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Buchbesprechung: „Feministisch Streiten. Texte zu Vernunft und Leidenschaft unter Frauen“ von Koschka Linkerhand (Hrsg.), 2018

von Liberace Swaggylegg

(erschienen in der Ausgabe #14)

Koschka Linkerhand hat als Herausgeberin eine Textsammlung zusammengebracht, die ein weites Spektrum abdeckt. In dem Band tauchen einige Reizthemen des feministischen Feuilletons auf, die zumindest dort heiß diskutiert werden. Dabei schafft der Band es, keine neuen Szenegräben aufzutun oder die bestehenden zu erweitern, sondern bietet dialektische Zwischentöne ohne dabei den kleinstmöglichen Kompromiss herbeizusehnen. Vernunftbegabte Menschen sollten es lesen und Leute, die damit anfangen wollen, auch. Allerdings dürfte für einige der ein oder andere Text schon bekannt sein.

Doch kann in diesem Band ein Potential stecken, Strömungen zusammenzubringen. Die Einleitung, von Linkerhand verfasst, ist recht ausführlich und mit jeder Menge Erklärungen und zum großen Teil auch prophylaktischer Deeskalation in Richtung der wutschnaubenden Queers*_Innen*. Weiterlesen

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Von Hongkong nach Moskau mit Liebe

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Es ist immer erfreulich, wenn das langjährige Bestehen der Herrschaft mit schönen Geschenken bedacht wird. Die Arroganz und strategische Blindheit des russischen Regimes bescherte ausgerechnet zum 20-jährigen Putins Herrschaft Großartiges: Überflutungen und schwere Waldbrände (ca. 5 Mln. Ha laut Greenpeace) infolge jahrelanger Einsparungen im Irrigationssystem und anderer Infrastruktur; anhaltende Proteste gegen sich ausbreitende Müllhalden und kirchliche Großbauprojekte in der Provinz; abstürzende nukleargetriebe Raketen als adäquate Antwort auf beleidigende HBO-Serie über Tschernobyl; wachsende Verschuldung der Bevölkerung, die bei tendenziell fallenden Löhnen und Renten immer neue Kredite aufnehmen muss, um alte zu bezahlen (erste Hälfte 2018 betrugen die Kreditschulden 7 Trln. Rubel, sprich 7% des BIP). Vergessen wir nicht die Justiz und den aufgeblähten Repressionsapparat, die lange schon aufgehört haben, auch nur so zu tun, als würden Korruption und systematische Folter nur von einigen wenigen „schwarzen Schafen“ betrieben.

Nun hat das Moskauer Wahlamt ein popeliges Wohlstandsproblem zu einem nationalen gemacht: es geht um die Wahlen in den seit Jahren bereits dekorativen Moskauer Stadtrat. Vor etwa einem Monat, am 27. Juli hat es angefangen auf den Straßen zu brodeln und brodelte etwa drei Wochen lang. Es hätte die Provinz womöglich nicht gejuckt, es geht aber längst nicht mehr um diese Wahlen, das ist allen Beteiligten klar. Deswegen gingen am 9. August etwa 50 bis 60 Tausend Menschen auf die Straßen; Solidaritätsaktionen gab es in St. Petersburg, Ufa, Rostow auf dem Don, Syktywkar, Omsk, Tomsk, Brjansk, Jekaterinburg, Krasnodar, Samara, Chabarowsk, Orenburg, Nizhnij Nowgorod usw. Es geht nicht mehr um die Zulassung von OppositionskandidatInnen zu der Stadtratswahl, nicht mehr um die Freilassung der Gefangengenommenen bei den Protesten. Es gibt nichts mehr zum Schönreden und Reformieren. Rufe nach dem „regime change“ haben wir auch neulich in Jekaterinburg bei den Protesten gegen einen in der Bevölkerung vorbei geplanten Kirchenbau in einem beliebten Erholungspark vernommen.

