Kongress Nov. 2013

Ein und dasselbe in 3+1 Variationen:

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– Kein Beitrag 1 –

Kritische Theorie Kongress 2013 – ein begeistertes
Publikum entgegnet Applaus?

Hallo Leute, wir sind zurück aus Berlin. Es war toll, am besten hat uns der zwar seltene aber frenetische Applaus gefallen. Uns ist aufgefallen, dass uns allen am meisten daran gelegen war, nicht nur in der eigenen Stube zu hocken, sondern mal raus zu kommen, unter die Leute – ein bisschen Bewegung an der frischen Luft tut gut. Und so gaben wir dann auch den meisten Applaus für den Wunsch nach einem neuen Institut für Psychoanalyse und außerdem wollen wir weniger Adorno lesen, sondern lieber eigene Sachen machen. Sehr gut. Nach reiflicher Überlegung kam uns dann die Idee, dass man darauf ja mal etwas näher eingehen könnte.

Also haben wir uns im Anschluss an den Kongress hingesetzt und für weiterführende Studien etliche Vorschläge ausgearbeitet, die hier leider nur im ganzen Umfang ihrer Komplexität einigermaßen verständlich dokumentiert werden konnten. Im Großen und Ganzen sieht das so aus: Wir schlagen vor, es sollen mehr Institute gegründet werden um weniger Sachen wie Adorno zu lesen.

Wir haben am Ende zwei Listen angehangen, wer möchte kann sich da schon mal eintragen.

Falls es dazu Fragen geben sollte, kann man sich auch gerne bei uns melden, wir müssen dann eben versuchen eine Lösung zu finden. Für Anmerkungen sind wir dankbar.

Wunschliste für Institute
Institut für Psychoanalyse – Helmut Dahmer
Institut für eigene Stuben –
Institut für Bewegung –
reiflich überlegendes Institut –
Institut für Anschlüsse an den Kongress –
Institut für Studien weiterführendes –
Institut für Vorschläge –
Institut für ganze Komplexität –
Institut für Fragen –
Institut für zu findende Lösungen –
Institut für Anmerkungen –
Institut für Wunschlisten für Institute –

Weitere Autoren auf die zu lesen man darin lieber verzichten sollte
Th. W. Adorno – Karina Korecky
Th. W. Adorno –
Th. W. Adorno –
Th. W. Adorno –
Th. W. Adorno –
Th. W. Adorno –
Th. Y. Adorno –
Th. W. Adorno –
Th. W. Adorno –
Th. W. Adorno –
Th. W. Adorno –
Th. W. Adorno –

Nichts zu denken.

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– Kein Beitrag 2 –

An die Do-it-yourself-Intellektuellenbewegung

I.
„Es ist ihnen peinlicher, bei einem falschen Marx-Zitat ertappt zu werden als bei einer Lüge, wenn von ihrer Praxis die Rede ist. Sie fürchten sich vor dem Vorwurf der revolutionären Ungeduld mehr als vor ihrer Korrumpierung in bürgerlichen Berufen, mit Lukács langfristig zu promovieren, ist ihnen wichtig, sich von Blanqui kurzfristig agitieren zu lassen, ist ihnen suspekt … Praxislos ist die Lektüre des ‚Kapital‘ nichts als bürgerliches Studium.“ Die Armseligkeit der kritischen Intellektuellen ist inzwischen hinlänglich bekannt: Sie sind unpraktisch. Niemals haben sich Intellektuelle in großer Zahl der kommunistischen Revolution verschrieben, sie haben immer nur so getan als ob. Und auch das nur in kurzen Perioden. Heute ruft man unter kritischen Intellektuellen gerne: „Die Praxis ist verstellt!“ Diese Ausrede ist von Angst diktiert, so souverän sie auch inzwischen in einigen Kreisen gehandhabt wird. Und sie mag sehr wahr sein. Aber leider ist die Praxislosigkeit auch verstellt und wer dieses Problem selbstzufrieden ignoriert, leidet an Gedächtnisschwund.

