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‚Cause I am a champion, and you’re gonna hear me roar

Good news: Man hat diese Lügenfresse, Alex Jones von Infowars.com, von Facebook u.Ä. gekickt, zumindest vorübergehend. Ist vielleicht tatsächlich nicht so schlimm, er kann natürlich vor’s Gericht ziehen und noch monatelang die nötige Aufmerksamkeit für seinen Narzissmus und Übermachtphantasien bekommen. Er kann sich mit seinem Publikum auf Diaspora oder friendica umgruppieren, er hätte heute schon eine große Fangemeinde auf nicht kommerziellen opensource social media. Make non-corporate social media great again, ugh? Oder vielleicht doch auf der russischen Plattform Vk.com weiter machen? Da liest zwar der FSB immer mit, aber das sind ja die Guten.

Bad news: Es ist nicht der viel gelobte „Leviathan“ gewesen, der Jones in die mediale Wüste geschickt hatte; es ist nicht einmal jemand vorbei gekommen und ihm seine widerlichen Verschwörungstheorien zurück in sein Rachen gestopft hat; es ist halt Facebook mit seiner willkürlichen Zensurpolitik, die sich bekanntlich immer nach dem Wind der communis opinio dreht und bis jetzt nie durch eine besondere Vernunftigkeit aufgefallen ist. D.h. morgen auch du und ich, für „hate speech“ oder Satire, spielt keine Rolle.

Zu all diesem Müll übrigens gibt es dezentrale, nicht kommerzielle, gut funktionierende Alternativen, selbst zu Twitter. Und sie werden in der nächsten Zeit sehr von Nutzen sein.

Eine Frage nur: Warum aber teilt Alexander Dugin auf FB ausgerechnet dieses, ein Jahr altes Video, über welches man eigentlich nur noch lachen könnte, würde es einem dann doch nicht ein bisschen gruseln?

spf

P.S. Sorry, Katy Perry, no pun intended.

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„…wer uns verstehen will, muss sich erst bemühen…“

…den Boden aufzufinden, auf dem wir stehen“. (Gustav Landauer)

leadImage_leadimageSchon witzig: alle paar Jahre beschäftigt man sich mit dem Anarchismus, findet durchaus lobende Worte dafür und stellt abschließend fest, das ist so etwas für die ruralen Gesellschaften der sog. Dritten Welt und passt zu Deutschland nicht so recht. (Wollte übrigens auch früher nicht zu Deutschland passen, just sayin‘.) So etwa ila 2012, ph(r)ase2 2015 und nun – befasst sich iz3w in „Tschüss, die Herrschaften“ mit dem weltweiten Anarchismus. Erfreulich ist es, keine Widerrede. Wer schafft nun als Erster in zwei-drei Jahren die nächste Ausgabe zu diesem Schwerpunkt? Die Blätter für deutsche und internationale Politik oder das Grosse Thier? Wir werden es erfahren, wenn es soweit ist.

Die Juli/August-Ausgabe von iz3w hat spannende Beiträge zu bieten: zu Indien, zu Phillipinen, zu Bolivien, zu „Black Anarchism“ und zur neu gegründeten syndikalistischen Internationale (höhö!). Unter anderem haben auch werte GenossInnen von der Anarchistischen Gruppe Freiburg werte GenossInnen von Anarchist Black Cross Belarus interviewt, was uns wiederum zusätzlich freut.

„…eine Diktatur manifestiert sich in dem Versuch, jeden Aspekt deines Lebens zu kontrollieren. Deine Wünsche gehören nicht dir, es wird vielmehr von oben herab entschieden, was du zu wollen hast. Sie manifestiert sich in dem Druck auf Angestellte des öffentlichen Dienstes, die Staatszeitungen zu abonnieren oder an staatlich organisierten Versammlungen teilzunehmen. Sie übt Druck auf Studierende und ArbeiterInnen aus, wählen zu gehen, um nicht aus dem Wohnheim geworfen oder am Arbeitsplatz kontrolliert zu werden. Es ist nahezu unmöglich, eine Veranstaltung auf der Straße ohne staatliche Genehmigung durchzuführen. Eine Diktatur trifft den Kern der Gesellschaft: Sie zerstört zwischenmenschliche Verbindungen, versucht dich vom Rest der Gesellschaft zu isolieren und minimiert so die Möglichkeit, dich zu organisieren oder auch nur den Status Quo zu hinterfragen. In einer Diktatur stehst du dem Staat ganz allein gegenüber. Es gibt das Sprichwort: ‚Wir hoffen das Beste und sind auf das Schlimmste gefasst‘. Und so hoffen wir, dass die Diktatur vielleicht in ein paar Tagen schon vorbei ist, aber bereiten uns darauf vor, dass sie noch lange Zeit bleiben wird. (…)

Der Kampf gegen die Diktatur ist nicht nur ein Kampf gegen Lukaschenko, sondern auch auch dafür, dass das Gleiche nicht auch in anderen Ländern passiert. Liberale Länder sind oft näher an autoritärer Herrschaft als sie denken. Von seinen Nachbarn zu lernen, kann der erste Schritt sein, dieser vorzubeugen“.

Wir haben schon gehört, dass es besser ist, sich bereits im Sommer warm anzuziehen.

