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Der linksverwirrte Flügel des Antikommunismus

von Granata Patata

Vor kurzem haben wir aus maritimen Gefilden mit Seepferdchenpopulation erfahren können, dass ein Schriftsteller, FAZ-Redakteur und bekennender Kommunist namens Dietmar Dath nun künftig als ein von allen Geistern verlassener Feuilletonist mit krudem DDR-Sprech zu bezeichnen sei, weil er zum einen mit der Splitterpartei DKP fraternisiert und zum anderen einen lokalen Freiburger Radiosender als das bezeichnet hat, was er ist, nämlich linksliberal anarchistisch sponti-linksradikal. Es gäbe möglicherweise andere und bessere Gründe, das über Dath zu sagen. Oder auch anderes. Jeder kämpft ja auf dem verlorenen Posten, auf dem man nun einmal ist – so gut oder schlecht es eben geht. Und wäre man ehrlicher, wüsste man auch, dass das alles gar nicht so schlimm ist. Ebenso wie die DKP. Auch die stellt nur eine der Politsekten dar, die sich so tummeln. Gegründet 1968 von Leuten, die den Geist der Revolte zumindest so ernst nahmen, dass sie nicht nur Kinderläden, Körnerfresserei und Yogawochenende haben wollten, sondern den auf mehr oder weniger gemütlichen Wege zu erreichenden Kommunismus, gründeten sie eine Partei, die als Folge eines herrschenden Verbots und mehr noch als Folge der inzwischen sich anbahnenden friedlichen Koexistenz von Staatssozialismus und kapitalistischer Demokratie als Mangel nicht nur einen Buchstabendreher hat, sondern auch den Verzicht auf allzu offensichtliche revolutionäre Bestrebungen. Und da der 1968ff neu eintretende Lehrerhaufen andererseits mit eben der taktisch begründeten friedlichen Koexistenz gut leben konnte, kämpften und kämpfen in dieser Partei, wie in nahezu jeder anderen Politsekte auch, ein revisionistischer mit einem weniger revisionistischen Flügel, wobei es sich versteht, dass der vernünftige, also nicht revisionistische Flügel grundsätzlich in der Minderheit blieb.

Ehrlicherweise muss man auch sagen: Mehr war wohl zu der Zeit nicht drin. Die bundesdeutsche Gesellschaft erwies sich im Kern als reaktionärer als es die Ereignisse um 1967 nahelegen mochten, dass erfuhren auch die Studenten, die antiautoritären Sozialisten, die RAF, die K-Gruppen. Erst die Alternativen machten dann offensiv ihren Frieden mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und riefen zu den in den Achtzigern allseits beliebten »Schwitzhändchenketten« (Wolfgang Pohrt) für den Frieden auf, an denen sich dann auch die von Bedeutungslosigkeit bedrohte DKP beteiligte. In Zeiten der Reaktion bleibt niemand von Dummheiten verschont, auch wenn es besser wäre, man verzichtete auf sie. Wenn also Dietmar Dath, der im Grunde ein eifriger Propagandist der guten Sache auf feindlichem Gebiet ist, ein paar nette Worte zur DKP sagt, dann kann man das auch als Ermunterung auffassen, doch etwas in die Pötte zu kommen. Für all jene, denen der Kommunismus eine Menschheitsangelegenheit ist, zeigt sich auch die Notwendigkeit einer kommunistischen Partei. Wobei Partei hier nicht im Sinne einer parlamentarischen Partei verstanden sei, unter Umständen kann das aber der legalistische Flügel derselben sein. Partei ist einfach erstmal mehr als tradeunionistisches Bewusstsein und mehr als Seepferchensozialismus in einem AZ, wo man sich das Herz an der Lektüre historischer Texte notorischer Danebenlieger wie Trotzki, Bakunin und Pannekoeck wärmt.

»Wie nennt man einen Zusammenschluss, in dem alle – sowohl die Berufssoldatin wie der deklassierte Intellektuelle wie die Friseuse wie der Müllfahrer wie die Ärztin wie der arbeitslose Zahntechniker wie der selbstausbeutende Journalist – Kontakt mit den Klassenkämpfen aller anderen in dieser Aufzählung halten können und dann, wenn die nationalen und übernationalen Verabredungen und Antagonismen zwischen den verschiedenen Abteilungen des Feindes, der Ausbeuterklasse, wieder mal einen Krieg anzetteln, mit einer Idee von einer besseren Gesellschaft im Kopf diesem Krieg widerstehen? Sicher nicht Gewerkschaft, denn ganz offensichtlich passen nicht alle Genannten in dieselbe. Sicher aber auch nicht ›Bewegung‹, denn diese Menschen werden sich, ihre so unterschiedlichen konkreten Probleme – welche alle ja ein bis drei abstrakte Gesamtprobleme vermitteln – vorausgesetzt, nicht synchron und also schlagkräftig ›bewegen‹ können, wenn das nicht sehr arbeitsaufwendig koordiniert wird. Also, man nenne das, was die alle brauchen, wie man will, aber es ist doch eine kommunistische Partei, was denn sonst?« (Dietmar Dath)