2012 reflektierten wir das, was in Moskau passierte, folgendermaßen:

Die Proteste können nur zwei Optionen vor einem peinlichen (und sehr gefährlichen) Flop retten. Das plötzliche Auftreten einer charismatischen Figur, die alle politisch wie sozial unterschiedlichen Gruppen der Protestierende hinter sich einigen könnte. Was äußerst unwahrscheinlich ist. Oder: die Proteste werden der sozialen Dimension der politischen „Stabilität“ bewusst: dass etwa 60% der Bevölkerung in Armut leben, ein großer Teil von ihnen hat sehr wohl Arbeit, bekommt nur wie in den „wilden“ 90ern entweder einen mickrigen Lohn und/oder mit Verspätungen (http://nr2.ru/moskow/367036.html); dass demnächst die vor den Wahlen eingefrorenen Preise auf Benzin, Lebensmittel und kommunale Dienstleistungen weiter steigen; dass eine geplante Hebung des Rentenalters auf 70 Jahre angesichts der durchschnittlichen Lebenserwartung von 68,7 Jahren (nach OECD-Statistiken) nur noch zynisch ist; dass die übrig gebliebene Industrie und der Rohstoffabbau rücksichtslos die Umwelt zerstören; dass schließlich die ganze gigantische zentralisierte Infrastruktur veraltet ist, aber offensichtlich nicht rentabel genug für groß angelegte Investitionen scheint, was schlimmstenfalls bald zu schrecklichen technogenen Katastrophen führen könnte. Dass es andererseits einen Zuwachs an Arbeitskonflikten in der Industrie, Lebensmittelbranche und im Transportwesen gibt, Medizin und Bildung ziehen nach. Dass gestreikt inzwischen nicht nur aus Not wird, nicht nur wegen verspäteten Lohnzahlungen, sondern immer mehr für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Dass der Arbeiterschaft anscheinend der noch in 90er Jahren so verbreitete Glaube an „den guten Chef“ ausgetrieben wird, dass deswegen etwa 40% aller Arbeitskonflikte spontan und ohne Unterstützung von offiziellen paternalistischen Gewerkschaften stattfinden. Hinzu kommen natürlich auch viele Umwelt-Initiativen, die bekannter sein dürften.

Wie gesagt, es wird der liberalen Opposition schwer fallen, mit diesen „Plebejern“ zu paktieren. Ohne sie werden die Proteste nicht bestehen – mit ihnen werden die Proteste sich grundlegend verändern, indem sie sich vom politischen Spektakel abwenden. Denn mit oder ohne Putin – ist für das Funktionieren des Systems nicht wirklich relevant. Dieses hat sich aber so weit in die Katastrophe hinein manövriert, dass es praktisch keinen Spielraum mehr hat. Was dann passiert, hängt von viel zu vielen unberechenbaren Faktoren ab.

Was wir damals nicht berücksichtigt haben, ist, wie sehr die ImperiumsbewohnerInnen kleine erfolgreiche Kriege mögen. Das verschaffte dem System Putin 2014 einen nötigen Aufschub. Weiterlesen

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Vier Jahre in der Donezker Volksrepublik. Ein ukrainischer Bergarbeiter berichtet

Das Interview haben wir vom anarchistischen Portal situazion.info aus Russland übernommen, um wieder ein Stimmungsbild aus den ostukrainischen Gebieten – nach fünf Jahren Krieg –  einzufangen. Und das tut das Interview unseres Erachtens durchaus gut. Was der Kollege denn ansonsten nicht aus der Arbeitersicht, sondern aus der Sicht eines Anarchisten von sich gibt, lassen wir unkommentiert. Sucht euch selbst was aus, weswegen ihr die Hände über euren Köpfen zusammenschlagt. – das GT

Dmitry ist 26. Von 2015 bis 2019 arbeitete er im «Bergbaubetrieb A.F. Sasjadko» in Donezk. 2019 zog er nach Kiew. Er war Zeuge vieler Ereignisse, die in Donezk in jener Zeit stattfanden: Er erlebte die Entstehung der Donezker Volksrepublik (DVR), sah den Krieg, sah, wie seine Kollegen im Betrieb darauf reagierten. Aus verständlichen Gründen möchte er unerkannt bleiben. – situazion

Wie groß ist die Belegschaft eures Bergbaubetriebs?