So nahm die gegenwärtige kritische Intellektuellenbewegung ihren Ursprung in den frühen und mittleren 60ern, als die Lesekreise unter Studenten in Mode kamen. Aber gesellschaftlich relevant wurde die Sache erst, als auch praktische Funken geschlagen wurden und selbst noch Böckelmann, der den Aktivismus schon Ende 65 kritisierte, als er in den Kinderschuhen steckte, wird heute nur gelesen, weil dann ab April 68 einige Steine und Molotows geflogen sind. Natürlich haben die Philister die Nase gerümpft, als einige Revolutionäre auftauchten und den Laden übernahmen. „Wir haben versucht, die aufkommenden neuen Leute, zu bekämpfen, den das Auftauchen dieser Antiautoritäten bedeutete für uns die Auflösung des SDS. Wir saßen oft zusammen und haben wie die Verrückten Tag und Nacht darüber nachgedacht, wie zu verhindern wäre, was wir nicht verhindern konnten. (…) Der SDS wurde durch die Gruppe um Rudi Dutschke umfunktioniert, die ihn als Material benutzten, um die breitere Studentenbewegung und die APO zu formieren.“ (Frigga Haug) Aber erst seither gibt es die Intellektuellen wirklich, nämlich als Gegensatz zu den Praktikern. Man kann über Pseudopraxis reden wie man mag, aber für Pseudotheorie war sie immer die Voraussetzung.

So ist auch die jüngere Entwicklung ohne die Pseudopraxis nicht zu verstehen. Es gab ja die Autonome Antifa, die AA/BO, die schwarzen Demonstrationen, die Straßenschlachten wie am 1. Mai 1998 in Leipzig etc. Gegen Ende der Neunziger war es dann insbesondere der Bahamas-Fraktion der Intellektuellenbewegung (1) recht klar, dass man sich nicht mit (Selbst-)Aufklärung zufriedengeben kann, da gerade ein Teil der praktischen Bewegung damit begann, lieber in der Theorie sein Glück zu suchen. Und so gab es damals einige niemals öffentlich reflektierter Versuche des politischen Engagements dieses bislang doch eher denkenden Zirkels. Diese Bemühungen waren im Grunde ein vollständiger Fehlschlag und die Bahamas hat damit auch schnell wieder aufgehört, aber die Intellektuellenbewegung hat dadurch einen gewissen Auftrieb bekommen. Man muß sich das wirklich klar machen: Größere Teile der Hardcore-Szene des Ruhrgebiets lasen und diskutierten damals plötzlich Marx und Adorno. Und lange nicht alles waren Studenten. In dieser neueren Tradition steht selbst der Kritische Theorie Kongress in Berlin mit seinen 600-800 Schafen im Publikum.

II.
So sehr die Oberflächlichkeit und der enorme Grad der Verdinglichung der gegenwärtigen kritischen Theorie der fehlenden Praxis geschuldet ist und so sehr einige praktische Bemühungen vielleicht dem Denken gut tun würden, die Theorie als Theorie muß sich doch zunächst vor allem theoretisch helfen und die Praxis muß eher getrennt laufen. Die Kritik muß beginnen ihre Form als Theorie zu reflektieren, insbesondere muß sie lernen, mit all den falschen Entgegensetzungen aufzuhören. Es gibt Gegensätze, das ist klar. Aber diese sind in der kapitalistischen Welt gesetzt, die selbst in Antinomien zerfetzt ist, und können nur praktisch aufgelöst werden, durch Umwälzung der Verhältnisse. Die meisten Zankereien zwischen Intellektuellen gehen dagegen darauf zurück, das die Widersprüche der Sache selbst sich auf falsche Weise als Widersprüche zwischen Individuen und Gruppen darstellen und dergestalt viel Verdruß schaffen.

Nur ein Beispiel. Es gab einen Streit zwischen der Wiener und der Berliner Sektion der Kernantideutschen, der dadurch angestoßen wurde, dass einige Leute aus Wien Sartre aus der Mottenkiste holten und denselben gegen Adorno hielten. Engagement versus Kritik. Clemens Nachtmann nun, der für die Berliner Fraktion schrieb, versuchte im wesentlichen, den Streit als „Schmäh“ darzustellen, als „lächerlich“, als „mühevoll inszenierte Zerwürfnis“ und sogar als „umso lächerlicher“ etc. Das ist zwar wahr und mir fällt lächerlich auch immer als erstes ein, wenn ich in den Spiegel gucke, aber er geht doch keine Sekunde darauf ein, warum diese lächerlichen Individuen jahrelang ganz gut nebeneinander existierten, kein Widerspruch zwischen ihnen je offen ausgetragen wurde, während sie doch ganz gut darin waren, alle anderen Fraktionen scharf zu kritisieren. Diese Friedhofsruhe wird dann von Nachtmann auch noch verlängert, indem er den Konflikt für nicht existent erklärt, außer das die Wiener „ihn andauernd herbeireden und -schreiben müssen.“ Soweit so gut. Selbstreflexion war nie eine Stärke der Bahamas und Nachtmann ist diesem Haufen zu sehr verbunden, als dass er sich trauen könnte öffentlich diese Selbstreflexion zu beginnen.