Wie sollte man die gemeinsame Anstrengung aller am Kommunismus Interessierten auch sonst nennen? Das Geschwafel von der demokratischen Mehrheit, dem Dutschke in einem schwachen Moment verfallen war, obwohl er es besser wusste, hilft sicher nicht weiter. Das schützt zwar vorm Bolschewismus, aber zudem auch vor jeder anderen wirklichen Umwälzung der Verhältnisse. Die demokratische Mehrheit ist eine Illusion, von der allein die profitieren, die im Besitz der Mittel sind, diese manipulativ herzustellen. Für Kommunisten ist das keine Option. Kommunisten geht es um Wahrheit, nicht um Mehrheiten. Der Vernunft in der Weltgeschichte zum Durchbruch zu verhelfen, ist ihre Mission. Alle, die sich darum bemühen, gehören in eine Partei, ob sie wollen oder nicht. Streit gehört dabei zur Sache. Aber wer den Genossen aus den falschen Gründen an den Kragen will, um sie letztlich mit demokratischen Mehrheiten belehren zu wollen, erledigt objektiv das Geschäft unserer Feinde. Der Maßstab der Kritik ist ja, dass sie besser ist als das Kritisierte. Alles andere ist für unsere Sache unbrauchbar.

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Weltwetter Italien

„Der Vesuv könnte jederzeit und mit wenig Vorwarnung ausbrechen“ wusste die die Neue Zürcher Zeitung schon im Februar, jetzt hat sie in einigen Artikeln nachgelegt und das traditionelle Herbstdrama angekündigt. Die Wahl fiel eben auf Italien und zwar wegen der Wirtschaft, dieses menschengemachten Vesuvs. Es drohe nämlich schlimmeres als selbst noch Trump oder die drückenden Flüchtlinge, denn „so gefährlich der amerikanisch-chinesische Handelsstreit ist und so stark der Migrationsdruck auf Europa lastet, die größte unmittelbare Gefahr für wirtschaftliche Verwerfungen lauert derzeit in Italien.“ Dort hat man bekanntlich jüngst die Partei eines Clowns gewählt und dazu eine irgendwie post- oder präfaschistische Partei, die sich vom norditalienischen Separatismus emanzipiert hat und nun in ganz Italien präsent ist. Beide Parteien versuchen sich jetzt zusammen in der Regierung Italiens und so „schlägt die Stunde der Populisten“ respektive „Europa droht ein heißer Herbst“. Angekündigt sind von Seiten der italienischen Regierung etwa eine „Flat Tax von 15 Prozent“, das „bedingungslose Grundeinkommen von monatlich 780 Euro“ sowie die Senkung des Rentenalters oder anders ausgedrückt, „die beiden populistischen Bewegungen haben den Wählern das Blaue vom Himmel versprochen“. Dieses ganze Land ist schon stark verschuldet und statt sich weiter zu verschulden müsste eher mal wer kommen und das Land fit machen, so richtig aufräumen. Es sei, weiß die Zeitung, schon „seit einer gefühlten Ewigkeit klar, dass Italien radikale wirtschaftspolitische und institutionelle Reformen braucht. Das Land ist zu wenig produktiv, wächst kaum, wird von einer undurchdringlichen Bürokratie gelähmt, muss mit einem schwerfälligen Rechtssystem fertigwerden und schiebt einen riesigen Schuldenberg vor sich her. Das Problem ist, dass kein Politiker es wagt, dies den Italienern zu erklären.“ Statt dessen nun der reinste Schlendrian! Armes Kapital. Weiterlesen

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Weltwetterkommentar zu Justus Wertmüller: „Wer soll Syrien regieren? Niemand! – Gegen die deutsche Begeisterung für den Endsieg des ’syrischen Volkes'“ (Bahamas 74/2016)