Sie ist groß, über dreitausend Arbeiter.

Wem gehört die Kohlengrube?

Der Besitzer war und bleibt Jefim Leonidowitsch Swjagilski. Er saß in allen Legislaturperioden im ukrainischen Staatsparlament. Er ist der älteste aktive Politiker. Dass er der Besitzer „war und bleibt“, habe ich nicht ohne Grund hervorgehoben. Am 1. März 2017 hat die Donezker Volksrepublik alle ukrainischen Unternehmen nationalisiert und ihnen den Status von Staatsbetrieben der DVR zugesprochen. Das alles aber hindert Jefim Leonidowitsch nicht, mit seinem persönlichen, mit Maschinenpistolen bewaffneten Sicherheitsdienst in das von der DVR kontrollierte Territorium zu reisen und interne, technologische Probleme im Betrieb zu lösen.

War der Lohn in Ordnung? Konnte man mit diesem Lohn eine Familie unterhalten?

Unser Lohn ist gut, aber gering“ ist der Lieblingsspruch der Bergleute. Die Lebensmittelpreise in Donezk sind genauso hoch wie in Moskau. Die Löhne betragen aber nur etwa 15.000 bis 25.000 Rubel (etwa 200 bis 350 Euro – A.d.Ü.), das hängt vom Beruf und der Arbeitsnorm ab. Manchmal hatten manche Brigaden bis zu 30.000, das sind aber Sonderfälle. Macht euch also selbst ein Bild davon. Früher waren die Löhne in „Sasjadko“ etwa 1000 bis 1500 US-Dollar.

Wie waren die Arbeitsbedingungen, also Sicherheitsvorkehrungen, Amortisierung der Arbeitsmittel usw.?
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Ausgabe #14 erschienen

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Und plötzlich, wenn man‘s auch selbst nicht mehr so richtig geglaubt hat, ist es wieder soweit. Jedem Moses sein ganz eigenes brennendes Dornbusch, jedem Ritter Schapphahnski seine Carlotte, jedem Iwan Denissowitsch seine Schüssel wässriger Suppe, jedem Makhno sein schlecht bewachter Grenzübergang nach Rumänien, jedem Gavrilo Princip sein letzter Schuss. Jedem Otto Gross allerdings auch.
Dies alles hat rein gar nichts mit der neuen Ausgabe des Grossen Thiers zu tun. Und zwar dermassen, dass die Redaktion sich sogar nicht wirklich sicher ist, ob es noch die 14. oder bereits die 15. sein soll. In diesem Sinne verzichtete man diesmal auf die Nummerierung und sogar die Seitenzahlen, und stellte nüchtern fest, dass Wera Figner nach der 20-jährigen Einzelhaft bei Weitem vernünftiger war, als die Meisten unserer ZeitgenossInnen, die ein Gefängnis nicht einmal von außen gerochen haben.
Arbeit bzw. Nicht-Arbeit, Feminismus, Stadtguerilla, ein bisschen Weltmarkt und Kultur-Schmultur, mehr haben wir – ganz ehrlich – euch nicht zu bieten. Habt ihr eure Gesichter überhaupt schon im Spiegel gesehen? Da kommt die scheußlichste Thier-Ausgabe seit Langem gerade richtig. Es gilt nach wie vor das, was hier so geschireben steht:

https://dasgrossethier.wordpress.com/hefte/

Hier ist übrigens das neue Promo-Video. Es ist keine Kunst, da brauchen sich die AbstellgleisakademikerInnen von den entsprechenden Fachzeitschriften nicht drum kümmern. Das ist nur #elsagate, was für Kinder, nicht für euch. Adieu –

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Zu Jörg Kronauers Buch „Meinst Du, die Russen wollen Krieg?“

Zwar muss man es neidlos anerkennen: Georg Fülberth konnte bereits 2007 „Germania“ besser auf Latein deklinieren als Rolf Peter Sieferle. Sieferle hat sich allerdings jegliche Chance, was dazu zu lernen, unwiederbringlich verbaut. Nun gut, ich für meinen Teil hätt‘ trotzdem nicht gedacht, dass ich jemals wohlwollend den DKP-Marxologen Fülberth zitieren würde. Aber Recht hat der alte intergalaktische Kommunist Dietmar Dath – ein bisschen Heiliger Geist wohnt auch in dieser Gemeinde.