Um was geht es? Soweit das von außen überhaupt verständlich ist, geht es auch dort um Theorie vs. Praxis. Die Wiener verteidigen die Freiheit des Subjekts und wollen ein gesellschaftliches Engagement. Die Berliner halten das für pathetischen Kitsch. Denselben Streit teilweise mit denselben Akteuren aber unterschiedlichen Positionen existierte schon, als die Bahamas vor Jahren die Szene aufmischte, indem sie die pseudopraktische Trommel rührte, Kongresse abhielt, Kampagne organisierte. „Es geht um Israel!“, „Sag nein zu Assad!“, „Waffen für Israel!“, „Krieg dem Baath-Regime!“. Das neuerliche Plädoyer für Engagement ist keine Erfindung irgendwelcher Brauseköpfe aus Wien oder von Stop the Bomb. Das war eher Justus Wertmüller. Die Bahamas hielt damals noch dem Pseudoengagement die Stange, das ihr eine gewisse Popularität sicherte, als auf 30 Bahamasgegner damals auch ein Anhänger kam und ihre Pseudotheorie dadurch bekannter wurde. Jetzt aber ist die Bahamas wieder gegen das Engagement. Es dreht sich halt manchmal der Wind. Also Nachtmann heute: „Überhaupt kann man sich nur wundern über die in Wien verbreitete Instinktlosigkeit, in Zeiten wie diesen ausgerechnet auf Begriffe wie Engagement und Subjekt zu setzen – als wäre das derzeitige Problem eine gesellschaftliche Lethargie und nicht vielmehr, wie doch auch die Wiener Autoren nur zu gut wissen, das gesellschaftlich und politisch geförderte Dauerengagement, als wäre das größte Problem nicht ein zur objektiven Weltanschauung aufgeblähter, enthemmter Subjektivismus“. Da haben wir einer dieser seltsamen Entgegensetzung, die jeden vernünftigen Gedanken tilgt: Als ob das Dauerengagement überhaupt jenseits der Kampagnenfuzzis von Interventionistische Linke bis Stop the Bomb überhaupt die Herzen tief ergreifen könnte. Selbst die gelegentlichen Massenmobilisierungen flauen dann ja auch schnell wieder ab, wie etwa die große von Kanzler Schröder angeführte deutsche Friedensbewegungsattrappe gegen den abschließenden Feldzug im 13-Jährigen Krieg der USA gegen den Irak 2003. Oder die Bewegung der Rentner gegen das neue Gebäude in Stuttgart. Das waren genauso Eintagsfliegen wie die von den Deutschen bestaunten internationalen Bewegungen vom Tahrirplatz über Occupy bis zum jüngsten Krawall in der Türkei. Und wer denkt heute noch an die Bewegung gegen Hundebesitzer, gegen Mugabe oder an die Definitionsmachtkampagne gegen die AAB oder was so an Engagement im Fadenkreuz der Kritik der Bahamas stand. Also von Hemmungslosigkeit zu reden ist eher Projektion. So Ausschweifend ist das alles schon nicht. Die passende Ergänzung zu derlei Kurzlebigkeit des Engagements ist dann bekanntlich die gesellschaftliche Lethargie. Ein Blick in die U-Bahn oder die Fußgängerzone genügt, damit man die soziale Lethargie als einen mächtigen Gegner der Aufklärung zu–streichen erkennt. (Das sind Sachen die doch auch der Grazer Autor nur zu gut weiß.)

Ein grundlegendes Prinzip der modernen Logik besteht schließlich darin, daß zwei ausschließende Aspekte im Spätkapitalismus grundsätzlich unmittelbar zusammenfallen und also Lethargie, Apathie immer die Zwillinge des Aktivismus sind und sicher nichts was man gegeneinander ausspielen könnte. Man kann auf diese Weise alle immanenten Widersprüche gegeneinander setzen und etwa Individualität gegen das Kollektiv ausspielen, aber es gibt keine Individualität die von der Kollektivität getrennt ist. Diese ist so gut oder schlecht wie jene. Das Auseinanderfallen von Individuum und Gesellschaft, bzw. von Individualität und Kollektivität wird gesellschaftlich durch die Trennung der Produzenten von ihrem Produkt erzeugt. Die müssen die Produkte die sie hergestellt haben, zurückkaufen und dafür in Arbeitskollektiven nach äußerlichen Regeln arbeiten. Das Individuum erscheint dadurch im Kollektiv unfrei und nur als Individuum frei. Aber umgekehrt ist es als Individuum auch frei von aller Potenz und zur Ohnmacht verdammt, während man sich zusammen tun muß, um etwas zu erreichen. Daraus resultiert auch der Widerspruch von passiver, lethargischer Hinnahme aller Unverschämtheiten und Verbrechen einerseits und andererseits dem korrespondierenden Pseudoengagement gegen einige Unverschämtheiten und Verbrechen und selten die schlimmsten, wenn sich das Pseudoengagement nicht sogar gegen etwas richtet, das egal oder sogar die bessere Alternative im Schlechten ist.