Verkaufsstellen der iz3w.

spf

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17.7. Halle: „Wir sind die russische Gegenrevolution“. Vom staatlich geförderten Faschismus in Russland und seinen Vestrickungen in der Ukraine

Die ukrainische Krise 2014 und der darauf folgende Krieg im Osten des Landes scheinen die europäische Linke nicht weniger zu überfordern als z.B. der Krieg in Syrien. Den Krieg in der Ukraine auf die Regiemekrise in Russland von 2011 zurückzuführen, würde einen viel radikaleren Begriff von der Politik erfordern, als linke Freunde des Politikmachens ihn haben könnten. In diesem Krieg würde – je nach dem Maß der Ignoranz linker Betrachter – entweder eine bedrängte antifaschistische Schutzmacht gegen die Vortrupps der NATO und der USA oder zwei gleichwertige Faschismen gegeneinander kämpfen. In Wirklichkeit vielmehr, kämpfen zwei verbrüderte Faschismen Seite an Seite gegen etwas, wovon der europäischen (und nicht nur dieser) Linken anscheinend der Begriff abhanden gekommen ist. (Damit ist nicht gesagt, dass das russische oder ukrainische Regime direkt faschistisch wären). Nicht nur wurden die Marionettenregimes der sog. Volksrepubliken etabliert, damit alles bleibe, wie es ist, auch im Inneren der Ukraine wirken Kräfte, die mehr mit Russland zu tun haben, als es auf den ersten Blick scheinen kann.

Als Ausgangspunkt für Überlegungen dazu eignet sich die Geschichte der „Kampforganisation der russischen Nationalisten“ (BORN), die zwischen 2006 und 2011 tätig war, obwohl sie bei Weitem nicht die größte und nicht die blutrünstigste Neonazi-Bande Russlands war. Die Gerichtsprozesse gegen BORN-Mitglieder wurden erst 2015 abgeschlossen und endeten mit lebenslänglichen Freiheitsstrafen für die meisten von ihnen. Bis zur Urteilsverkündung spekulierte der Chefideologe der Bande auf die vermeintlichen „Freunde von oben“, die ihn fallen ließen. Die Spuren in die Behörden und die Präsidentenadministration in die sog. „Jugendpolitik“ der damaligen Zeit, die während der Ermittlungen ans Licht gelangten, wurden nicht weiter verfolgt.

Was sagt der Umgang der Politik mit dem Fall BORN über das Regime Putin aus, welches Rechtsextreme im Inneren an kurzer Leine führt und Rechtspopulisten und Faschisten in Europa anfüttert? Die angebliche „Domestizierung“ der rechten Gewalt, die der russische Staat seit dem Ende der 2000er Jahre betreibt, bedeutet kein Abflauen der Gewalt, sondern nur noch, dass neonazistische Schläger verstärkt in Dienst genommen, weiterhin gegen jeglichen gesellschaftlichen Dissens eingesetzt und weitere Todesopfer gefordert werden. Rassistische Gewalt auf Russlands Straßen bleibt weiterhin virulent. Der Vortrag bietet einen Überblick über zeitgenössische rechtsextreme Tendenzen in Russland.

Ein Vortrag von Ndejra in VL in der Ludwigstraße 37, Halle a. Saale, 20 Uhr.

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Audiomitschnitt: „Gustav Landauer und der Geist der Revolution“

LandauerIISGSieh einer an, was sich so manchmal unerwartet wiederfindet. Und das (fast) zur rechten Zeit, wo sich schlagwortgetriebene Hobby- und Nicht-so-Hobbyhistoriker auf die revolutionären Ereignisse in Deutschland 1918/19 stürzen – weil das hundertjährige Jubiläum des Scheiterns sie mehr reizt als, sagen wir mal, das achtundneunzigjährige. Katastrophen und Tragödien sind eh an runden Daten interessanter.

So kam es, dass Andre Anahles am 30. April 2016 wie gewohnt verkatert in Halle über „Gustav Landauer und den Geist der Revolution“ gesprochen hat. War ok, konnte man schon so machen.

„Es hat in Deutschland in der Zeit seiner größtem Gottferne einen Mann gegeben, der wie kein anderer Mensch dieses Landes und dieser Stunde zur Umkehr aufrief. Um einer kommenden Menschheit willen, die seine Seele schaute und begehrte, stritt er gegen die Unmenschheit, in der er leben musste“, – so schrieb der chassidische Philosoph Martin Buber 1919 über seinen Freund, Publizisten und Volksbeauftragten der Bayerischen Räterepublik Gustav Landauer (1870 – 1919). Dieser gilt als einer der bekanntesten deutschsprachigen Anarchisten. Der Vortrag versucht, nicht nur an den Menschen Landauer zu erinnern, sondern auch sein umfangreiches Werk kritisch zu würdigen. Diese Aufgabe nehmen wir außerdem zum Anlass, das theoretische und praktische Erbe des „klassischen“ (also „Vorkriegs“-) Anarchismus zu reflektieren.

Herunterladen völlig kostenlos hier (mp3, 59,9 MB).

Wir danken Radio Corax für die Bereitstellung. Nicht.

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Die Antisemitismusfalle

Antisemitismus ist ein Problem! Und zwar ein so großes, dass selbst Leute, die sich explizit gegen  jeden Antisemitismus aussprechen, den Begriff so sehr verwässern, weil jeder nach gut Dünken als wenigstens struktureller Antisemit denunziert werden kann, dass der Begriff schließlich zu keiner Unterscheidung mehr taugt, und am Ende sogar rechtskonservative bis rechte Ideologien als einzige ideologiekritische Parteien unterstützt werden können.
Der Antisemitismuskritiker wird zum Rassisten  und zum Antisemiten, und der Faschismus kehrt zurück im Kleid des Antifaschismus. Es wäre gut, wenn die Leute mehr tatsächlich lesen würden. – Hasi Halle