Die ehemaligen Antideutschen können einem wahrlich leidtun. Indem sie aufhörten, Kommunisten zu sein, findet sich in ihren Reihen einfach die Konfusion der übrigen Parteien wieder und man kann sich, egal bei welcher Frage, eine beliebige Antwort aussuchen und man wird jemanden aus dem Spektrum der postantideutschen Linken finden, der diese Antwort bevorzugt. Man denke nur an die amerikanische Wahl oder die Fragen rund um die ganzen Flüchtlinge oder auch nur an die AfD oder den weit entfernten syrischen Bürgerkrieg. Justus Wertmüller hat in der aktuellen Bahamas einen Essai über letzteren geschrieben und er soll Anlass zu einigen Kommentaren sein, die mir notwendig erscheinen. Ich bedanke mich bei der AG No Tears For Krauts, dass sie mir dafür ihren Thier-Fakeblog zur Verfügung stellen. Sie schrieben, er sei gut geeignet, „interne Schlammschlachten zu führen, die ansonsten keinen interessieren“.

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Weltwetter Britannien

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Eine weitere spektakuläre Krise sucht unseren alten Kontinent heim, eine Volksabstimmung in Großbritannien hat sich nicht an den Fahrplan gehalten und eine knappe Mehrheit für den Austritt dieses Mutterlandes der EU gestimmt. Und das gegen jede Vernunft!: „Das Volk gegen die Wirtschaftsexperten. Das ökonomische Risiko taugte nicht zur Abschreckung.“ Dumm gelaufen, jetzt droht die Apokalypse: „Chaos an den Börsen“ Weiterlesen

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Eine Torte für die Menschheit

torte

Sahra Wagenknecht ist nachweislich ein Roboter. Ursprünglich von Peter Hacks programmiert, um eine neue Rosa Luxemburg zu geben, gab es dann allerdings einige Fehlfunktionen und so ist sie nun mit Lafontaine im Bett. Jetzt hat sie eine Torte ins Gesicht geschmissen bekommen und sah für einen Augenblick etwas menschlicher aus. Sofort wurde sie von allen Blicken abgeschirmt und herausgeführt. 3 Stunden später haben einige Techniker den Roboter wieder in Schuß gebracht, gezupft, drapiert und mit feiner Farbe bestrichen: „Ich bin wieder da“, stets „engagiert“ und „aktiv“. Immer noch derselben Stock im Arsch.

Die Parteispitze stellt sich darauf hinter die rote Sahra. Eine Parteichefin blökt etwas von „Angriff auf uns alle“ und irgend ein grauer Parteichef hat ausnahmsweise mal etwas recht:

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Rondo Alla Francese – Frühjahrsunruhen, 2016

Das interessanteste an den diesjährigen Frühjahrsunruhen in Frankreich ist wie immer die Randale. Nicht weil Randale besonders genial wäre, aber es hält die Leute immerhin von der Politik ab. Anders etwa als die elende Nuit Debout. Und schön aussehen tuts auch. Alles weitere in diesem Video:

Und ein schriftlicher Krawallbericht einer der schönsten Ausschreitungen: Paris ist zauberhaft

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Weltwetter in Syrien. Oder: Was macht eigentlich der Thomas von der Osten-Sacken?

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Inzwischen ist es ja schon einige Jahre her, dass Teile der sogenannten Antideutschen Linken mit viel Krach und Tamtam begannen, bürgerliche Politik zu propagieren. Wo utopischer Kommunismus war, da sollte Demokratie, Liberalismus oder Konservatismus sein. Die Freunde der offenen Gesellschaft waren damals ein besonders schriller Ausdruck dieses mit den Attentaten vom 11.9.2001 einsetzenden Schwenks, Stop the Bomb später ein besonders seriöser. Vorangetrieben wurde diese Entwicklung allerdings von der Zeitschrift Bahamas. Einer der Leute, die von dieser Zeitschrift plötzlich als Experten über den Irakkrieg präsentiert wurden, war der zuvor schon in der Jungle World aufgefallene Thomas von der Osten-Sacken, der damals ein wenig über die blühenden Landschaften eines demokratischen Iraks labern durfte. Das war alles relativ lächerlich und die Bahamas hat einige Jahre später sogar wieder ihre Position geändert und will nichts mehr mit diesen Neuliberalen, Neudemokraten und Neukonservativen zu tun haben. Von der Osten-Sacken aber macht immer noch Politik. Und Politik, das ist Propaganda. Er betreibt u.a. einen Blog für die stets lahme Jungle World. Und da agitiert er gerade unter anderem gegen den russischen Militärangriff auf Syrien. Weiterlesen