Es sollte klar sein, dass man sich nicht einig werden kann, wenn man eine Seite dieses falschen Widerspruchs einnimmt und auf die andere haut/setzt. Aber diese Krankheit ist allgegenwärtig.

Franz Hahn

(1) Die Intellektuellenbewegung zerfiel in den Neunzigern grob in die drei Hauptkirchen Gegenstandpunkt (positivistischer Rationalismus), Bahamas (K/kritische Theorie) und Krisis (modernisierter klassischer Marxismus) .Daneben gab es als Vorläufer der DIY-Intellektuellenbewegung, die legendären Jungen Linken mit ihren ausschweifigen/ausschweifenden Seminaren und Diskussionen. Im unterschied zu den Kirchen gab es dort weder Fraktionsverbot noch Fraktionszwang und dadurch jede Fraktion bis hin zum seichten Reformismus.

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– Kein Beitrag 3 –

Recht allgemein zur Frage, ob und wie die Menschen sich zum Disputieren treffen sollen (durchaus in Anbetracht der Dürftigkeit der Zeit).

Die Welt mit Worten zu ergreifen, ist recht eitel Tun – sie schlägt doch immer hart zurück mit Taten. Stattdessen ihr mit Händen beizukommen, bedeutet nur den Schmerz vergrößern, den eignen und den fremden. Nun fragt sich, indem die Zeit auf Erden mal gegeben, was fanget man mit ihr so an. Solch Frage stellte sich schon viel Geschlechtern, und in den Geschlechtern immer ganz verschieden doch, ob Du nun Bauer, Landsknecht oder Edler bist, auch wenn am Ende, das doch kommt, alles recht eitel uns erscheint. Nun gab’s immer schon, und gibt’s auch heut‘, recht zahlreich junge Leut‘, die durch Gunst des Schicksals viel Muse haben, all dies gebührlich zu bedenken. Kein Wunder ist’s, das in Sicht auf die doch recht unbeholfene Art, wie die Menschen ihr Geschick eben nicht gemeinsam sondern antagonisierend eingerichtet haben, dies Jugend ganz von selbst zur Skeptisiererei und zum Widersinn gar neigt. Dies scheint uns ganz vernünftig und beinah wohlgeordnet in all der Konfusion. Jedoch, der Muse ist da wohl genug, doch wird auch mitgebracht all der Ballast und all das Schlepptau, mit dem sich auch die sonst Mühseligen und Beladenen plagen müssen. Dies liegt daran, daß die Erde ein runder Ball ohne Ausgang ist. So kömmt’s, daß zwar der Wille je einzeln stark zum Widersprechen drängt, gar auch mit der Idee, es möge alles sich zum Bessern wenden lassen, hingegen, geraten die ja schon von – manches Mal auch müdem – Eifer Ergriffenen aneinander, sich doch ein Widerstreit ergibt, der fatal sich mehr in eitel Begriffefechterei oder, gar noch schlimmer, in müßiges Nebeneinanderdozieren unbedingt ausarten mag. Den Teilhabenden bekömmt dies, wie bekannt, nur ungut. Müde gehen sie aus dem Disput heraus, mehr Rat suchend als zuvor, wenn sie es sich nur wohl eingestehen. Und doch, der Zweifel ob des eignen Tuns vergeht mählich, der Trieb zum individualen Spintisieren verlangt aufs Neue mit stumpfer Macht sein Recht. So dreht in immer neuer Runde wohlfeil das Rad der hitzig Worteklingelei sich immer weiter. Das Elend, das verschiedentlich beklagt, bleibt stur bestehen.