Man spricht von einem neuen Kalten Krieg und übersieht, worum es sich bei dessen Vorgänger handelte: um einen Systemkonflikt zwischen den Kapitalismus und einem – wie auch immer zu beurteilenden – Sozialismus. Jetzt aber geht es um die Machtverteilung innerhalb einer einer Ordnung, deren Insasse zu sein kein Vergnügen ist. Insofern ist die Gegenwart von 2019 dichter an 1914 als an der Truman-Doktrin.

Muss man da Partei ergreifen? Schlagen wir – weil so manches, was vergangen schien, wiederkehrt – zum zweiten Mal nach bei Karl Liebknecht: „Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“ Dass der Feind seines Feindes sein Freund ist, hat er nicht gesagt.

So schreibt er etwa in konkret 6/19, „ Preisfrage. An der Haltung zu Russland scheiden sich mal wieder auch die linken Geister“, (S. 25).

Nun, Schluss mit dem Namedropping und anderen Geschmackslosigkeiten. Die Buchbesprechung von Jörg Kronauers Buch „Meinst Du, die Russen wollen Krieg?“ wurde dankenswerterweise in CEE IEH Nr. 257 (Mai/Juni) veröffentlicht.

„Eines der wenigen Dinge, an die ich mich, ehrlich gesagt, überhaupt noch aus meinem Studium der Politikwissenschaft erinnere, ist, dass es immer die Dümmsten waren, die nach morgendlicher Spiegel Online-Lektüre in den Seminaren zu den Internationalen Beziehungen am lautesten über die sog. Außenpolitik schwadronierten. Der Maßstab des Themas korrespondiert nicht unbedingt mit der Größe der Erkenntnis. Und wenn doch, dann meistens umgekehrt proportional. Es lässt sich bekanntlich am bequemsten – vorzugsweise von expertenhaften Gesichtsausdrücken und Gesten begleitet – fachmännisch, äquidistant, wissenschaftlich eben über das ›Weltwetter‹ schwadronieren, wenn man/frau eh nichts fürs ›Wetter‹ kann. Da sah man/frau beides bereits in ein und derselben Gestalt: Die politisch interessierten BürgerInnen am Frühstückstisch und die PolitikexpertInnen vom Frühstücksfernsehen, die sich beim Käffchen in die Rolle mal der einen, mal der anderen Regionalmacht unverbindlich einfühlen“.

https://www.conne-island.de/nf/257/9.html

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Aus gegebenem Anlass: Go straight to hell again

Immer und immer wieder wiederholt sich der islamistische und arabisch-nationalistische Ansturm auf Israel, mal als radikal-demokratische Inszenierung an den Grenzübergängen, mal – in gewohnter Manier – als Raketenterror. Mal seufzt die „zivilisierte“ Welt auf und rollt mit den Augen, beide Seiten sollen sich doch bitte etwas mehr um die Menschenrechte bemühen. Sprich, Israel soll nicht zurück schießen, wenn die israelische Zivilbevölkerung beschossen oder abgestochen wird. Mal scheint es, die Welt hat das ganze Drama schon tausendmal gesehen und beginnt es zu durchschauen. Der Antizionismus kommt inzwischen immer offener auf seinen antisemitischen Kern, pseudo-humanitäre Feigenblätter fallen langsam ab. Doch dann liest man wieder deutsche Medien oder Verlautbarungen deutscher StaatsvertreterInnen und es kommt einem die kalte Kotze hoch.

Hier beantwortet von der Osten-Sacken ein paar Fragen zur aktuellen Lage. Im Folgenden ein Abschnitt aus „Das Konzept Materialismus. Pamphlete und Traktate“ von Initiative Sozialistisches Forum. Erschienen 2009, weil‘s aber um die Liquidierung von ar-Rantisi geht, ist er einige Jahre älter. Und auch damals waren der Krieg gegen Israel und weltweite Sympathie für diesen Krieg bereits viel zu lange da.
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