt solcher Selbstbefreiung ist in der Tat die gesellschaftliche Arbeit. – Man wird nicht anfangen können, die Fehler dieses zitierten Einwands im Einzelnen aufzuführen. Die Erörterung würde sich sonst der dort folgenden Erörterung angleichen. Das Problem an der ganzen Art der Debatte ist die gespenstische Art, wie sie geführt wird, nämlich in einem gar nicht existierenden Gedankenreich über den Dingen; aus einer ausgedachten Draufsicht auf die Dinge. Der theoretisierende Verstand verwechselt sich selbst mit der wirkenden Grösse, die er beobachtet; während er gleichzeitig tut, als ob er zu dem, was er beobachtet, gar nicht gehört.

4 „Ohne Wirtschaftsrechnung keine Wirtschaft. Im sozialistischen Gemeinwesen kann es, da die Durchführung der Wirtschaftsrechnung unmöglich ist, überhaupt keine Wirtschaft in unserem Sinne geben… im allgemeinen könnte von rationeller Erzeugung nicht mehr gesprochen werden. Es gäbe kein Mittel, zu erkennen, was rationell ist, und so könnte die Erzeugung bewußt nicht auf Wirtschaftlichkeit eingestellt werden… Es scheint nun nahezuliegen, in analoger Weise es auch im sozialistischen Gemeinwesen mit selbständiger Verrechnung der einzelnen Produktionsgruppen zu versuchen. Doch das ist ganz und gar unmöglich. Denn jene selbständige Verrechnung der einzelnen Zweige eines und desselben Unternehmens beruht ausschließlich darauf, daß eben im Marktverkehr für alle Arten von verwendeten Gütern und Arbeiten Marktpreise gebildet werden, die zur Grundlage der Rechnung genommen werden können. Wo der freie Marktverkehr fehlt, gibt es keine Preisbildung; ohne Preisbildung gibt es keine Wirtschaftsrechnung.“, Mises, Die Wirtschaftsrechnung im sozialistischen Gemeinwesen, Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 47(1920), 86-121, 98, 104 f.; „Wohl kann die Obrigkeit Substitutionsverhältnisse für die Rechnung zugrunde legen, die sie selbst bestimmt. Aber diese Bestimmung ist willkürlich, sie ist nicht auf den subjektiven Wertschätzungen der Individuen gegründet und auf die Produktivgüter durch das Zusammenwirken aller in der Produktion und im Verkehr Tätigen übertragen wie die Preise des Marktes. Sie kann mithin nicht die Grundlage einer rationellen Wirtschaftsrechnung bilden“, Neue Beiträge zum Problem der sozialistischen Wirtschaftsrechnung, Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 51(1923), 488-500.

4a. Anmerkung eines technischen Sachverständigen: Mit ihrem „technischen Koeffizienten“, der aus einer Regression herauspurzelt, unterstellen sie allerdings sofort einen linearen Zusammenhang. Stahl_Netto = T_k * Stahl_Brutto. Computeranzahl = T_k,pc * Zwischenstahl = T_k,pc * (Stahl_Brutto – T_k*Stahl_brutto). Dann, wenn die beiden Koeffizienten bestimmt sind, kann ich den Gesamtbedarf an Stahl berechnen, und halt die in Vorprodukte eingegangene Arbeitszeit den Produkten zuschlagen.

4b. Anmerkung eines technischen Sachverständigen: Aus heutiger Perspektive erscheint diese Lösung so kolossal wie ein Bildschirmschoner, der sich bewegt, von alleine. – Der technische Sachverständige vermutet auch, dass das, was hier als von der „Mathematik“ von Leontieff-Neumann referiert wird, schon Ausbildungsinhalt gewesen ist, als Unser Herr Jesus noch Zimmermannslehrling war.

Die Linearität ist die gleiche, wie wenn wir bei Chefkoch statt 8 Portionen auf 2,5 Portionen skalieren. Das klappt für die Zutaten, aber auch für die Arbeitskraft? Was beim Kuchenbacken schon Zweifel aufwirft, könnte in der betrieblichen Praxis fraglich werden.

Und für die Voraussage von Produktion wären diese aufwendig gezimmerten Modelle recht vorsichtig zu verwenden. auch, weil ein solches Modell keine Dynamik abbilden. Es taugt, um einen Status Quo zu beschreiben und zu sagen: Wir brauchen gerade 40 gT Ressource für 20 gT Produkt. Aber was ich brauche, wenn ich in einem Stahlwerk die Produktion verdoppeln möchte, dass sollte vielleicht die Belegschaft nochmal diskutieren.

Wenn es darum geht, die durchschnittliche Arbeitszeit in Produkt A zu erfassen, um damit zu berechnen, wie viel Produkt A in Produktion B steckt, welches wiederum in Produkt C verbaut ist, dann ist das kein mathematisches Problem, sondern das Thema in der Kantine.

5 Kann man das Problem durch statistische Methoden lösen? Vermutlich nicht grundsätzlich. Soweit ich weiss, hilft die Statistik sinnvoll weiter, wenn man einen bereits gegebenen Ereignisraum hat. Hier handelt es sich darum, dass ein solcher gar nicht bestimmt ist und, wie ich behaupte, prinzipiell unbestimmbar ist. Ob statistische Methoden das Problem eingrenzen und in den meisten Fällen praktisch behandelbar machen, ist vielleicht eine andere Frage. Aber was passiert in den Fällen, wo sie versagen? Stürzt das ganze System dann ab?

6 Calculation, Complexity And Planning, 1993, nach der Fassung http://ricardo.ecn.wfu.edu/~cottrell/socialism_book/calculation_debate.pdf, 10

7 Zur Position der MG siehe ihre eigenwillige Stalin-Kritik; zur Debatte in der „Ultra-Linken François Cerruti und Gilles Dauve, Eclipse and Re-Emergence of the Communist Movement, 2015; Blanc und Tillenon, A World without Money, zuerst 1974; Gegenkritik und Diskussion hier. In der Diskussion in der Kommentarspalte darunter finden wir eine ganze Reihe von Gründen, mit denen wir uns der Länge halber hier nicht befassen können. Ist wirklich die Arbeitszeit einfach dasselbe wie der Tauschwert? Ist wirklich, wie User ocelot in eignen Publikationen nachgewiesen zu haben behauptet, des Mises Kritik der Zentralwirtschaft falsch? Ist wirklich, wie User kingzog meint, die Trennungslinie eine zwischen Technologie-Optimisten (auf der unmittelbaristischen Seite) und Technologie-Pessimisten (auf der Stundenzettler-Seite?) Und was hat es damit auf sich, dass die Anhänger der unmittelbaren Kommunisierung so leicht auf Rationierung der Güter als Lösung verfallen? Man wird das vielleicht ein andres Mal genauer ansehen.

Ein Gedanke zu “Buchbesprechung: Cottrell und Cockhott

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