Wenig hilft das Klagen, wenn all dies wie ein Schicksalsrade sich bewegt. Doch möchte es angeraten sein, will man der Misere, deren Verlauf ganz an diese modernen Automaten uns erinnert, Abhilf tun, zu schauen, ob nicht doch ein Spielraum hie und da verbleiben mag, an dem das Continuum sich unterbrechen oder besser der Wille, der, wie leise angedeutet, doch ein rechter ist, in eine Richtung, die doch anders sei, sich bewegen ließe. Nun, sintemal wir nicht dem Wunschdenken anheimfallen wollen, versuchen wir, von den Realien auszugehen, die in unserem Falle unter vielen anderen Dingen aus der Erschöpfung bestehen, die am Ende alle jene plagt, die sich der Schlacht der Worte hingegeben. Dies kann bei einem nur mental, beim anderen gar physisch noch geschehen. Jedenfalls ist’s weithin anerkannt, daß – anders als ein Ausflug in die freie Luft der Berge oder ein Bad im warmen Meer – das kurrente Konferieren nicht den Lebensmut erhöht. Achtet man auf die aus dem Reiche der Naturerfahrung gewählten Beispiele, läßt sich schon erahnen, auf was wir nun hinauswollen: Ein Mangel, den zu beheben wir glücklich wären, besteht im Umgang der Menschen untereinander als Abstrakta, oder, weniger philosophierend ausgedrückt, als einander Fremde, Ferne, Unerreichbare. Es mag, im Umgang mit sich selbst, allein in seinem Geiste, erst einmal genügen, daß jemand sich bemüht, die Verwirrung, welche die Welt ihm bereitet, wenigstens irgend in Worte zu fassen. Allein, es ist doch ein ganz anderes Ding, trifft er auf ein Mitgeschöpf, dem’s wohl nicht anders geht und der in eigenen Begrifflichkeiten sich müht, Verstand zu fassen von dem, was alldieweil er so erfährt. So scheint’s uns nun, daß – ein schwierig Wort, gerade hier – Bescheidenheit sich anempfiehlt, wenn, mit dem Intent, es möge sich was bessern, wenigstens die benannte Verwirrung ein wenig aufzulösen, man in Verbindung tritt mit einem Gegenüber. Er wird wohl kaum alles das verstehen, was wir zu sagen haben. Und wir werden auf unserer Seite rätseln müssen, worauf er denn hinaus wolle. So sei denn Befremdung als erste Haltung geraten, um möglichst eben dieser beizukommen. Das nächste, von dem wir meinen, es würde hilfreich sein im Bemühen des Menschgetiers um andere Umständ‘, die allen besser oder gar wohl bekommen, ist die Geduld. Im Blicke auf uns selbst erkennen wir das Unbeholfene unseres Tuns und Denkens. Wohl wird’s dem Anderen nicht anders gehen – ist er doch Teil desselben Wesens. Ein Drittes nun ist die Aufmerksamkeit. Es ist ganz richtig in aller Regel, die Worte eines andern kritisch zu betrachten. Falsch werden sie doch weithin sein, sind’s ja auch die eignen. Doch kann, egal, welch irren Glauben er verfolgt, er doch nicht ganz ohn‘ Wahrheit sprechen, ist er doch nunmal in der Welt wie wir. Und dies – zuletzt – sei in Konsequenz nun auch zuletzt gesagt: Die eignen Worte, trotz allem aufrichtig Bemühen und trotz allem Anstand, mit dem wir in Hinblick auf uns selbst nach rechtem Ausdruck streben, ist’s besser immer auch als Worte eines Irren, eines Verirrten zu betrachten. In Acht auf diese Konditionen mag es sein, daß disputierende Zusammenkünfte von wohlgesinnten Menschen beachtliche Ergebnisse zu Tage bringen.

Bernd Volkert

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– Kein Beitrag 4 –

Eine Erinnerung an die Langeweile – Die AXT zum „Kritische Theorie-Kongreß“

Unser Highlight: die Podiumsdiskussion zwischen Roger Behrens, Oliver Pocher, Katrin Göring-Eckardt und irgend so ’nem Studenten über „Die Performance einer Irrfahrt als Subjekt des Widerstandes, der Integration und feinen Kunstinstallationen oder so“ – das hat fett gerockt, Alta!

Unser persönlicher Tiefpunkt: als hunderte Theoretiker-Student_innen (ihr Style ist geschmacklos wie ihre Gedanken) unsere Stammschankwirtschaft verstopften; aber da die meisten & nervigsten von ihnen um 1 schon wieder ins Bett gingen, konnte man danach mit ein paar angereisten Genossen beim Biertrinken endlich sitzen. / Fazit: Adorno was not amused.

Die AXT – Organ der sozialen Zersetzung: http://www.mentalerandale.wordpress.com.

Nicht, dass es uns interessierte...

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